Olaf Schieche ist der wohl bekannteste Lightpainter Deutschlands. Unter dem Namen ZOLAQ kreiert er spektakuläre Farbspiele und führt die Teilnehmer seiner Workshops in die abwechslungsreiche Welt des Lightpainting ein.

von Benjamin Lemm

© Fotos von Olaf Schieche (ZOLAQ)

Lightpainting ist eine faszinierende Technik. Das Spiel mit Lichtern und Farben bei Dunkelheit erfordert Kreativität, räumliches Vorstellungsvermögen und körperliches Geschick – und bietet gleichzeitig viele Möglichkeiten der Bildgestaltung. Die Leidenschaft für diese Kunst packte Olaf Schieche 2011 auf einem Bootssteg auf der Insel Rügen, als er nach einer Anleitung aus einer Fotozeitschrift und mithilfe einer Fahrradlampe sein erstes, rudimentäres Lightpainting-Foto schoss.

© Olaf Schieche (ZOLAQ) Eine große Leidenschaft von Olaf Schieche sind sogenannte florale Ornamente aus Licht. Durch gezielte Bewegungsabläufe gelingt hier eine sehr saubere Symmetrie.

Von da an vertiefte sich der gelernte Orgel- und Harmoniumbauer und staatlich geprüfte Holztechniker immer mehr in die Materie, baute sich eigenes Licht-Equipment aus Alltagsgegenständen und gestaltete immer komplexere Paintings, die er auf den sozialen Medien veröffentlichte. Ein Auftritt bei Galileo im Jahr 2014 machte ZOLAQ erstmals einem breiteren Publikum bekannt. 2015 begann er, sein Wissen in eigenen Workshops weiterzugeben und machte sich 2017 schließlich selbstständig. Sein Ziel damals: zwei Jahre von der Lightpainting-Fotografie zu leben. Inzwischen betreibt er sein Hobby seit über vier Jahren hauptberuflich, Ende offen. Denn bei dem Fotografen ist die Faszination für Lightpainting ungebrochen. „Ich glaube, es ist der Spiel- und Basteltrieb des Menschen, der beim Lightpainting besonders angesprochen wird. Das Schöne ist außerdem, dass man eben nicht nur hinter der Kamera tätig ist, sondern vorne aktiv seine Motive mitgestaltet. Jedes Bild ist ein Unikat, das man so nicht mehr wiederholen kann“, beschreibt Olaf seine Leidenschaft. Außerdem sei das Feld so vielfältig, dass man auch nach Jahren immer noch neue Ideen umsetzen könne.

© Olaf Schieche (ZOLAQ) Beim Lightpainting kann wirklich fast alles zum Einsatz kommen. So wie hier ein kleines ferngesteuertes Auto mit einer Lichtquelle obendrauf die Bodenlinien gemalt hat. Dadurch wird die Sicht in den Raum nicht gestört und der Boden erhält zusätzliche Verzierung.

Olafs Bilder entstehen dabei auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Manchmal hat er bereits eine Idee im Kopf, die er unbedingt im Lightpainting umsetzen möchte. An anderen Tagen wiederum lässt er sich von der Location inspirieren und improvisiert vor Ort. Am liebsten malt er florale Ornamente, also blumenähnliche Gebilde, die er mit Licht in die Landschaft einbringt.

Die Tools hierfür hat er sich größtenteils selber gebaut: Aus Alltagsgegenständen wie Joghurt-Bechern, Abflussrohren oder Seifenblasenspendern bastelt er Lampen in verschiedenen Formen und Farben für die unterschiedlichsten Einsatzgebiete. Auf seinem YouTube-Channel gibt er unter anderem Anleitungen, wie man diese Tools nachbauen kann und mit ihnen eigene Lightpaintings erstellt.

Lightpainting für alle

Geld verdient Olaf hauptsächlich durch seine Workshops und die Messen, für die er gebucht wird. So bestreitet er seinen Lebensunterhalt. Er ist der wahrscheinlich einzige deutsche Fotograf, der Lightpainting zu seinem Beruf gemacht hat.

