Traumlinse

Lange haben die Fans darauf gewartet, nun ist das lange ersehnte Pro-Zoom für die Olympus- und Panansonic-Systemkameras endlich auf dem Markt. Und das schöne ist, das Warten hat sich tatsächlich gelohnt.

Autor: Hans-Günther Beer
Alle Fotos © Hans-Günther Beer

Schon bei der Vorstellung des neuen Top-Models unter den Olympus MFT-Kameras, der OM-D E-M1 im vergangenen Jahr, kündigte Olympus eine völlig neue Reihe von Pro-Objektiven an. Nur das M.ZUIKO DIGITAL ED 12‑40mm 1:2.8 PRO kam zusammen mit der Kamera auf den Markt, weitere Modelle wurden erst für Ende 2014 angekündigt. Olympus hat aber Wort gehalten und kürzlich das neue Telezoom der Pro- Serie mit Lichtstärke f/2.8 vorgestellt. Ein Objektiv, auf das viele Olympus- Fans sehnsüchtig gewartet haben. Zusammen mit dem Telezoom stellte der japanische Hersteller auch einen dazu passenden Telekonverter, den M.ZUIKO DIGITAL 1.4x MC‑14 vor, der so gerechnet wurde, dass er auch für das für 2015 angekündigte 300mm f/4.0 Pro-Objektiv passt. Aus einem M.ZUIKO DIGITAL ED 40‑150mm 1:2.8 PRO macht dieser Konverter ein 56‑210mm 1:4.0 und aus dem künftigen 300er ein 1:5.6 420er, das Kleinbildäquivalent wäre dann ein Teleriese mit einer Brennweite von 840 Millimeter und einer Lichtstärke von f/5.6. Das hier zusammen mit dem Konverter getestete 40‑150mm 1:2.8 entspricht einem 112-420 Millimeter mit Lichtstärke f/4.0. Aber genug der Rechnerei, nur eins noch: der unverbindliche Richtpreis für den Neuling beträgt 1.399 Euro und ist als Bundle zusammen mit dem Konverter für 1.599 Euro erhältlich, der Konverter kostet solo 349 Euro.

Die hervorragende Verarbeitung des Objektivs zeigt sich auch  Details wie der dem Stativanschluss.

Die hervorragende Verarbeitung des Objektivs zeigt sich auch
Details wie der dem Stativanschluss.

Ausstattung, Haptik, Verarbeitung
Schon der erste Eindruck nach dem Auspacken lässt einem das Wasser im Mund zusammen laufen. In den Händen hält man ein äußerst kompaktes Stück Objektivtechnik mit einem exzellenten Finish. Das Zoom ist komplett aus Metall gefertigt, die Oberflächen schimmern in edlem, einheitlichem Schwarz. Die Verstellringe für die Entfernungseinstellung und die Brennweite sind fein geriffelt, sehr griffig und laufen geschmeidig wie ein Löffel im Honigglas. Dank Innenfokussierung ändert sich die Länge nicht, auch beim Verstellen der Brennweite bleibt die Länge gleich. Das sind schon mal die großen Unterschiede zum immer noch viel gerühmten FT-Zoom 50-200. Die Stativschelle ist drehbar gelagert und lässt sich nach dem Wechsel auf Hoch- oder Querformat mit einem Drehknopf blitzschnell feststellen. Allein die Verarbeitung dieser Stativschelle ist eine Augenweide und steht für die des gesamten Objektivs. Kompakt bleibt das M.ZUIKO DIGITAL ED 40‑150mm 1:2.8 PRO mit montierter Gegenlichtblende, denn diese lässt sich nach einem kleinen Linksdreh komplett vor- – dann rastet sie ein – oder zurückschieben und schließt in diesem Fall dann bündig mit der Vorderkannte des Zooms ab – rastet dann aber nicht ein. Insgesamt eine tolle Lösung. Selbstverständlich kann man die ausziehbare Gegenlichtblende auch komplett abnehmen, ein Rechtsdreh genügt, um das Bajonett zu lösen. Das M.ZUIKO DIGITAL ED 40‑150mm 1:2.8 PRO bildet mit der E-M1 eine handliche, kompakte Einheit, die um ein Vielfaches kleiner ist als vergleichbare Lösungen für Kameras mit Kleinbildsensoren. Einen Batteriegriff haben wir übrigens an der E-M1 nicht vermisst, die Zusatzschiene von Real Right Stuff passt bestens und balanciert die Kombination gut aus. Das Zoom und auch der Telekonverter sind wie die Kamera komplett gegen Spritzwasser und Staub geschützt. Die Naheinstellgrenze des Zooms liegt im gesamten Brennweitenbereich bei 50 Zentimetern, dadurch sind Nahaufnahmen aus großem Abstand möglich. Zur Ausstattung gehört auch eine Funktionstaste, die serienmäßig mit Fokusstopp belegt ist, aber auch umprogrammiert werden kann.

