AKTFOTOGRAFIE – ABC

Für ein erfolgreiches Aktshooting, ohne Stress dafür aber mit viel Spaß, sollten Sie einige Tipps und Regeln beachten. Die wichtigsten haben wir für Sie zusammengetragen.

VON JAMARI LIOR © ALLE FOTOS JAMARI LIOR

Model: Alisamai. Visagistik: Rieke Marx. Support: Helmut Willmann.

Model: Alisamai. Visagistik: Rieke Marx. Support: Helmut Willmann.

ABDRÜCKE

Trägt Ihr Model vor dem Shooting enganliegende Kleidung – engsitzende BHs, skinny Jeans etc. – bleiben auf der Haut oft noch länger Abdrücke zurück. Die Retuschearbeit können Sie sich sparen: Das Model sollte sich vor dem Shooting daher locker kleiden, etwa mit einem Hängerkleid oder T-Shirt und Jogginghose.

ANONYM

Manche Modelle sind der Aktfotografie gegenüber zwar aufgeschlossen, möchten aber auf den Bildern nicht erkannt werden. Das ist kein Hindernis für ein erfolgreiches Shooting. Hier bieten sich enge Bildausschnitte an oder Posings mit abgewendetem Gesicht, Haaren oder Armen vor dem Gesicht, Rückenansichten oder abgewandte beziehungsweise in den Nacken geneigte Köpfe. Besondere Merkmale wie auffällige Tattoos sollten Sie bei anonymen Aktfotos wegretuschieren.

BALLETT

Zwar sind manche Posings nicht kompliziert, eine gute Körperbeherrschung ist aber gerade für abwechslungsreiche Aktshootings optimal. Ballerinas sind eine gewisse Körperlichkeit gewohnt, so dass es ihnen oft weniger unangenehm ist, ohne Kleidung zu posen. Wenn Sie also die Wahl haben, nehmen Sie eine Ballerina.

BEGLEITPERSON

Gerade bei Aktshootings bringen Modelle gerne eine Begleitperson mit, weil sie sich dadurch sicherer fühlen. Die Begleitperson sollten Sie also auf jeden Fall akzeptieren. Außerdem kann sie sich als Assistent nützlich machen.

 

Model: Lani.

Model: Lani.

 

CODE OF CONDUCT

Wie verhält man sich? Ein erfahrenes Aktmodell wird es Ihnen einfacher machen. Stehen sich zwei Neulinge gegenüber, kann es etwas verkrampft werden – muss es aber nicht. Schließlich haben Fotograf und Model dasselbe Interesse: gute Fotos. Dafür ist eine lockere Professionalität wichtig. Benennen Sie die Dinge beim Namen und vermeiden Sie allzu blumige Umschreibungen. Brustwarzen sollten auch so genannt werden und nicht „Babys Milchbar“, der Intimbereich nicht die „sensibelste Stelle“. Ständige Witze über das Nacktsein machen die Situation ebenso unangenehm wie ein übereifriger Fotograf, der sich aus Solidarität selbst entkleiden oder rein zu Korrekturzwecken Hand anlegen möchte. Allzu erotische Anspielungen sind ebenfalls fehl am Platz, Worte wie „geil“ oder „heiß“ streichen Sie aus Ihrem Vokabular.

DESSOUS

Was haben Dessous bei Akt zu suchen? Je nach Bildsituation ist es durchaus sinnvoll, Dessous, insbesondere Höschen, anzubehalten und sie dann in der Bildbearbeitung verschwinden zu lassen. Shooten Sie an einem öffentlich zugänglichen Ort, kann der Rest an Bekleidung die Situation deutlich angenehmer machen. Auch fühlt sich manches Model sehr unwohl, wenn alle Hüllen fallen. Wenn es beim Shooting sehr kalt ist, kann man hinten in die Dessous kleine Taschenheizöfchen klemmen, die wenigstens etwas Wärme spenden.

DETAILS

Wundern Sie sich nicht, wenn das Model vor dem Shooting viele Details von Ihnen wissen möchte, Ihre genaue Adresse, Ihre Handynummer, den exakten Shootingort, eine genaue Beschreibung des Themas und wer alles beim Shooting anwesend sein wird. Und es ist auch nicht erstaunlich, wenn sie sich in Modelforen nach Ihrer Seriosität erkundigt. Nehmen Sie das nicht persönlich – das Shooting wird entspannter ablaufen, wenn sich das Model sicher fühlt.

