Buchrezension: Bildband „Die Erde von oben“

Schockierend schön

20 Jahre nach Erscheinen hat der weltweit meist verkaufte Bildband „Die Erde von oben“ nichts von seiner Faszination verloren.

Autor: Dagmar Schellhas-Pelzer

Gerade geht folgende traurige Nachricht durch die Welt: „Forscher sind zu dem Ergebnis gekommen, die Menschheit hat es in den letzten 40 Jahren geschafft, die Artenvielfalt der Wirbeltiere um die Hälfte zu reduzieren.“ Sehr gut hierzu passen die Bilder und Informationen, die der Franzose Yann Arthus-Bertrand schon vor 20 Jahren in seinem spektakulären Bildband „Die Erde von oben“ festgehalten hat.

Superlative
Ein Werk, das allen Superlativen, die angesichts dessen geschrieben wurden und sich im Untertitel „Ein Jahrhundertprojekt“ spiegeln, auch standhält: Auf 440 Seiten werden atemberaubende Luftaufnahmen gezeigt, die in 150 Ländern zwischen 1982 und 2008 aufgenommen wurden. Aus 500 000 Fotos suchte der Fotograf die eindrucksvollsten heraus, die bisher weltweit in über 110 Ausstellungen – kostenlos und unter freiem Himmel – von rund 120 Millionen Menschen betrachtet wurden. Das Buch wurde weltweit in 24 Sprachen übersetzt und ist über 3 Millionen Mal verkauft worden. Gerade ist im Frederking & Thaler Verlag die überarbeitete Version „Die Erde von oben – 20 Jahre danach“ erschienen.

© Yann Arthus-Bertrand Frederking und Thaler Verlag

© Yann Arthus-Bertrand Frederking und Thaler Verlag

UNESCO öffnet Türen
Schockierend schön und schön schockierend sind die Fotos von Yann Arthus-Bertrand, der rund 2.000 Flugstunden absolvierte bis zur Erstauflage seines Buches. Wer überschlägt, wie viel das bei einer Hubschrauberflugstunde à 800 bis 3.200 Euro ist, kann sich ungefähr vorstellen, dass es sich bei dem Werk auch um ein finanziell einmaliges Jahrhundert(foto)projekt handelt. Erst durch die Unterstützung der UNESCO wurde das Vorhaben kostentechnisch und auch hinsichtlich Grenzöffnungen und Bürokratie erst möglich. Im letzten Kapitel „Geschichte eines Buches“ werden all die Hindernisse und Umstände beschrieben, die der Fotograf über all die Jahre hinweg auf sich genommen hat. Um seinen selbst gewählten Auftrag zu erledigen: Die Erde in ihrem absolut bedenklichen Zustand am Anfang des 21. Jahrhunderts
zu zeigen, für den der Mensch die Verantwortung trägt. Es sind Bilder, die bewegen und befremden: Eine schwarze Mutter in buntem Gewand bei der Baumwollernte, ihr kleines Kind schläft neben ihr wie auf Wolken gebettet. Feuerrote Vögel fliegen auf ihrer gigantischen Reise über vulkanschwarzer Erde. Die ärmsten Menschen der Stadt sammeln verzweifelt auf der Müllhalde von Santo Domingo Habseligkeiten zusammen.

Bittere Wahrheiten
Die Kapitel „Wie viel Mensch erträgt die Welt“ und „Der Wert der Vielfalt“ der insgesamt 15 Kapitel weisen Fakten und Einblicke auf, die betroffen machen (müssen). „Der Bevölkerungsrückgang in reichen Industrienationen wie Deutschland ist freilich teuer erkauft. Wir können uns den Reichtum nur erlauben, weil wir unsere Umwelt maßlos ausbeuten und damit im eigentlichen Sinn überbevölkert sind. Doch die negativen Folgen der Überbevölkerung bekommen erst nur die Bewohner der armen Länder zu spüren. Ihre Lebensbedingungen verschlechtern sich mit jedem neuen Konkurrenten um Brennholz, Weidefläche und Ackerland.“ (Seite 50) So ködert uns Yann Arthus-Bertrand mit wunderschönen Fotos, um uns häppchenweise die brutale Realität auf dieser unserer Erde vor Augen zu führen. Ob der Betrachter aus diesen Erkenntnissen irgendetwas macht, etwas in seinem Leben ändert, um diese schockierend schöne Welt für seine Kinder zu erhalten – können wir hier nicht beantworten. Wir können nur die Lektüre dieses Jahrhundertprojektes wärmstens empfehlen und auf
Einsicht hoffen. Wenn wir in den nächsten 40 Jahren noch die anderen
Tiere aus der Welt schaffen, dann kennen Kinder und Enkelkinder die Artenvielfalt wahrscheinlich nur noch aus Bildbänden und Dokumentationen wie diesen.

 

CoverDie Erde von oben –
Ein Jahrhundertprojekt von Yann Arthus-Betrand
Jubiläumsausgabe
Verlag: Frederking & Thaler

Hardcover mit Schutzumschlag
440 Seiten, ca. 202 Abbildungen
Format 29 x 37 cm
ISBN-13: 978-3-89405-767-1
Preis:59,00 Euro

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DER AUTOR
Der Franzose Yann Arthus-Bertrand begann als 30-Jähriger (Jahrgang 1946) mit der Luftbildfotografie in einem Heißluftballon über Kenia. Schon immer lagen ihm die Themen Umwelt- und Naturschutz am Herzen und er stellte seine Arbeit als Fotograf ganz in ihren Dienst. In Kooperation mit GEO, National Geographic und der UNESCO realisierte er zahlreiche Umweltprojekte und Dokumentationen. Sein Film „Home“ über den Zustand der Erde feierte 2009 Weltpremiere. Er trägt u.a. den Titel „Ritter der Ehrenlegion“.

2017-01-12T14:49:42+00:00 2. Februar 2015|Categories: Bücher, News|Tags: , , , , |

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