Aktuell bietet er vor allem drei Workshop-Modelle an: Im Einsteigerkurs lernen die Teilnehmer die Grundlagen des Lightpainting kennen und malen mithilfe von zweckentfremdeten Alltagsgegenständen zweidimensionale „Strichfiguren“. Im Erweiterungskurs lernen sie weitere Techniken, unter anderem, wie man brennende Stahlwolle für spektakuläre Effekte nutzt. Hierfür platziert man die Stahlwolle in einem kleinen metallischen Käfig, der an einer Kette befestigt ist, entzündet die Wolle und lässt sie anschließend neben dem Körper durch die Luft kreisen. „Stahlwolle ist für viele Leute die Einstiegsdroge ins Lightpainting, weil man mit ihr so faszinierende Effekte erzielen kann. Man muss damit allerdings auch sehr vorsichtig sein – immerhin handelt es sich um brennendes Metall.“ So sei es besonders wichtig, darauf zu achten, dass sich die Umgebung nicht entzünden könne; Schutzkleidung sowie ein Feuerlöscher oder eine Löschdecke sollten auf jeden Fall Teil der Ausrüstung sein, wenn man mit Stahlwolle hantiert. Im Fortgeschrittenenkurs schließlich werden sogar Feuer, Pyrotechnik und Models in das Lightpainting mit eingebunden.

 Auf Messen, Events und Veranstaltungen aller Art bietet Olaf außerdem die sogenannte Foto-Box an. Hier kann sich jeder, der möchte, von Olaf in seinem schwarz ausgekleideten Pavillon mit einem individuellen Lightpainting ablichten lassen – ein Angebot, das bei vielen Besuchern gut ankommt und immer sehr beliebt ist. „Ich frage die Leute immer nach ihrer Lieblingsfarbe, ob sie ein eher warmes oder kaltes Bild mit viel oder wenig Lightpainting haben möchten. Und dann improvisiere ich“, beschreibt Olaf den Vorgang.

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Anspruchsvolles Fotografieerlebnis

Lightpainting ist eine absolute Nische in der Fotografieszene. Zum einen, weil es schon allein aus logistischer Sicht einige Hürden mit sich bringt. Das Malen mit Licht funktioniert eben nur bei Dunkelheit so richtig. Das heißt man muss dann rausgehen, wenn alle anderen schlafen. Zum anderen ist das Ganze aber auch nicht so leicht. Man muss die Technik beherrschen, eine gewisse räumliche Vorstellungskraft mitbringen und sich obendrein auch noch bewegen können. Nur wenige Fotografen nennen diese Art der Fotografie tatsächlich ihr Steckenpferd. Dabei ist der Einstieg ins Lightpainting im Grunde relativ simpel: „Eigentlich kann das jeder nachmachen. Man braucht nur eine Kamera, die Langzeitbelichtungen realisieren kann, und eine Lichtquelle. Ein gewisses Bewegungstalent und räumliches Vorstellungsvermögen helfen dabei, auch komplexere Motive zu kreieren“, beschreibt Olaf.

Zur Person
Olaf Schieche, bekannt unter dem Pseudonym ZOLAQ, ist eigentlich gelernter Orgel- und Harmoniumbauer und staatlich geprüfter Holztechniker. Bevor er sich mit seinem Lightpainting selbstständig gemacht hat, arbeitete er unter anderem als Konstruktionsleiter im Innenausbau an den größten Yachten der Welt. Heute ist Schieche der wahrscheinlich einzige deutsche Lightpainting-Fotograf, der seinen Lebensunterhalt in dieser Fotografie-Sparte hauptberuflich bestreitet.

Auch wenn ein großer Teil des Lightpaintings darin besteht, vor der Kamera Figuren und Lichtmalereien zu schaffen, ist der technische Aspekt nicht weniger wichtig. Für lange Belichtungszeiten fotografiert Olaf im Bulb-Modus. In diesem lässt sich der Verschluss der Kamera auf Knopfdruck öffnen und bleibt so lange offen, bis erneut ausgelöst wird. In der Zwischenzeit nimmt der Sensor all das Licht auf, das vor der Kamera produziert wird. Für seine Langzeitbelichtungen nutzt Olaf ausschließlich Olympus-Kameras, da deren Live-View Feature es ihm erlaubt, dabei zuzusehen, wie das Bild in der Kamera entsteht. Eine Aufnahme kann dabei schon mal bis zu zehn Minuten dauern.