EROTIK

Ein sehr schwieriger und missverständlicher Begriff in der Fotografie. Denn als „erotisch“ kann ganz Unterschiedliches verstanden werden. Aktshootings müssen keineswegs mit Erotik in Verbindung stehen, oft geht es primär um Formensprache. Dessous- Shootings hingegen zielen meistens in Richtung Erotik, hier sieht man verführerische Posen, wie sich auf Betten räkelnde Frauen, sich küssende Pärchen und ähnliches. Auf jeden Fall gilt „Akt ist nicht gleich Erotik“ und eine Anweisung wie „Schau doch mal erotischer“ ist meist unpassend.

FETISCH

Der Begriff „Fetisch“ wird gerne mit der Aktfotografie in Verbindung gebracht, steckt aber ebenfalls voller Missverständnisse. Was für den einen Fetisch ist, etwa ein Gipsbein oder ein Wollpulli, ist für den anderen völlig uninteressant. In der Modelszene werden vor allem die Materialfetische Lack, Leder und Latex unter dem Begriff verstanden, ebenso wie bestimmte Accessoires oder Praktiken, die mit Dominanz und Devotheit in Verbindung stehen, etwa wenn ein Model in dominanter Pose eine Gerte präsentiert. Für manche Modelle kommt zwar die Aktfotografie infrage, nicht aber Fetischfotografie, selbst wenn man dabei viel weniger nackte Haut zeigt.

GLAMOUR

Unter Glamour wird eine Richtung der Akt- und Dessousfotografie verstanden, bei der sich das Model erotisch in Szene setzt, typischerweise entsprechend gestylt in schicken Locations wie eleganten Hotelzimmern.

GLEICHBERECHTIGUNG

gibt es nicht. Manche Fotografen meinen, wenn das Model nackt ist, würde die Situation entspannter, selbst ebenfalls einige Hüllen fallen zu lassen Das ist ein absolutes No-Go.

HANDTUCH

Einige Handtücher parat zu halten, ist eine gute Idee. Wenn Sie im Studio mit Öl oder Wasser experimentieren, muss sich das Model ab und zu abtrocknen können. On location schützt ein Handtuch vor pieksenden Ästen und spitzen Felsen, an die sich das Model lehnen soll. Für Outdoor- Shootings sollten Sie also eine unauffällige Handtuchfarbe wählen.

HEIZUNG

Nicht nur, um es Ihrem Model leichter zu machen, ist eine Heizung, gegebenenfalls ein kleiner, verschiebbarer Ofen, sehr sinnvoll. Auch wird sie Ihnen die Retusche erleichtern, denn eine Ganzkörpergänsehaut lässt sich nicht leicht entfernen.

JACKE

Zwischendurch möchte sich das Model sicher etwas überwerfen, oft nicht nur, weil sie friert, sondern weil unbekleidetes Umherstehen sich seltsam anfühlen kann. Eine Jacke, eine Decke oder ein Bademantel sollten greifbar sein.

KEIN ALKOHOL

Erst einmal auf das Shooting anstoßen, sich warm trinken…? Lassen Sie das lieber! So ein Verhalten erwartet man eher von einem verunsicherten Anfängerfotografen oder vom schmierigen Klischee- Knipser. Stellen Sie lieber Saft oder Kaffee bereit, wenn es outdoor gehen soll, ist eine Thermosflasche mit heißem Tee eine gute Wahl.

KLASSISCHER AKT

Der unbekleidete Körper wird künstlerisch inszeniert. Dabei liegt der Fokus auf einer ästhetischen Gesamtkomposition, also weder auf besonders erotischer Anmutung noch auf besonderer Freizügigkeit. Typisch sind Inszenierungen, die ohne viele Requisiten auskommen, etwa nur den Körper vor schwarzem Hintergrund zeigen und dessen Formensprache in den Vordergrund rücken.

KOMPAKT

Kompakte Posings funktionieren recht gut bei Aktshootings: Das Model rollt sich zusammen, es ergibt sich eine Kreisform. Auf diese Weise ist je nach Perspektive sogar alles verdeckt.

KOSTEN

Natürlich ist es toll, wenn Sie ein Model finden, das alleine wegen der Kunst gerne vor der Kamera steht. Als Anfänger im Aktbereich stehen die Chancen da allerdings nicht so gut. Rechnen Sie bei einem typischen Amateurmodel mit 100 bis 200 Euro Gage für das Shooting.

LICHT

Aktshootings, vor allem Akt im Studio lädt dazu ein, mit künstlichem Licht zu experimentieren. Versuchen Sie es einmal mit Zangenlicht oder seitlichem Licht. Achten Sie darauf, dass das Gesicht kein unattraktives Licht, etwa Unterlicht erhält und dass symmetrische Körperformen wie die Brüste durch ihre Schatten nicht verformt wirken.

