Auf Bilder-Jagd mit dem Ultra-Tele

Das 150-500mm F/5-6.7 Di III VC VXD ist ein hochwertiges Ultra-Tele-Zoom für Sony E-Mount, welches Kompaktheit und Bildqualität vereint. Wir waren mit dem Objektiv im Wildpark unterwegs.

Wenn wir beim Fotografieren durch den Sucher schauen, reduzieren wir die Welt auf einen kleinen Ausschnitt. Für einen Moment bleibt die Zeit stehen – alles andere verliert an Bedeutung. Bei Tele-Objektiven verstärkt sich dieser Effekt nochmal. Je größer die Brennweite, desto mehr schrumpft die Realität zusammen. Der Blick auf die Umgebung verändert sich. Kleine Details, die man zuvor kaum wahrgenommen hat, sind auf einmal bildfüllend. Was zuvor weit weg war, ist nun zum Greifen nah. So werden Fotos möglich, die einem ansonsten verwehrt geblieben wären – zum Beispiel von Tieren, die man durch Annäherungsversuche verscheucht hätte.

Das 150-500mm F/5-6.7 Di III VC VXD für Sony E-Mount macht solche Fotos nicht nur möglich, sondern liefert in Sachen Bildqualität und Convenience ein wirklich tolles Gesamtpaket zu einem sehr fairen Preis (UVP 1.999 Euro). Wir haben das Objektiv für Sie in der Praxis getestet.

 

Auf der Pirsch
Für unseren Praxistest entschied ich mich, das Tamron 150-500mm mit in den Wildpark zu nehmen. Denn wofür ist ein solches Ultra-Tele-Zoom besser geeignet, als für die Tierfotografie?! Also den Rucksack umgeschnallt und los ging’s! Die erste positive Überraschung war dabei die relative Kompaktheit des Tamron 150-500mm. Mit knapp 21 cm Länge im eingefahrenen Zustand (150mm) und einem Gewicht von 1.725 g (ohne Stativschelle) ist es sicherlich kein Objektiv für die Hosentasche, aber für diesen Brennweitenbereich doch ziemlich leicht und handlich, sodass es bequem in einen mittelgroßen Rucksack passt. Auch rein optisch macht das Tamron bereits einen sehr hochwertigen Eindruck. Die Verarbeitung des Polykarbonatgehäuses ist top, die gummierten Fokus- und Zoomringe laufen sauber und sind griffig. Die Funktionshebel rasten ordentlich in ihren zwei beziehungsweise drei Stellungen ein und lassen sich leicht bedienen, ohne zu leichtgängig zu sein. Dazu gehört ein „Lock“-Schalter, der das Herausfahren des Objektivs in eingefahrenem Zustand verhindert. Außerdem ein Schalter zur Festlegung des Fokusbereichs (Full, 3m bis unendlich oder 15m bis unendlich), einer zum Wechsel zwischen Autofokus und manuellem Fokus, ein Schalter zum Ein- und Abschalten des objektivinternen optischen Stabilisators und einer, um die verschiedenen Stabilisationsmodi anzusteuern – den Standard-Modus, den „Pan&Shot“-Modus für schnelle, horizontale Bewegungen und einen Modus, der den Bildausschnitt priorisiert und es erleichtern soll, schnell bewegliche Motive im Bildausschnitt zu behalten. Schiebt man den Zoomring des Tamron nach vorne, wird die Brennweite arretiert und lässt sich nicht mehr verändern – eine praktische Sache, wenn man unfreiwilliges Zoomen verhindern will.

Im Tierpark angekommen kaufte ich noch kurz das obligatorische Wildtier-Futter, dann schraubte ich das Objektiv vor meine Sony A7 RII und zog los. Mit wachsamem Blick und der Kamera im Anschlag ertappte ich mich das ein oder andere Mal dabei, wie ich die Luft anhielt und beinahe durch das Wildgehege schlich. Denn mit dem Tamron 150-500mm fühlt man sich unweigerlich ein wenig wie auf der Jagd – nur eben nicht nach etwas Essbarem, sondern nach tollen Motiven.

Zunächst traf ich auf ein paar Ziegen. Diese waren so zahm, dass ich sie wohl ohne Weiteres von Nahem mit einem Weitwinkelobjektiv hätte ablichten können – allerdings war der Andrang an diesem Tag recht groß und die Corona-Regeln geboten es, Abstand zu den anderen Besuchern zu halten. Und schon schlug die Stunde des Tamron, mit dem wir aus einiger Entfernung bequem zwischen den vielen Besuchern hindurch fotografieren konnten.

