Besser fotografieren: Sterne fotografieren – Gratis-Workshop

Faszination Sternenhimmel

Sterne kann man zu jeder Jahreszeit fotografieren. Für das lohnende Motiv brauchen Sie lediglich einen klaren Himmel, Ihre Kamera, ein Stativ und natürlich einen stockfinsteren Platz.

von Dragana Mimić
Fotos © Martin Fickewirth und Dragana Mimić

Der Sternenhimmel hat uns Menschen von jeher fasziniert. Die Neugier über die unergründliche Weite des Himmels hat zu den waghalsigsten Abenteuern geführt. Doch Sie müssen gar nicht ins Weltall aufsteigen, um dieser Faszination zu erliegen. Seitdem es Digitalkameras mit lichtempfindlichen Sensoren gibt, können Sie bereits mit einem einfachen Fotoequipment beeindruckende Sternenkonstellationen festhalten. Alles, was Sie dafür brauchen, ist Ihre Kamera, ein möglichst lichtstarkes Objektiv, ein stabiles Stativ und selbstverständlich einen klaren Nachthimmel. Suchen Sie sich einen abgelegenen Ort, an dem so wenig Umgebungslicht wie möglich in der Nähe ist. Wir sind für unsere Fotos auf die Fuchskaute, den höchsten Berg im Westerwald, gestiegen, denn die Lichtverschmutzung ist ein wahres Problem bei der Sternenfotografie. Nicht umsonst hat es die Astronomen in die tiefste Wüste Mexicos verschlagen. Doch auch in unseren Breiten gibt es noch Orte, wo man ein blinkendes Himmelszelt beobachten kann. Richten Sie Ihren Blick nach oben, Sie werden beeindruckt sein.

Die Grundlagen

Da sich die Erde um ihre eigene Achse dreht, können Sterne bei entsprechend kurzer Belichtungszeit punktförmig aufgenommen werden. Verlängern Sie die Belichtungszeit, werden die Sterne als Striche abgebildet, die als konzentrische Kreise um den Himmelspol angeordnet sind. Dabei ziehen die Sterne etwa 15 Grad pro Stunde über den Nachthimmel. Dadurch ergeben sich zwei unterschiedliche Arten der Nachthimmel-Fotografie: Zum einen können Sie originalgetreue Abbildungen des Himmels mit punktförmigen Sternen erzeugen oder aber einen Nachthimmel mit Sternspuren (Circumpolar) abbilden. Wie lang die Sternspuren dabei werden, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Die Sternspuren im Bild erscheinen mit zunehmender Brennweite länger. Dies liegt daran, dass die Spuren mit größerer Brennweite näher herangezoomt, größer dargestellt und infolgedessen früher sichtbar werden. Wenn Sie also einen natürlichen Nachthimmel fotografieren möchten, empfehlen wir eine kurze Brennweite von etwa 18 mm. Aufgrund der Erdrotation drehen sich die Sterne scheinbar um die beiden Himmelspole. Bei uns auf der Nordhalbkugel sieht es aus, als ob sich die Sterne um den Polarstern drehen, da dieser ziemlich genau am nördlichen Himmelspol steht. Deshalb wird der Polarstern auch bei längeren Belichtungszeiten weiterhin als Punkt abgebildet. Je weiter ein Stern jedoch vom Himmelpol entfernt ist, desto länger wird bei gleichbleibender Belichtungszeit die Sternenspur. Die längste Belichtungszeit, bei der die Sterne noch natürlich abgebildet werden, hängt, wie schon erwähnt, auch von der verwendeten Brennweite ab. Wir haben mit Brennweiten von 18-20 mm gearbeitet und selbst bei einer Belichtungszeit von 25 bis 30 Sekunden noch punktförmige Sterne erhalten. Probieren Sie es am besten aus.

© Martin Fickewirth

© Martin Fickewirth

 

