Bildkritik: EIN STEINCHEN

Auch ein kleiner Stein kann einen großen Fisch treffen – oder ein Bild zu etwas Großem machen. Gelingt dies auch bei unserem Landschaftsfoto?

Zahlreiche Bildzutaten: Wasser, Felsen, Sonne, Ufer und ein Steinchen.

Zahlreiche Bildzutaten: Wasser, Felsen, Sonne, Ufer und ein Steinchen.

 

BILDAUFBAU
Auch wenn die Horizontlinie gerade liegt und damit eine gewisse Harmonie vermittelt wird – in diesem Bild spielt sich vieles ab und es gibt entsprechend zahlreiche Formen und Linien: Da sind die organischen Formen der Steine, die konzentrischen Kreise im Wasser, die faserigen Formen der Wolken und der hochgewachsenen, belaubten Bäume. Das Ufer auf der rechten Seite hat aufgrund seiner Spiegelung die Form eines Keils. Durch die Bäume schimmern noch die geometrischen Formen weißer Häuser. Diese sehr unterschiedlichen Formen verleihen dem Bild eine gewisse Unruhe – der Betrachter weiß nicht so recht, wo er zuerst hinschauen soll.

Der obere Bereich wird transformiert, um die Sonne in die Mitte zu rücken. Danach braucht es noch eine Ebenenmaske, um das zur Spiegelung passende Originalufer wieder herauszuarbeiten.

Der obere Bereich wird transformiert, um die Sonne in die Mitte zu rücken. Danach braucht es noch eine Ebenenmaske, um das zur Spiegelung passende Originalufer wieder herauszuarbeiten.

 

FARBEN
Diese Unruhe zieht sich auch durch die farbliche Gestaltung: Das Farbenpaar Gelb/Orange und Blau signalisiert oft eine gewisse Spannung. Hinzu tritt die Helligkeit: Zu etwa zwei Dritteln wirkt das Bild eher hell, und die hellste Stelle, die Sonne, liegt leicht schräg über den konzentrischen Kreisen im Wasser. Diese Schräge wirkt etwas unbeabsichtigt. Man könnten die Sonne direkt über den konzentrischen Kreisen platzieren, indem man den Hintergrund, den Himmel ausschneidet, transformiert – also etwas größer zieht – und dann mit einer Ebenenmaske versehen wieder einfügt. Das Ufer wird dann aus dem Originalbild, der unteren Ebene, wieder ins Bild gemalt. In meiner enger geschnittenen Version habe ich die Sonne ein wenig ausgeblendet, damit sie weniger mit den konzentrischen Kreisen in Konkurrenz tritt.

 

Bei der Bearbeitung haben wir uns am Goldenen Schnitt orientiert.

Bei der Bearbeitung haben wir uns am Goldenen Schnitt orientiert.

 

SCHNITT
Die Idee, dem Bild eines sehr ruhigen Sees etwas mehr Dynamik zu verleihen und das Wasser in Schwingungen zu versetzen, ist an sich spannend. Mit ihr kann eine Bildaussage à la „auch etwas Kleines kann Großes bewegen“ effektvoll verbildlicht werden. Allerdings passiert in diesem Bild „zu viel“, um direkt zu dieser fassbaren Bildaussage zu gelangen. Geht es um die konzentrischen Kreise oder soll in erster Linie ein schöner Strand gezeigt werden? Hier hätte eine andere Perspektive geholfen, die weniger Ufer ins Bild bringt. Allerdings wäre dann der Sonnenuntergang zumindest bei der relativ weitwinkligen Brennweite wohl nicht Teil des Bildes gewesen. In meiner Version versuche ich einen anderen Schnitt, der das Ufer ausblendet. Dies geht allerdings auf Kosten der mittigen Platzierung der konzentrischen Kreise, die mir an sich gut gefällt. Alternativ habe ich einen Goldenen Schnitt gewählt, um mit diesem typischerweise als angenehm und harmonisch empfundenem Bildaufbau Ruhe ins Bild zu bringen und den Fokus auf das Wichtige, das Steinchen im Wasser zu legen.

 

In unserer Version wurde die Sonne etwas ausgeblendet und der Schnitt anders gestaltet.

In unserer Version wurde die Sonne etwas ausgeblendet und der Schnitt anders gestaltet.

 

2018-04-18T08:25:01+00:0018. April 2018|Kategorien: Bildkritik, News|Tags: , |

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