MINIMAL

Oft braucht es nicht viel, auch Bodyscapes, Körperlandschaften, bei denen man etwa nur den nackten Bauch sieht, können tolle Formen ergeben. Bei Minimal-Motiven wird oft mit Öl oder Wasser gearbeitet, um eine weitere Struktur hinzuzufügen.

NATÜRLICH

Akt wird oft mit Natürlichkeit in Verbindung gebracht. Daher benötigen Sie selten aufwändiges Make-up oder Hairstyling. Wenn Sie investieren möchten, kann Bodycontouring sinnvoll sein: Die Visagistin dunkelt Bereiche des Körpers ab, die in den Hintergrund treten sollen und setzt Highlights auf Bereiche, die vorstehen sollen. So wirkt das Bild gleich dreidimensionaler.

 

Model: Cara.

Model: Cara.

 

 

„NUR FÜR MICH“

Einige Fotografen versuchen Modelle zu Akt zu überreden, indem sie ihnen garantieren, dass keines der Ergebnisse jemals die Öffentlichkeit zu sehen bekommt: „Ich nutze die Bilder nur für mich.“ Klingt nach einem guten Deal? Im Gegenteil, in den Ohren der meisten Modelle wirkt das sehr unseriös. Warum sollte ein ambitionierter Fotograf Bilder machen, die niemand jemals sehen darf? Buchen Sie lieber gleich ein Aktmodell, als jemanden zu überreden, der eigentlich kein Interesse hat.

ÖFFENTLICHKEIT

Zwangsläufige „Öffentlichkeit“ muss man klar von der Richtung „Nude in Public“ unterscheiden. Bei letztgenannter geht es darum, Reaktionen beim (unfreiwilligen) Publikum zu erhaschen. Hierfür benötigen Sie ein Model, das zeigefreudig veranlagt ist. Auch müssen Sie eventuellen Ärger einplanen. Publikum ist aber auch bei anderen Shootings on location nicht zu vermeiden, etwa wenn Sie in der Natur fotografieren möchten, Ihr Spot aber zur passenden Uhrzeit auch von Wanderern belagert wird. Unsere Empfehlung: Zunächst abzuwarten und nach einer Weile zu fragen, ob Sie Ihr Fotoshooting durchziehen können. Wenn Sie sagen, dass es sich um ein Aktshooting handelt, steht die Chance schon recht gut, dass sich die Reihen lichten. Wenn jemand hingegen sein Handy für Privataufnahmen herauszieht, sollten Sie diese Person nachdrücklich bitten, das zu unterlassen.

POSING

Viele Aktposings sind nicht sonderlich kompliziert: Oftmals sind aber Posings erwünscht, bei denen der Intimbereich verdeckt ist. Wenn Sie on location fotografieren, können Sie bestimmte Körperpartien auch über die Requisite oder die Örtlichkeit ausblenden, etwa, indem sich das Model halb hinter einem Felsen versteckt oder hinter einer Türe hervorschaut. Im Studio kann man das Licht so setzen, dass der Intimbereich im Schatten liegt.

QUERFELDEIN

Die Natur ist ein schöner Ort für Aktshootings. Sie brauchen keine grandiose Kulisse, oft ist schon ein Feld mit hohem Gras ausreichend für tolle Fotos. Ein besonderer Vorteil: Akt in der Natur trägt immer eine Botschaft, die über bloße Ästhetik hinausgeht. Der Mensch wird als Teil der Natur, integriert in sie oder sie ergänzend, präsentiert.

RASUR

Falls Sie Wert darauf legen, sollten Sie dem Model vor dem Shooting sagen, dass es Beine, Achseln und/oder Intimbereich rasiert haben sollte. Für den Notfall können Sie im Badezimmer auch Einmalrasierer und Schaum bereitlegen.

REQUISITE

Vor allem bei Shootings, die in die Glamour-Richtung gehen, sind Requisiten wichtig, etwa Kissen, Kerzenständer, ein Telefon oder ähnliches. Aber auch sonst heißt Akt nicht, dass es keine Requisiten geben darf. Achten Sie auch bei Modellen, die zu unverdeckten Aktaufnahmen bereit sind, darauf, dass nicht unbedingt immer alles sichtbar sein muss. Viele Fotos wirken atmosphärischer, interessanter oder einfach stimmiger, wenn man die Nacktheit nur erahnt.