Wetter und Lichtverschmutzung

Die wichtigste Voraussetzung, neben dem Equipment, ist natürlich das Wetter. Idealerweise haben Sie einen möglichst klaren, wolkenfreien Nachthimmel. Außerdem ist eine geringe Luftfeuchtigkeit von Vorteil, denn sonst kann es nachts schnell klamm und feucht werden. Außerdem kann es zu Kondensationen am Objektiv kommen. Beim Thema Mond scheiden sich die Geister: Die einen schwören auf mondlose Nächte, die anderen nutzen das Mondlicht, um eine teilweise beleuchtete Landschaft zu erhalten, was auch durchaus seinen Reiz hat. Hier muss wohl jeder seine Vorliebe selbst entdecken und ausprobieren, welche Motive besser gefallen. Soll allerdings die Milchstraße fotografiert werden, so kann der Himmel nicht dunkel genug sein. Hier eignen sich Neumond-Nächte besonders gut oder Sie fotografieren vor Mondauf- beziehungsweise nach Monduntergang. Wählen Sie außerdem einen Standort fernab von großen Städten, bei dem möglichst wenig Lichtsmog sichtbar ist, denn sonst erscheinen viele Sterne schlicht und ergreifend gar nicht erst. Im Internet gibt es einige Karten, die die Lichtverschmutzung in Deutschland, aber auch europaweit, anzeigen (www.darksky.ch oder www.lichtverschmutzung.de). Grundsätzlich können Sie zu jeder Jahreszeit fotografieren. Wobei die Wetterbedingungen im Sommer und im Winter an besten sein dürften. Im Sommer ist es aufgrund der Temperaturen natürlich angenehmer nachts zu fotografieren. Im Winter wird es dafür früher dunkel und die Nacht dauert länger an, jedoch können die Temperaturen unangenehm kalt werden. Dieser Umstand kommt allerdings der Bildqualität zu Gute. Denn je kälter der Sensor, desto geringer fällt das Bildrauschen aus.

Die Ausrüstung

Eigentlich ist jede Kamera für die Sternenfotografie geeignet, die sowohl eine manuelle Fokussierung als auch die manuelle Einstellung von Blende, Verschlusszeit und ISO ermöglicht. Von Vorteil ist es außerdem, wenn die Kamera über den sogenannten Bulb-Modus verfügt und damit Langzeitbelichtungen über die normalen Verschlusszeiten hinaus erzielt. Idealerweise lässt sich bei der digitalen Spiegelreflexkamera die Spiegelvorauslösung aktiveren (bei Systemkameras fällt diese Anforderung natürlich weg). Damit kein Streulicht durch den Sucher auf den Sensor fällt, sollte der Sucher zusätzlich abgedunkelt oder mit einem Klebestreifen abgeklebt werden. Packen Sie außerdem genügende Speicherkarten ein – hat Sie der Sternenstaub erst einmal gepackt, hören Sie nicht mehr so schnell auf zu fotografieren. Auch ein aufgeladener Wechselakku gehört in Ihre Fototasche. Bei kalten Außentemperaturen sollten Sie den Akku warm lagern, etwa in Ihrer Hosentasche in Körpernähe. Bei Kälte verringert sich nämlich die Akkuleistung um ein Vielfaches. Bei der Objektivwahl sollten Sie auf das lichtstärkste Objektiv zurückgreifen. So müssen Sie die Belichtungszeit nicht ins Unermessliche verlängern, um genügend Licht auf den Sensor zu bekommen. Eine Offenblende von f/2.8 ist bereits sehr gut geeignet. Außerdem ist die Wahl der Brennweite essentiell. In der Regel wird eine Brennweite von 24 mm und geringer verwendet, insbesondere wenn Sie auch noch etwas von der umgebenden Landschaft mit auf das Bild bekommen möchten. Außerdem gehört ein Fernauslöser in Ihre Tasche, der idealerweise mit einem Timer ausgestattet ist und auch Serienaufnahmen ermöglicht. Des Weiteren brauchen Sie ein stabiles Stativ, das auch bei stärkerem Wind erschütterungsfrei bleibt. Ganz wichtig: Vergessen Sie die Taschenlampe nicht. In der Dunkelheit hat man schnell etwas verlegt und findet es dann nicht wieder. Schalten Sie die Taschenlampe aber vor dem Belichten unbedingt aus. Allerdings können Sie mit der Taschenlampe auch tolle Effekte zaubern. Wie Sie auf dem Bild auf Seite 80 sehen können, haben wir beispielsweise den Baum angestrahlt und so den Vordergrund aufgehellt. Nicht fehlen dürfen außerdem eine Sitzgelegenheit, Decken und dicke Jacken sowie eine Thermoskanne mit Tee. Eine sternklare Nacht kann auch im Sommer ganz schön kalt werden.

 

Die Kamera richtig einstellen

Fotografieren Sie unbedingt im RAW-Format. Nur so können Sie in der späteren Nachbearbeitung, auch wenn Sie nur den Kontrast korrigieren, die besten Ergebnisse erzielen. Besitzt Ihre Kamera eine kamerainterne Rauschreduzierung, so schalten Sie diese aus. Bei dieser Funktion wird üblicherweise nach der eigentlichen Aufnahme ein zweites Bild bei geschlossenem Vorhang mit gleicher Belichtungszeit gemacht (Darkframe) und dann mit dem zuerst aufgenommenen verrechnet. So werden Bildrauschen und Hotpixel aus dem Bild herausgerechnet. Im Fall der Sternenfotografie könnten allerdings auch kleinere Sterne mit herausgerechnet werden.

