PRAXISTEST: Panasonic Lumix DMC-GX8

ELEGANT UND VIELSEITIG

Mit der Lumix DMC-GX8 offeriert Panasonic eine äußerst vielseitige Systemkamera mit hohem Bedienungskomfort und einigen einzigartigen Ausstattungsdetails. Und ja, eine erstklassige Bildqualität liefert sie auch.

VON HANS-GÜNTHER BEER
© ALLE FOTOS HANS-GÜNTHER BEER

Ähnlichkeiten zum Vorgängermodell DMC-GX7 bietet die GX8 kaum noch, zu viel hat sich geändert. Da sind zunächst Größe und Gewicht: Für eine Micro Four Thirds-Systemkamera, die ja ehemals mit dem Anspruch antraten, hohe Bildqualität in besonders kompakten Gehäusen zu liefern, schlägt die Lumix DMC-GX8 (UVP 999 Euro) ein wenig aus der Art und ist deutlich größer und gewichtiger als der eher zierliche Vorgänger – allerdings nicht zu ihrem Nachteil. Ausstattung und Handling Das wuchtigere Metall-Gehäuse fühlt sich vertrauenserweckend solide an und wirkt auch in Details ausgesprochen hochwertig gefertigt. Der schwarze Kamerabody ist außerdem gefällig proportioniert und strahlt dank des leicht genarbten, edel wirkenden Oberflächenfinishs und der fein strukturierten Belederung eine elegante Coolness aus. Außerdem liegt die GX8 auf Anhieb gut in der Hand, auch aufgrund ihrer Größe deutlich besser als die GX7, wozu auch der ausgeprägte und griffige Kameragriff beiträgt. Das neue lichtstarke und im Gegensatz zu den meisten älteren Lumix-Objektiven ebenfalls gegen Staub und Spritzwasser geschützte Standardzoom G VARIO 12- 35mm/F2.8 ASPH/POWER O.I.S, das wir zusammen mit der Kamera testeten, passt auch haptisch perfekt zur GX8. Bei der Anordnung der Tasten und Einstellräder blieben die Designer beim Bewährten, entwickelten es aber auch weiter. Ein großes Drehrad für die Belichtungskorrektur sitzt konzentrisch, gegen versehentliches Verstellen gut geschützt unter dem Moduswahlrad. Beide lassen sich dennoch gut greifen und rasten präzise ein. Das Moduswahlrad besitzt drei Positionen (C1 bis C3) zum Speichern und Abrufen individueller Kamerakonfigurationen. Die beiden Drehräder zum Einstellen diverser Parameter lassen sich individuell programmieren und sind ebenfalls haptisch gelungen. Praktisches Detail: Mit der Drucktaste im Zentrum des hinteren Daumenrads lassen sich beide Räder kurzfristig auf Direktverstellung von Weißabgleich und ISO-Wert umschalten. Bei einigen Bedienelementen sind die Designer allerdings übers Ziel hinausgeschossen und haben die elegante Optik über die Funktionalität gestellt. Insbesondere die vordere Funktionstaste Fn7 wurde derart bündig ins Gehäuse eingelassen, dass man sie mit den Fingerspitzen kaum ertasten kann. Doch viel mehr gibt’s nicht zu meckern – im Gegenteil. Ein Highlight der GX8 ist der um 90 Grad nach oben klappbare elektronische Sucher, einzigartig in dieser Klasse. Dafür musste der noch bei der GX7 eingebaute Blitz weichen, denn dafür war einfach kein Platz mehr. Grund: Das mit 2,4 Millionen Bildpunkten sehr hochauflösende OLEDDisplay baut deutlich größer, liefert aber auch ein gestochen scharfes, beeindruckend großes Sucherbild, das einem Vergrößerungsfaktor von 0,77 (Kleinbild-Spiegelreflex-Äquivalent) besitzt. Die Qualität des Suchers zeigt sich zudem dank der schnellen Bildfolgefrequenz von 60 Bildern pro Sekunde auch bei schnellen Schwenkbewegungen: keine Nachzieheffekte – vorbildlich. Auch für Brillenträger ist das Sucherbild übrigens gut überschaubar. Das rückwärtige, seitlich schwenk- und klappbare OLED-Touchscreen- Display ist reaktionsschnell, scharf und kontrastreich, und selbst bei sehr schrägem Blick auf das Display bleiben Kontrast und Schärfe voll erhalten. Komfortabel ist zudem die Möglichkeit, den Fokuspunkt beim Blick durch den Sucher auf dem Display per Daumen zu positionieren. Das funktioniert kinderleicht und zuverlässig. Außerdem lässt sich die Größe