Außerdem entscheidend ist die richtige Einstellung von ISO und Blende: „Meine Lieblingsblende ist die Blende f/7.1, weil sie eine gute Lichtverteilung bietet – aber es kommt immer auf die Lichtquellen an; wenn diese sehr hell sind, muss man die Blende natürlich ein wenig schließen und bei einer schwachen Lichtquelle weiter öffnen. Meist verwende ich einen Blendenwert zwischen 7.1 und 11. Bei der ISO nehme ich meist ISO 100 und gehe manchmal bis zu ISO 400 hoch, aber nie höher!“

Neben der Kamera und den Lichtquellen gehören außerdem Stativ, Fernauslöser und in den meisten Fällen ein Weitwinkelobjektiv zur obligatorischen Ausrüstung. Außerdem ist es ratsam, beim Lightpainting schwarze Klamotten zu tragen, um selbst kein Licht zu reflektieren.

Auch die Location ist für das Lightpainting nicht ganz unerheblich. Je weniger Licht dort vorhanden ist, desto besser. Ansonsten sind wie bei allen Fotos ein stimmiger Bildausschnitt und eine saubere Belichtung ausschlaggebend dafür, dass am Ende ein gutes Bild entsteht. Es kommt also einiges zusammen. Und wer schon Erfahrung gesammelt hat, kann zu noch ungewöhnlicheren technischen Mitteln greifen: „Manchmal verändere ich während der Belichtung die Blende, um verschiedene Lichtsituationen in mein Bild reinzubekommen. Man kann sogar die Brennweite variieren, um Objekte unterschiedlich groß wirken zu lassen. Aber das ist dann wirklich was für Fortgeschrittene“, beschreibt Olaf einige seiner Techniken.

Weiter malen

Den Namen ZOLAQ hat sich Olaf gezielt ausgesucht, um ein wenig aus der Masse hervorzustechen. Eine tiefere Bedeutung hat der Name allerdings nicht. „Ich wollte nicht meinen eigenen Namen verwenden oder klassisch irgendwas mit „Licht“ oder „Fotografie“ nach dem Motto „Olaf Schieche Fotografie“. Der Name sollte kurz und hart klingen und einprägsam sein. Ich habe verschiedene Buchstabenkombinationen probiert und dann so lange rumjongliert, bis ZOLAQ dabei herausgekommen ist.“

© Olaf Schieche (ZOLAQ) Menschliches Lightpainting gepaart mit dem Lightpainting der Natur. Das Bild entstand an der Atlantikstraße in Norwegen und war wie das Vulkan-Lightpainting ein großes Traumbild von Olaf Schieche.

In den kommenden Monaten stehen für Olaf jede Menge Workshops an. Denn durch Corona hat er einiges nachzuholen. In Zukunft möchte er sich noch mehr in der Veranstaltungs- und Eventbranche etablieren und das Lightpainting weiter verbreiten. „Jeder Fotograf sollte Lightpainting einmal ausprobieren, weil man dadurch so viel über die Fotografie, die Technik und die Arbeit mit Licht lernen kann. Ich habe dadurch ein ganz anderes Gespür für Licht bekommen“, beschreibt er.

Wer mehr über Lightpainting erfahren möchte, sollte sich in jedem Fall einmal Olafs Buch zu Gemüte führen, das Anfang Oktober 2021 in einer zweiten, erweiterten Ausgabe erschienen ist und das ganze Spektrum des Lightpainting abdeckt – von den absoluten Basics bis hin zu fortgeschrittenen Techniken. Reinlesen lohnt sich!

Einstieg ins Lightpainting

Von Olaf Schieche

29,90 Euro

264 Seiten, 2. erweiterte Auflage 2021,

gebunden, in Farbe

dpunkt.verlag

ISBN: 978-3-86490-853-8