Auf den Live View sollte nach Möglichkeit verzichtet werden, denn der Sensor wird in diesem Modus permanent angesprochen, der sich dadurch erwärmt und so das Bildrauschen verstärken kann. Die Blende sollte möglichst weit geöffnet werden. Wenn die Abbildungsleistung des Objektivs bei offener Blende zu gering ist, kann das Abblenden helfen. Hier müssen Sie mit Ihrem eigenen Objektiv austesten, was die besseren Ergebnisse bringt. Die ISO-Werte sollten so hoch wie möglich gewählt werden, ohne das Rauschen zu stark werden zu lassen. Sie müssen also einen Kompromiss zwischen Bildrauschen und Lichtempfindlichkeit eingehen. Unter ISO 800 bis 1.600 sind meist keine brauchbaren Ergebnisse zu erwarten. Bei rauscharmen Sensoren kann manchmal aber auch eine ISO-Zahl höher als 3.200 eingesetzt werden. In den Bildbeispielen auf diesen Seiten haben wir eine ISO 2.000 verwendet. Vergessen Sie auf keinen Fall den Bildstabilisator am Objektiv, aber auch in der Kamera selbst, auszuschalten und stellen Sie den Autofokus ab.

 

Kniffeliges Unterfangen

Das richtige Scharfstellen ist wohl die kniffeligste aller Aufgaben bei der Nachtfotografie und kann zu einer wahren Herausforderung werden. In der Regel sind keine hellen Bereiche im Bild vorhanden die genügend Kontrast für den Autofokus liefern würden, wenn Sie Sterne fotografieren. Behelfen Sie sich deshalb mit der Taschenlampe, indem Sie ein entferntes Objekt anleuchten und die beleuchtete Stelle anfokussieren. Doch wir empfehlen Ihnen ausdrücklich den manuellen Fokus zu verwenden, auch wenn es schwieriger ist. Wenn die Kamera über einen Live View verfügt, funktioniert es besonders gut. Visieren Sie bei größter Vergrößerung des Live-View-Bildes den Mond oder einen Stern über den Fokusring an, bis das Objekt möglichst klein im Display erscheint. Ohne Live View ist das manuelle Fokussieren im Dunkeln etwas schwieriger. Um den richtigen Fokuspunkt zu finden, gibt es aber noch einen kleinen Trick: Früher war auf vielen Objektiven eine Skala eingraviert, über die man, ohne rechnen zu müssen, die richtige Blende zur gewählten Brennweite ablesen konnte. Um dies nachzuahmen, fokussieren Sie tagsüber mit der Brennweite und Blende, die Sie zur Sternenfotografie verwenden möchten, einen weit entfernten Gegenstand an. Markieren Sie anschließend diese Position mit einem Klebestreifen am Objektiv. Wenn Sie im Vorfeld nicht daran gedacht haben, bleibt Ihnen nur noch die Möglichkeit, sich über Probeschüsse langsam an die richtige Schärfe anzunähern. Allerdings können Sie am Live View nicht zu 100 Prozent nachprüfen, ob der Fokuspunkt getroffen wurde. Deshalb ist diese Methode nur im Notfall anzuwenden. Haben Sie den Fokuspunkt gefunden, kontrollieren Sie unbedingt, ob der Autofokus tatsächlich deaktiviert ist und drehen Sie nicht mehr am Fokusring.

 

Bildausschnitt

Es gestaltet sich schwierig, den passenden Bildausschnitt zu finden, wenn man durch den Sucher oder Live View nichts erkennen kann. Hier helfen leider nur noch Probeschüsse. Stellen Sie dafür einen sehr hohen ISO-Wert ein, passen Sie die Belichtungszeit an und verändern Sie so lange den Bildausschnitt, bis er gefällt. Haben Sie den Bildausschnitt gefunden, kontrollieren Sie unbedingt den ISO-Wert und stellen Sie ihn wieder kleiner ein.

© Martin Fickewirth Aufnahmedaten: Nikon D800 mit AF Nikkor 20-35mm f/2.8D bei 20 mm, 30 S, f/2.8 und ISO 2000.

© Martin Fickewirth
Aufnahmedaten: Nikon D800 mit AF Nikkor 20-35mm f/2.8D bei 20 mm, 30 S, f/2.8 und ISO 2000.