STATUR

Für Aktshootings eignet sich jede Modell-Figur. Ein sehr schlankes Model beispielsweise kann in der freien Natur etwa die Äste eines knochigen Baumes wieder aufgreifen. Ein eher fülliges Model hingegen passt sich mit seinen weichen Körperformen an organische Felsenformationen an. Allerdings fällt es im Aktbereich schwerer, die Figur nachträglich zu retuschieren. Wer sich also als Akt vor die Kamera wagt, muss je nach Retuschiervermögen und –willen des Fotografens davon ausgehen, dass da nur wenig optimiert werden kann. Wenn Sie planen, die Figur des Modells zu retuschieren, achten Sie darauf, dass relevante Bereiche, etwa die Taille, frei bleiben, also die Arme nicht eng am Körper anliegen. „Röllchen“ lassen sich nicht leicht retuschieren, geben Sie hier lieber die Posinganweisung, dass sich das Model mehr strecken soll.

TATTOOS

Manche Modelle sind großflächig tätowiert. Vielleicht stört Sie das für Ihr Bildkonzept. Camouflage kann Tattoos gut überdecken, ist aber recht aufwändig aufzutragen. Fragen Sie im Zweifelsfall vor dem Shooting nach, ob das Model stark tätowiert ist und ob sie schon Erfahrungen mit dem Abdecken der Tattoos hat.

TEILAKT

Bei weiblichen Modellen bedeutet Teilakt, dass lediglich die Brust zu sehen ist. Der Intimbereich kann durch Tücher, aber auch durch Kleidungsstücke wie Dessous, Hosen oder Röcke verdeckt sein. Bei Männern gilt es weitestgehend als selbstverständlich, dass der Oberkörper unbedeckt bleiben darf.

TÜCHER

Tücher helfen dabei, Brust und/oder Intimbereich zu verdecken beziehungsweise Fettpölsterchen und Röllchen wegzuzaubern. Auch abgesehen davon helfen Tücher, viele Motive harmonischer zu gestalten. Deshalb sollten Sie mehrere, schön fallende, lange Tücher beim Shooting dabei haben.

ÜBUNG

macht den Meister, das gilt auch in der Aktfotografie. Für die Übung braucht es aber nicht immer ein Aktmodell: Eine gelungene Porträtausleuchtung kann man auch mit bekleidetem Model üben, eine schöne Pose lässt sich auch mit Model in Dessous oder Bademode ausprobieren – gut für Ihren Geldbeutel.

VERDECKT

Verdeckter Akt kann bei Frauen zwei Bedeutungen haben: Entweder soll man weder die Brust noch den Intimbereich erkennen, oder es soll lediglich der Intimbereich nicht sichtbar sein. Klären Sie vorher ab, was das Model damit meint. Für den verdeckten Akt bieten sich verschiedene Posen an, etwa ein Bein nach oben abgewinkelt, seitliches Stehen oder die Arme vor der Brust verschränkt. Lange Haare, gegebenenfalls Haarteile oder Perücken können die Brust verdecken.

WASSER

Aktbilder lassen sich wunderschön am oder im Wasser umsetzen. Das geht sowohl im eigenen Studio, wenn Sie eine Duschkonstruktion aufbauen, als auch in einem Mietstudio, das so einen Raum anbietet. Selbstverständlich sind natürliche Bäche oder hübsch angelegte Pools besonders schön. Die nackte Frau am Wasser ist ein Motiv mit zahlreichen Bedeutungen und langer Geschichte.

WORKSHOP

Wenn Sie zunächst einen Aktworkshop besuchen, erleichtert Ihnen das den Einstieg. Hier lernen Sie ein Aktmodell kennen, das Sie eventuell für weitere Shootings buchen können. Außerdem machen Sie erste Aufnahmen für Ihre Mappe, was Sie glaub- und vertrauenswürdiger erscheinen lässt.

YOUNGSTERS

Was für alle Shootings gilt, ist bei Akt besonders relevant: Wer nackt vor der Kamera steht, sollte über 18 sein. Ist ein Aktmodell jünger, müssen die Unterschriften der Erziehungsberechtigten unter den Vertrag.

ZENSUR

Je nach Präsentationskontext müssen Sie Ihre Bilder zensieren. Facebook etwa erlaubt nicht das Zeigen weiblicher Brustwarzen – männliche hingegen sind erlaubt.

ZWEIER

Sie können auch mehrere Personen vor die Kamera holen. Gleich ob Sie ein „Boy-Girl“- oder „Girl-Girl“- Shooting anvisieren, die Modelle sollten nicht zu viel Berührungsängste haben, da gerade verschachtelte Posings eine besondere Geometrie entfalten. Klären Sie das und alle wichtigen Details vor dem Shooting.

 

Weitere interessante Artikel zum Thema Aktfotografie finden Sie in unserem Akt-Special in der Ausgabe 04/2017.

 

2017-06-28T11:54:28+00:00 28. Juni 2017|Categories: News, Tutorials|Tags: , , , , , , |

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