Test: Olympus PEN-F

Olympus PEN-F – Kreativ-Werkzeug

Im Praxistest zeigte die neue Olympus PEN-F, dass Schönheit nicht alles ist. Vielmehr empfiehlt sich das neue Spitzenmodell der PEN-Serie als sehr gutes Werkzeug für fast alle Genres der anspruchsvollen Fotografie.

VON HANS-GÜNTHER BEER © ALLE FOTOS HANS-GÜNTHER BEER

Besonders in der Farbkombination Silber/Schwarz wirkt die neue PEN-F sehr elegant und erinnert auch stark an die Ur-PEN aus den 60er und 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Trotz oder gerade wegen der nostalgischen Anmutung haben es die Olympus-Macher mal wieder geschafft, ihrer neusten Kamera ein originelles, unverwechselbares Äußeres zu verleihen. Dazu trägt insbesondere das auffallend platzierte Kreativ-Einstellrad an der Vorderfront bei. Großen Wert legt der Hersteller auf die Tatsache, dass am – übrigens hervorragend gefertigten – Metallgehäuse der PEN-F kein einziges Schräubchen zu finden ist. In der Tat wirkt der kompakte Body, der nicht gegen Staub und Spritzwasser abgedichtet ist, wie aus einem Guss und liegt satt und solide in der Hand, ohne allzu schwer zu sein. Die PEN-F wird in drei Sets angeboten, als reines Gehäuse für 1.199 Euro (UVP), zusammen mit dem M.ZUIKO DIGITAL ED 14-42mm 1:3.5-5.6 EZ Pancake für 1.399 Euro und zusammen mit dem M.ZUIKO DIGITAL 17mm 1:1.8 für 1.499 Euro. Im Test hatten wir die Kombination mit dem 17er, dessen Brennweite im Kleinbildäquivalent einem 35 Millimeter Weitwinkel entspricht, also der klassischen Brennweite für die Streetfotografie.

Die PEN-F läutet eine neue Ära bei Olympus ein

Viel Sorgfalt legten die Entwickler und Designer auf Anordnung und Haptik der Bedienelemente und, nostalgisch schön sollten sie außerdem sein. So erinnert beispielsweise der Ein/Aus- Schalter links an den Filmrückspulknopf einer Analogkamera. Praktischerweise verfügt das Betriebsarten- Wahlrad neben den klassischen Modi über vier Positionen (C1 bis C4) zum Hinterlegen und direkten Abrufen individueller Konfigurationen (Myset). Bislang war es nötig, mit einer Myset-Konfiguration einen Betriebsmodus zu belegen (beispielsweise Art). Das ist bei der PEN-F jetzt eleganter als bei den bisherigen PEN- und OM-D-Modellen gelöst und zeigt, wo der Zug künftig hinfährt. Die neue PEN besitzt außerdem als erste Olympus-Systemkamera ein Drehschalter für den direkten Zugriff auf die Belichtungskorrektur, der auch erstmals bei einer Olympus-Kamera im M-Modus bei Auto-ISO wirksam ist. Kleine nostalgische Besonderheit: In den Auslöser lässt sich ein klassischer Drahtauslöser für erschütterungsfreies Auslösen auf dem Stativ einschrauben – praktisch, denn ein Drahtauslöser kostet nur ein paar Euro.

Die Vielzahl der manuell zu verstellenden Bedienungselemente signalisiert, diese Kamera ist etwas für Fotografen, die gerne selbst Hand anlegen. Das macht aber auch Spaß, denn alle Einstellräder und Drehschalter rasten satt und vertrauenerweckend solide. Mit diesem Handcraft-Konzept entfernt sich die neue PEN-F etwas von der bisherigen Linie bei den PEN-Modellen. Dass sie eine neue Generation einläutet, zeigt sich auch an vielen technischen Neuerungen. So besitzt die PEN-F als erste PEN einen Sucher, genauer den OLED-Sucher mit 2,36 Millionen Bildpunkten der E-M5 Mark II. Die Suchervergrößerung beträgt 0,6, entspricht in der Größe ungefähr dem einer APS-C-Kamera, und das Sucherbild ist sehr scharf, löst also fein auf und zeigt kaum Mitzieheffekte. Der Pupillenabstand könnte für Brillenträger aber etwas größer sein. Ferner sitzt in der PEN-F nunmehr ein mechanischer Verschluss, dessen kürzeste Belichtungszeit 1/8000 statt bislang 1/4000 Sekunde beträgt und schließt auch hierin zu den Top-Modellen im Olympus-Programm auf. Der ebenfalls zur Verfügung stehende elektronische Verschluss kann sogar 1/16.000 Sekunde, hat aber wie alle elektronischen Verschlüsse bei sich schnell bewegenden Objekten das Problem des „Rolling Shutter“ (sichelförmige Flugzeugpropeller). Bei ruhigen Motiven bietet der elektronische Verschluss hingegen den Vorteil der völligen Lautlosigkeit.