Fotografieren

Technik 1:
Einzelbild mit kurzer Belichtungszeit
Fotografieren Sie für eine kurze Belichtungszeit mit offener Blende und hohem ISO-Wert von etwa 2.000 oder höher. Diese Technik hat den Nachteil, dass der Himmel aufgrund des ISO-Wertes manchmal etwas verrauscht und nahegelegene Objekte, wie zum Beispiel Bäume, aufgrund der Offenblende nicht scharf dargestellt werden. Die Ergebnisse können allerdings in nur wenigen Schritten nachbearbeitet werden. Für erste Experimente ist diese Methode also durchaus empfehlenswert.

Technik 2:
Einzelbild mit langer Belichtungszeit
Aufgrund der längeren Belichtungszeit kann hier die ISO-Zahl verringert und/oder die Blendenstufe verkleinert werden. So wird der Schärfebereich vergrößert und das Rauschen gleichzeitig reduziert. Bei entsprechend langer Belichtungszeit führt diese Technik zu mehr oder weniger langen Sternspuren. Um lange Sternenbahnen zu erhalten, muss der Kameraverschluss durchaus über mehrere Stunden hinweg geöffnet bleiben. Achten Sie darauf, dass es hier zum sogenannten „Sensorglühen“ kommen kann, bei dem eine Ecke des Bildes aufgrund der Wärmeentwicklung der Kamera deutlich heller wird. Außerdem sollte der Sucher der Kamera bei Langzeitbelichtungen abgedeckt werden, damit kein Streulicht auf den Sensor fällt. Des Weiteren verbraucht die Kamera bei Langzeitbelichtungen sehr viel mehr Strom, da der Spiegel oben und der Verschluss offen gehalten wird. Bei sehr kalten Temperaturen sinkt die Akkuleistung zusätzlich ab, was eine sehr lange Belichtungszeit erschwert. Tragen Sie das Ersatzakku deshalb körpernah und halten Sie es möglichst lange warm.

Technik 3:
Bilderserie mit Nachbearbeitung am PC
Hier werden mehrere Bilder hintereinander mit der bereits vorgestellten Technik 1 aufgenommen. Anschließend verrechnen Sie diese Serie am PC zu einem Gesamtbild. Der Vorteil hierbei ist, dass sich das Bildrauschen im Himmel der Aufnahmen verringert und durch die insgesamt längere Belichtungszeit ein helleres Bild erzeugt werden kann. Erstellen Sie hierfür etwa 15 Einzelbildaufnahmen mit denselben Einstellungen direkt hintereinander. Soll der Vordergrund scharf abgebildet werden, wird abschließend noch ein Bild mit kleinerer Blende aufgenommen. Dadurch verlängert sich auch die Belichtungszeit entsprechend. Wollen Sie den Vordergrund etwas heller darstellen, erhöhen Sie die Belichtungszeit noch etwas weiter. Zusätzlich dazu sollte auch die ISO-Zahl verringert werden, um das Rauschen im Griff zu behalten. Alternativ dazu können Sie ausnahmsweise den Vordergrund mit Blitzlicht künstlich aufhellen oder mit einer Taschenlampe anstrahlen. Sind die Fotos erstellt, geht es weiter zur Nachbearbeitung. Beim einfachen Zusammensetzten werden die hellen Bildteile einfach überlagert. So entsteht ein Bild, auf dem die Sternspuren wieder sichtbar werden. Möchten Sie die Bilder auf diese Weise zusammensetzen, müssen Sie vorher unbedingt die kamerainterne Rauschreduzierung deaktivieren.

 

Die Nachbearbeitung in Lightroom

Die Nachbearbeitung bei der Sternenfotografie ist meist unerlässlich, hält sich jedoch in Grenzen und ist relativ einfach. Als Erstes sollten Sie den Weißabgleich korrigieren. Der automatische Weißabgleich erzeugt im Normalfall einen zu warmen Farbton. Danach werden die einzelnen Sterne über Kontrast-, Belichtungs– und Klarheits-Regler schrittweise herausgearbeitet. Sollte es aufgrund der offenen Blende zu chromatischen
Aberrationen gekommen sein, sollten auch diese korrigiert werden. Setzen Sie das nachträgliche Entrauschen jedoch nur mit Bedacht ein, sonst verschwindet ungewollt der ein oder andere Stern vom Firmament.

Bei der Nachbearbeitung von Bildserien öffnen Sie jedes einzelne Bild der Serie als eigene Ebene in Photoshop und setzen Sie den Ebenenmodus aller Ebenen auf Aufhellen. Mit diesem Schritt sollten die Sternspuren bereits sichtbar sein.

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