des Fokuspunktes beziehungsweise des -bereiches per Daumenrad in der Größe verändern. Damit gelingt das Fokussieren reaktionsschnell und treffsicher. Der Lithium-Ionen-Akku mit einer Kapazität von 1200 mAh reicht für mehr als 300 Fotos oder bei häufigerem Betrachten seiner Fotos auf dem rückwärtigen Display etwa einen halben Tag – Ersatzakkus sollte man bei seinen Fotosessions immer dabei haben. Der Grund für den eher höheren Stromverbrauch ist die überkomplette Ausstattung der GX8 – unter anderem natürlich mit WLAN und NFC. Da ist zunächst aber der schon erwähnte große, hochauflösende elektronische Sucher, der natürlich auch mehr Energie braucht. Dies gilt auch für den brandneuen 20 Megapixel-Sensor, der eine 25 Prozent höhere Auflösung als der in der GX7 bietet. Entscheidend in Sachen Energiebilanz dürfte aber der im Kamerabody integrierte Bildstabilisator sein, der bei leichtem Druck auf den Auslöser scharf schaltet. Hier ist der Bildsensor beweglich gelagert und kann in mehreren Achsen unerwünschte Bewegungen der Kamera ausgleichen. Mit diesem Dual I.S. bietet den neuen Lumix-Kameras allerdings mehr und läutet zugleich eine neue Ära ein. Denn wie der Name vermuten lässt, arbeiten ab sofort zwei Stabilisierungssysteme bei Panasonic, eins wie gehabt in den Objektiven plus das im Kamerabody, Hand in Hand – und ergänzen sich gegenseitig. Somit lassen sich auch alle Olympus- MFT-Objektive an der GX8 einsetzen ohne, wie bisher, auf einen Bildstabilisator verzichten zu müssen. Grundsätzlich gilt, dass bei kurzbrennweitigen Objektiven der Stabilisator in der Kamera den größten Einfluss hat. Bei zunehmender Brennweite ist dann der Stabilisator im Objektiv immer wichtiger und wirkungsvoller. Nicht ohne Grund hat ja Olympus sein neues 300er Tele (Test Ausgabe 3/2016) ebenfalls mit einem optischen Bildstabilisator ausgestattet. Deutlich aufgerüstet hat Panasonic auch die Verschluss- Sektion der GX 8. Der mechanische Verschluss bietet als kürzeste Belichtungszeit die 1/8000 Sekunde und ermöglicht acht Aufnahmen pro Sekunde. Ist die Autofokus-Nachführung aktiviert, sind es noch respektable sechs Fotos pro Sekunde, mit dem elektronischen Verschluss zehn, wobei die Liveview-Ansicht auch tatsächlich live dabei bleibt. Der interne Zwischenspeicher schafft immerhin 28 RAW- plus JPEG-Aufnahmen am Stück, lange Aufnahmeserien sind also möglich, was bis vor Kurzem in dieser Form nur ausgesprochene Profiboliden bieten konnten. Ist der Speicher voll, sinkt die Serienbildgeschwindigkeit übrigens auf drei Bilder pro Sekunde. Doch das ist bei weitem nicht alles: So richtig schnell wird die GX8 im 4K-Fotomodus, der 30 Bilder pro Sekunde mit etwas mehr als 8 Megapixel Auflösung bietet, wobei wie bei den 4K-Videoaufnahmen – ein weiteres High Light der GX8 – nur der innere Bereich des Sensors genutzt wird. Durch diesen Cropfaktor erhält der Fotograf als Ausgleich für die geringere Auflösung quasi mehr Telebrennweite, für die Sportfotografie nicht ganz uninteressant. Zumal 8,3 Megapixel Auflösung für den Abdruck von Fotos im DIN A4-Format allemal reichen. Das Seitenverhältnis dieser Aufnahmen lässt sich von quadratisch bis 16:9 im Menü vorwählen. Insgesamt stehen drei verschiedene 4K-Fotomodi zur Verfügung: 4K-Pre-Burst, und zwei 4K-Serienbilder-Funktionen. Am interessantesten ist unserer Meinung nach der 4K-Pre-Burst-Modus. Hierbei scannt der Sensor der GX8 permanent und hält 30 Einzelaufnahmen schon vor. Will heißen: Beim Druck auf den Auslöser werden diese 30 Bilder pro Sekunde vor dem Auslösezeitpunkt abgespeichert und weitere 30 nach Betätigung des Auslösers, also insgesamt 60 Aufnahmen. Hier wird also der Faktor Mensch mit seiner langen Reaktionszeit ausgehebelt und Momente eingefangen, die sonst schon längst vorbei sind, bevor man reagiert.