In Sachen Bildsensor läutet die PEN-F gar eine ganz neue Ära bei Olympus ein, denn sie besitzt als erste Kamera im Programm erstmals einen Sensor mit einer Auflösung von 20 statt der bisherigen 16 Megapixel. Der Sensor besitzt, um eine optimale Schärfe zu sichern, keinen Tiefpassfilter, stammt von Sony und liefert schon im JPEG-Format knackige, kontrastreiche Fotos mit schönen, satten Farben. Eine endgültige und vergleichende Beurteilung der Auflösung konnte zum Testzeitpunkt allerdings noch nicht erfolgen, da die aktuellen Versionen von Adobe Lightroom und Capture One von Phase One die RAW-Daten der PEN-F nicht lesen können. Diese Ergebnisse werden wir aber nachreichen. Der neue Sensor beherrscht wie auch das 20 Megapixel-Pendant in der neuen Panasonic GX8 (Test in der kommenden Ausgabe) Kontrastautofokus und ist somit für ausgesprochene Sportaufnahmen, bei denen etwa beim Fokustracking sehr hohe Reaktionsgeschwindigkeit und Präzision notwendig ist, nicht die erste Wahl. Das gilt übrigens für die Mehrzahl der Systemkameras. Dafür bedarf es eines Phasenautofokus, wie ihn etwa eine Sony Alpha 7R II oder derzeit im Olympus- Programm nur die OM-D E-M1 bietet. Folglich wird dieser Sensor der PEN-F wohl definitiv nicht in einer neuen E-M1 Mark II zu finden sein.

 

Die perfekte Kamera für Streetfotografie

Aber Sportaufnahmen mit langen Brennweiten sind auch gar nicht die Domäne der PEN-F, ihr Einsatzgebiet dürfte vielmehr die ganz normale Alltagsfotografie sein, also Street-, Landschaft-, Makro-, Porträt- oder Still-Life-Fotografie etc. Und insbesondere für Still-Life-Aufnahmen bietet die PEN-F ein ganz besonderes Bonbon. Wie die OM-D E-M5 Mark II bietet sie nämlich den sogenannten High-Res-Modus. Da die PEN wie alle Olympus PEN- und OM-D-Kameras einen sogenannten Sensorshift-Bildstabilisator eingebaut hat, ist der Bildsensor in einem mit winzigen Antriebsmodulen bestückten, beweglichen Gerüst montiert. Diese mit enormer Präzision gefertigte, und mit Gyrosensoren versehene Konstruktion, gleicht bis zu einem gewissen Ausmaß die ungewollten Bewegungen der Fotografenhand aus und sorgt so auch bei längeren Belichtungszeiten für scharfe Aufnahmen. Den aufwändigen und sehr effektiven 5-Achsen-Bildstabilisator hat die PEN-F von der E-M5 Mark II geerbt und diese nutzte die Konstruktion für besagten High Res- Modus, also für besonders hochauflösende Fotos.

Ist die High Res-Funktion im Menü der PEN-F ausgewählt, macht die auf ein Stativ montierte Kamera mit dem elektronischen Verschluss blitzschnell und unhörbar hintereinander acht Aufnahmen, wobei der Sensor bei jeder Aufnahme definiert um jeweils den Betrag eines halben Pixels, nach oben, unten, links und rechts bewegt wird. Anschließend verrechnet die Kamera diese Aufnahmen zu einer einzigen mit einer Gesamtauflösung von 50 Megapixel (JPEG) oder 80 Megapixel (RAW). Da kommen gestandene Mittelformatkameras kaum noch mit. Für Photoshop-Benutzer bietet Olympus übrigens kostenlos ein sogenanntes „High Res Shot Raw-File Plug-in“ an, mit dem sich dann über das Import-Menü von Photoshop das entsprechende 128 Megabit große RAW-File bearbeiten und in ein TIFF-File entwickeln lässt. Diese Datei ist dann zwar fast 500 Megabyte groß, bietet aber eine atemberaubende Auflösung und Schärfe. Die Abbildung des Hahns auf Seite 27 zeigt im Druck allenfalls eine Anmutung von den tatsächlichen Qualitäten des Original- Bildes. Damit solche Aufnahmen auch in Bodennähe unverkrampft gelingen, besitzt die PEN-F einen dreh- und schwenkbaren Monitor auf der Rückseite, natürlich, wie bei Olympus üblich, mit einem 3 Zoll Touch Screen und einer Auflösung von 1.036.000 Bildpunkten ausgestattet.