Autofokus: Schnelligkeit, Präzision
Für den Autofokus verwendet Olympus beim M.ZUIKO DIGITAL ED 40‑150mm 1:2.8 PRO zwei Linearmotoren, die die beiden dafür verwendeten Linsengruppen besonders schnell verschieben können. Vorteilhaft sind hier natürlich die vergleichsweise geringen Massen der Linsen. Und in der Tat ist die Fokussiergeschwindigkeit an der E-M1 nur als rasant zu bezeichnen. Tippt man den Auslöser an, ist
nach einem Wimpernschlag der Fokuspunkt getroffen. Geschätzte 0,1 Sekunden vergehen und die Schärfe sitzt auf den Punkt, immer und bei jeder Brennweite, selbst mit Konverter. Zieht man den Fokussierring nach hinten, wechselt das Objektiv auf manuellen Fokus. Der Fokusring besitzt nun zwei feste Anschläge. Obwohl die Linsen nun immer noch indirekt elektronisch verstellt werden, hat man das Gefühlt, es sei eine direkte mechanische Verbindung vorhanden. Im CFModus an der Kamera mit 6,5 Bildern pro Sekunde bildet das M.ZUIKO DIGITAL ED 40‑150mm 1:2.8 PRO und die E-M1 eine harmonische und schnelle Einheit. Die Treffsicherheit bei Serienaufnahmen von sich bewegenden Objekten ist, wenn man die Ratschläge von Olympus-Guru Reinhard Wagner (http://www.oly-forum.com) befolgt, nahezu 100 Prozent. Mit der E-M1 avanciert das Zoom zu einer kompakten und blitzschnellen Kombination für Reportageaufnahmen und zusammen mit dem Telekonverter zu einem potenten Arbeitswerkzeug für die Sportfotografie.

Schiebt man den griffigen Entfernungs-Einstellungsring zurück, wechselt das Objektiv in den manuellen Fokus-Modus. Ein spezieller Umschalter ist nicht mehr nötig.

Schiebt man den griffigen Entfernungs-Einstellungsring zurück, wechselt das Objektiv in den manuellen Fokus-Modus. Ein spezieller Umschalter ist nicht mehr nötig.

Bildqualität: Schärfe, chromatische Aberration
Beim M.ZUIKO DIGITAL ED 40‑150mm 1:2.8 PRO haben wir Testaufnahmen bei den Brennweiten 40, 100 und 150 Millimeter für alle Blenden von f/2.8 bis f/22 durchgeführt, außerdem mit montiertem Telekonverter auch die Brennweite 210 mm ab Blende f/4. Zur Beurteilung und Bewertung verwendeten wir ausschließlich RAW-Daten, die wir mit Lightroom 5 und Capture One 8 entwickelten. Die Kameraelektronik hatte also – nicht wie bei JPGAufnahmen Out of the Camera – hier keine Chance, zu kompensieren. Außerdem wurden in den RAW-Konvertern alle Filter und Objektivkorrekturen ausgeschaltet. Angesichts des Offsetdrucks für das Magazin blieb lediglich eine geringe Vorschärfung aktiv, zusätzliche Schärfetools á la Nik Sharpener kamen nicht zum Einsatz.

Chromatische Aberration
Um es kurz zu machen: Chromatische Aberration ist für das Zoom überhaupt kein Thema. Das gilt für alle Brennweiten, alle Blenden und selbst für den Betrieb mit dem Telekonverter. Ein dickes Kompliment an die Entwickler. Das Bokeh des Zooms ist sehr schön und auch ziemlich weich, erscheint aber nicht ganz so duftig wie das des FT-Makro-Objektivs 2.0 50mm.