Die Oberseite der GX8 ist sehr aufgeräumt, gut gelöst ist die Anordnung des Stellrades für die Belichtungsskorrektur. Der Ein-/Aus-Schalter ist etwas schwer zugänglich.

Die Oberseite der GX8 ist sehr aufgeräumt, gut gelöst ist die Anordnung des Stellrades für die Belichtungsskorrektur. Der Ein-/Aus-Schalter ist etwas schwer zugänglich.

 

Diese 60 Aufnahmen werden als „Kurzfilm“ aufgezeichnet und man sucht sich dann das entscheidende Bild aus und extrahiert es als JPEG. Im 4K-Videomodus kann die GX8 im MP4-Aufnahmeformat, auch das AVCHD- Format steht zur Verfügung, Videos mit einer Auflösung von 3840 x 2160 Bildpunkten mit 25 Bildern pro Sekunde (fps) und einem Datenstrom von 100 Mps aufzeichnen. Das ist für eine Kamera dieser Preisklasse außergewöhnlich. Beim 4K-Modus wird wie bei den 4K-Fotos nur der innere Bereich des Sensors genutzt. Bei AVCHD- Aufnahmen, hier geht maximal Full HD mit 50 fps, hingegen nutzt die GX8 die komplette Sensorfläche ohne Cropfaktor. Dies ist in der Regel vorteilhafter, da Weitwinkelobjektive tatsächlich auch als solche genutzt werden, zumal die Profis beim Videofilmen eh Weitwinkelbrennweiten bevorzugen. Besonders zu erwähnen sind die Autofokusfunktionen der GX8. Sie bietet, wie alle Lumix-Kameras, die sogenannte DFD-Technik. Vereinfacht ausgedrückt berechnet die kamerainterne Elektronik beim Follow-Fokus aus zwei Fotos die voraussichtliche Position des sich bewegenden Motivdetails für die nächste Aufnahme und stellt den Fokusmotor im Objektiv schon auf diese Position vor. Somit sind nur noch minimale Korrekturen für einen wirklich perfekt sitzenden Fokus notwendig. In der Praxis funktioniert diese DFD-Technik wirklich famos und so ist auch bei hohen Serienbildgeschwindigkeiten die Trefferquote sehr gut und der Ausschuss gering, wie unsere Tests belegen. Einen gewichtigen Anteil hatte daran auch das G VARIO 12-35mm/ F2.8 ASPH/POWER O.I.S. Dies gilt auch für die Beurteilung der Bildqualität der GX8.

Der Dreh- und Klappmechanismus für den Touchscreen wirkt vertrauenerweckend stabil.

Der Dreh- und Klappmechanismus für den Touchscreen wirkt vertrauenerweckend stabil.