 

 

Mit an Bord hat die PEN-F auch die kürzlich bei Olympus eingeführte Fokus-Bracketing-Funktion, mit der sich automatisch eine Serie von Aufnahmen mit sich nach einstellbaren Parametern verschiebenden Fokusebenen anfertigen lassen. Diese bis zu 99 Aufnahmen werden dann am Computer mit entsprechender Software, beispielsweise Helicon Fokus (Test Ausgabe 11/2014) zu einem Bild zusammenmontiert, das von vorne bis hinten scharf ist. Ebenfalls mit an Bord ist die Möglichkeit für Intervallaufnahmen, die die PEN-F auf Wunsch zu einem Video montiert. So ist auch ein 4K-Intervall- Video möglich, allerdings nur mit 5 Bildern pro Sekunde (fps), was jedoch so stark ruckelt, dass man besser auf Full- HD ausweicht, hier sind es dann immerhin 15 fps. Ein Feature der PEN-F haben wir uns bis zum Schluss aufgehoben, den schon erwähnten Creative Dial auf der Gehäusefront. Mit diesem 5-stufigen Drehschalter wird die PEN-F tatsächlich zum Kreativ-Werkzeug. Mit dem Drehschalter hat man ohne Umwege über die Menüs direkten Zugriff auf eine Monochrom- und Farb-Profilsteuerung mit Gradationskurve sowie auf die Art-Filter und die CRT-Steuerung. Bildbearbeitung in großer Vielfalt findet nun also direkt in der Kamera statt und das Schöne dabei ist, man sieht schon vor Ort auf dem Display, wie das fertige Foto aussehen wird.

Mit der Schwarz/ Weiß-Profil-Steuerung kann man Filmkörnung, Schatten-Justierung sowie Schwarz-Weiß-Filter-Effekte mit drei Voreinstellungen wählen. Mit den Filtereffekten lassen sich so die Rot-, Blau-, oder Gelb-Filter simulieren, die man früher beim Fotografieren mit Schwarzweißfilm vors Objektiv geschraubt hat, um beispielsweise die Wolken am Himmel besonders dramatisch wirken zu lassen. Mit der PEN-F kann man das auf dem Display begutachten und sogar die Intensität der Filterwirkung jeweils anpassen. Die neue Farb-Profilsteuerung beinhaltet ebenfalls drei Voreinstellungen. Damit lässt sich die Sättigung von 12 Farben in 11 Stufen einstellen. Ein auf der Rückseite angebrachter Schalter ermöglicht den einfachen Wechsel zwischen den verschiedenen Modi, darunter auch jeweils eine Gradationskurve. Was uns ebenfalls gefallen hat, man benötigt zum Eintauchen in diese kreative Bildbearbeitung an der Kamera nicht unbedingt das über 400 Seiten dicke Benutzerhandbuch. Vielmehr erschließen sich die Möglichkeiten intuitiv. Spielen ist also angesagt. Selbst eingefleischte JPEGMuffel beziehungsweise RAW-Fetischisten in der Redaktion haben sich vom Creative Dial verführen lassen. Zumal die OOC-Qualität der JPEG-Aufnahmen (out of camera), wie oben erwähnt, exzellent ist, knackig, kontrastreich, scharf und mit satten Farben, die man natürlich jetzt gezielt abschwächen kann…

 

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Diese Aufnahme eines Dekorationsstückes hat eine Auflösung von 80 Megapixel, die entsprechende TIFF-Datei ist 500 Megabyte groß. Die beiden Bilder unten zeigen jeweils einen 50 Prozent-Ausschnitt und lassen den Detailreichtum und die Schärfe erahnen, die der HighRes-Modus der PEN-F in einem Fineart Print schaffen kann.

 

Fazit

Olympus ist mit der PEN-F wieder einmal eine bemerkenswerte Kamera gelungen, die auf der ganzen Linie überzeugt. Sie ist fast schon überreichlich ausgestattet, sehr gut verarbeitet und liefert hervorragende Bildergebnisse. Den Spaß beim Fotografieren gibt’s obendrauf und ein Hingucker ist sie auch noch.

2017-06-13T10:52:23+00:00 10. April 2016|Categories: Kameras, News, Praxistests|Tags: , , , , |

2 Kommentare

  1. URL 25. August 2017 um 03:47 Uhr- Antworten

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  2. Dr. W. Pöhlmann 20. April 2017 um 13:14 Uhr- Antworten

    Habe die Pen-F seit über einem Jahr im Einsatz. Kann nur zustimmen. Macht riesig Spass, auch aufgrund der kompakten und ästhetischen Ausführung. Auch wenn das neue 12-100er etwas klobig an ihr wirkt: Sehr universelle Einheit!

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