Dann ging es auch schon weiter. Nächster Halt: Wildschweingehege. Die Allesfresser waren auf Nahrungssuche und ziemlich aktiv. Mit der Schnauze am Boden durchstöberten sie den Schlamm und gerieten hin und wieder aneinander. Die kleinen Frischlinge jedoch hielten sich lieber zurück und beäugten das Ganze aus sicherer Entfernung. Auch wir hielten wieder etwas Abstand, spielten mit der Reichweite des Objektivs und beobachteten das wilde Treiben.

Der VXD-Linearantrieb des Autofokus machte einen tollen Job und schaffte den Übergang von weiter entfernten Wildschweinen zu sehr nahen schnell und vollkommen lautlos. Auch beim schnellen Hin- und Herrennen der Frischlinge, das ich mit AF-C im Serienbetrieb bei zehn fps begleitete, reagierte das Objektiv präzise und produzierte nur geringfügigen Ausschuss – wohlgemerkt an einer mittlerweile schon etwas in die Jahre gekommenen Sony A7 RII, die gerade was den Autofokus angeht sicherlich nicht mehr auf dem neuesten technischen Stand ist. So gelang es mir sogar, spontan eines der flinken und winzig kleinen Streifenhörnchen, die im Gehege umherflitzen, fotografisch einzufangen.

Alle Bilder entstanden dabei übrigens aus der Hand. Und das war selbst bei einer Brennweite von 500 mm kein Problem. Der optische Bildstabilisator machte in Kombination mit dem IBIS (wenn dieser überhaupt aktiv war) einen hervorragenden Job. Hier sind scharfe Bilder aus der Hand mit bis zu 1/30 s auf 500 mm möglich, bei 150 mm waren es gar 1/8 s.

Durch die Natur
Auf dem Weg zur nächsten Station lichteten wir ein paar Blumen am Waldrand ab. Das Bokeh, das das Tamron 150-500mm dabei produzierte, ist, wie wir später feststellten, schön, aber natürlich nicht mit dem einer Festbrennweite zu vergleichen. Gerade die Spitzlichter gibt es etwas harsch wieder, ansonsten kann sich die Unschärfe aber durchaus sehen lassen und produziert teletypisch im Vorder- und Hintergrund hohe Unschärfegrade. Über einen Makro-Modus verfügt das Objektiv übrigens nicht. Allerdings erlaubt der relativ geringe Mindestabstand von 60 cm bei 150mm beziehungsweise 180 cm bei 500mm zumindest einen Abbildungsmaßstab von 1:3,1 (150mm) bzw. 1:3,7 (500mm).

Im nächsten Gehege warteten zwei schottische Hochlandrinder auf uns. Diese schönen Tiere strahlten jede Menge Ruhe aus und ließen es im Gegensatz zu den Wildschweinen eher langsam angehen. Während andere Besucher Selfies mit dem größeren, am Zaun stehenden Tier machten, interessierte ich mich eher für den zweiten Bullen, der seinerseits nur wenig Interesse an Gesellschaft zu haben schien und sich ein wenig abgewandt hatte. Dabei entstand auch mein persönliches Lieblingsfoto des Tages: Das Profil des Highlanders, das ich mit einer Brennweite von 432mm aus beträchtlicher Entfernung bildfüllend ablichten konnte.

Der weitere Weg führte an einer Herde Mufflons vorbei, die selbst für das Tamron 150-500mm ein wenig zu weit entfernt auf der Weide grasten. Gewisse Entfernungen können eben auch 500 mm Brennweite nicht überbrücken. Leider lässt sich diese auch nicht mit einem Telekonverter erweitern, weil das Objektiv mit einem solchen nicht kompatibel ist. Also zog ich wieder zurück in Richtung Eingang, wo ich zu guter letzt auf ein frei herumlaufendes Alpaka traf. Diesem widmete ich mich für einige Minuten, bevor ich mich auf den Weg nach Hause begab, um meine Ausbeute zu begutachten. In der Nachbetrachtung bin ich mit den Ergebnissen meines Trips mehr als zufrieden. Die enstandenen Bilder sind schön scharf, Farbfehler konnte ich während des gesamten Tests keine entdecken.

Fazit

Das 150-500mm F/5-6.7 Di III VC VXD ist ein kompaktes Ultra-Tele-Zoom, welches im Praxistest in Sachen Handling und Verarbeitung ebenso überzeugte wie mit seiner Bildqualität.

Sony-Vollformat-Fotografen, die über die Anschaffung eines Teleobjektivs nachdenken, finden in diesem vielseitigen Tele ein tolles Werkzeug für die Natur- und Tierfotografie – klare Kaufempfehlung.