Die Bildqualität

Der neue 20 Megapixelsensor macht merkbar hochaufgelöstere Fotos als die Kameras mit 16 Megapixel-Sensoren und das vor allem bei niedrigerem Farbrauschen. Bis Empfindlichkeitswerten von 800 ISO muss man sich über Rauschen gar keine Gedanken machen, bis 1600 ISO ist bei RAWAufnahmen nur leichtes Farbrauschen wahrnehmbar, das sich bei 3200 und 6400 ISO sozusagen linear steigert, aber in den meisten Fällen, besonders bei Fotos mit wenigen homogenen Farbflächen, nur relativ gering bemerkbar macht. Erfreulich ist, dass Panasonic darauf verzichtet hat, im JPEG-Format das Farbrauschen allzu stark wegzurechnen, die Fotos also zu glatt zu machen, was immer auf Kosten feiner Motivdetails geht. Ebenfalls erfreulich, dass Panasonic mit dem neuen Sensor auch bei der Dynamik einen guten Griff getan hat. Denn der Maximalwert von guten zwölf Blendenstufen (bei ISO 200) sinkt bis ISO 800 nur wenig und liegt bei ISO 3200 immer noch um die zehn Blendenstufen.

Solche Aufnahmen sind mit dem 4k Pre-Burst im 4K-Fotomodus möglich. Das ausgewählte Foto entstand vor dem Druck auf den Auslöser.

Solche Aufnahmen sind mit dem 4k Pre-Burst im 4K-Fotomodus möglich. Das ausgewählte Foto entstand vor dem Druck auf den Auslöser.

testsiegel_GX8G VARIO 12-35mm/F2.8 ASPH/POWER O.I.S

Dieses neue lichtstarke Standardzoom im Programm baut recht kompakt und passt haptisch hervorragend zur GX8. Die hohe Lichtstärke von f/2.8 erlaubt das Freistellen von Motivdetails und der eingebaute optische Bildstabilisator bringt gemeinsam mit dem im Body der GX8 eingebauten sehr viel Spielraum für die Wahl der Belichtungszeit. Der Gewinn von vier Lichtwerten und damit vierfach längere Belichtungszeiten aus der Hand sprechen für sich. Der Praxistest bestätigte das. Das sehr gut verarbeitete Zoom ist aufwändig gedichtet und die Einstellringe laufen sanft und zeugen von hoher Fertigungsqualität. Der Autofokusantrieb arbeitet sehr schnell und in Verbindung mit der GX8 äußerst präzise und treffsicher, dabei fast lautlos.

Bildqualität: Schärfe, chromatische Aberration

Chromatische Aberration und geometrische Verzerrungen
Chromatische Aberration kennt dieses Objektiv nicht, selbst bei Offenblende und bei keiner Brennweite. Auch geometrische Verzerrungen sind dem neuen Standardzoom fremd. Hiermit liegt es auf Augenhöhe mit dem Olympus M.Zuiko 12-40mm f/2.8 .

Bildschärfe

Bei 12mm Brennweite zeigt dieses Zoom in der Bildmitte schon bei Offenblende eine sehr gute Schärfe, an den Bildrändern wirkt es hier etwas weicher. Abblenden um eine Stufe steigert die Schärfe jeweils. Bei 26 Millimeter Brennweite nimmt die Schärfe in der Bildmitte schon bei Offenblende merkbar zu, ebenfalls an den Bildrändern. Leicht abgeblendet ist das Zoom hier sehr scharf (Ränder) bis extrem scharf (Mitte). Eine nochmalige Steigerung ist bei Brennweite 35 Millimeter zu verzeichnen, hier ist das Zoom in jeder Hinsicht überragend, siehe Steckbrief. Alles in allem hat Panasonic mit dem G VARIO 12-35mm/F2.8 ASPH/POWER O.I.S in jeder Beziehung einen großen Wurf gelandet

Fazit

Die neue Panasonic Lumix DMC-GX8 ist eine exzellent ausgestattete, sehr gut verarbeitete, gegen Staub und Spritzwasser gedichtete Systemkamera, die einen tollen Autofokus und eine First Class-Bildqualität bietet. Sie wirkt zudem sehr elegant und immer noch recht kompakt. Auch falls das 4KVideofilmen nicht erste Priorität haben sollte, so eröffnen die 4K-Fotomodi neue kreative Möglichkeiten. Das neue G VARIO 12-35mm/F2.8 ASPH/POWER O.I.S ist ein exzellentes Standardzoom, scharf, schnell, vergleichsweise kompakt und sehr gut verarbeitet. Beide zusammen sind ein Dreamteam.

2017-06-13T10:46:27+00:00 25. Mai 2016|Categories: Kameras, News, Praxistests|Tags: , , , , |

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