Bildschärfe
Auch bei der Beurteilung der Bildschärfe waren wir mehr als überrascht, wie konstant und auf welch extrem hohen Niveau hier das M.ZUIKO DIGITAL ED 40‑150mm 1:2.8 PRO spielt, zumindest, wenn es ohne Telekonverter betrieben wird. Bei Blende f/2.8 zeigt das Objektiv in der Bildmitte bei allen Brennweiten von 40 bis 150 Millimeter eine hervorragende Schärfe. Abblenden um eine Stufe auf f/4 bringt noch einen Hauch mehr an Details, weiteres Abblenden nichts mehr, im Gegenteil. Ab Blende f/8 lässt die Schärfe aufgrund des Einflusses von Beugungseffekten schon leicht nach. Dennoch kann das M.ZUIKO DIGITAL ED 40‑150mm 1:2.8 PRO auch mit dieser Blende in der Mitte als sehr scharf bezeichnet werden. In den Bildecken ist das Zoom schon bei Blende f/2.8 und bei 40 Millimeter Brennweite sehr scharf und bei 100 Millimeter Brennweite sogar extrem scharf. Bei 150 Millimeter Brennweite lässt es minimal nach, aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Blendet man bei dieser Brennweite auf f/4 ab, macht die Schärfe einen deutlichen Sprung und eine kleine Steigerung ist auch noch bei Blende f/5.6 bemerkbar. Auch bei den Brennweiten 40 und 100 Millimeter ist durch das Abblenden auf f/4.0 noch eine ganz leichte Steigerung spürbar, ein weiteres Abblenden bringt fast nichts mehr. Wird das M.ZUIKO DIGITAL ED 40‑150mm 1:2.8 PRO mit dem Konverter M.ZUIKO DIGITAL 1.4x MC‑14 kombiniert, erhöht sich die maximale Brennweite auf 210 Millimeter und die größte Blendenöffnung beträgt dann noch f/4. In der Mitte verliert die Kombination gegenüber 150 Millimeter Brennweite etwas an Schärfe, nicht sehr viel, aber sichtbar. Abblenden ändert hieran nichts mehr, es ist keine Steigerung erkennbar. In den Bildecken tritt diese leichte Reduzierung der Schärfe erstaunlicherweise weniger stark auf, außerdem bringt hier das Abblenden auf f/5.6 noch eine leichte Steigerung. Ergo: Ohne Konverter ist das neue Pro-Zoom in der Mitte ein sehr scharfes, eine Stufe angeblendet ein extrem scharfes Objektiv, selbst in den Bildecken ist die Schärfe bei Offenblende sehr gut, ab f/4 exzellent. Dies gilt mit leichten Einschränkungen auch bei der längsten Brennweite 150 Millimeter. Mit Telekonverter lässt die Schärfe insgesamt nur ein wenig nach, ist aber insgesamt, und zwar in den Mitte und in den Bildecken immer noch gut bis sehr gut, leicht abgeblendet sehr gut. Man merkt hier ganz deutlich, dass Objektiv und Konverter gemeinsam und füreinander konstruiert wurden.

Die Testcharts

Die Testcharts zum M.ZUIKO DIGITAL ED 40‑150mm 1:2.8 PRO finden Sie hier.

 

Fazit
Das Warten auf das Olympus M.ZUIKO DIGITAL ED 40‑150mm 1:2.8 PRO hat sich auf jeden Fall gelohnt. Anders ausgedrückt: Allein dieses Objektiv könnte ein guter Grund für einen Systemwechsel auf MFT sein. Anmutung, Verarbeitung und Haptik stehen auf höchstem Niveau. Die Bedienung macht Spaß und der Autofokus arbeitet perfekt. Die Abbildungsqualität des Objektivs ist insgesamt exzellent,
leicht abgeblendet auf f/4 sogar überragend. In Kombination mit dem Telekonverter M.ZUIKO DIGITAL 1.4x MC‑14 steigt die maximale Brennweite auf 210 Millimeter, die Einbußen an Schärfe und Auflösung sind sehr gering und in der fotografischen Praxis wohl kaum wirklich bemerkbar und lassen sich durch Abblenden auf f/5.6 sogar noch reduzieren. Das M.ZUIKO DIGITAL ED 40‑150mm 1:2.8 PRO bekommt von Pictures Magazin eine ganz klare Kaufempfehlung und man sollte den Konverter gleich dazukaufen. Man bekommt dann für knapp 1.600 Euro eine fast unschlagbare Objektivkombination.
Bitte teilen Sie diesen Beitrag

Merken

6 Kommentare

  1. M. Rabe says:

    Es wäre hilfreich wenn auch oben im Artikel statt „Reinhold Wagner (http://www.oly-forum.com)“ der korrekte Name „Reinhard“ genannt würde. Erleichtert die Suche erheblich.

    • Dragana Mimic says:

      Danke für den Hinweis! Wir haben den Namen korrigiert. Der Herr heißt selbstverständlich Reinhard Wagner.
      Beste Grüße!

  2. Wiezel says:

    Guten Tag

    Beeindruckend! Kann ich das Objektiv auch an der Lumix GH4 ohne Einschränkungen einsetzen?
    Vielen Dank und freundliche Grüsse
    Luzi Wiezel

    • Hans-Günther Beer says:

      Hallo Luzi,

      Das Objektiv passt auch prima zur GH4, bedenke aber, dass Du dann keinen Imagestabilizer zur Verfügung hast. Im Olympus-Zoom ist keiner eingebaut, da die OM-Ds alle einen in der Kamera haben.
      Schöne Grüße
      Hans-Günther

  3. Vielen Dank für diesen tollen Test. Ich werde das Objektiv demnächst auch in den Warenkorb legen 🙂
    Eine Frage zu dem Artikel habe ich. Du hast erwähnt daß Olympus-Guru Reinhold Wagner irgendwo auf seiner Seite Ratschläge zu den Serienbildaufnahmen hat. Kannst Du mir sagen wo genau?
    Vielen Dank
    Martin

Eine Antwort schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *