Fotoaufgabe „Bildtitel“

„O. T.“, „Ohne Titel“ – das ist in den meisten Fällen eine Verlegenheitslösung, wenn man keine Idee hat, wie man sein Bild nennen soll. Warum starke Titel aber wichtig sind und wie man sie finden kann, erfahren Sie hier.

von Jamari Lior
© Foto Jamari Lior

Manchmal kommen Sie gar nicht in die Situation: Bei Facebook und Instagram können, aber müssen Sie weder Bildtitel vergeben noch Begleittexte verfassen. Und auch auf Ihrer eigenen Website sind Sie frei, Bildern oder Serien Titel zu geben oder sie beispielsweise nur grob nach Motivkategorien zu sortieren. Foren wie beispielsweise die Fotocommunity fordern zumindest einen Bildtitel und sollten Ihre Werke in einer Galerie gezeigt werden, wird man Sie sicher auch hier nach dem Titel der Fotos fragen. Der Titel und der Begleittext – nur lästige Extras? Keineswegs. Wir zeigen Ihnen, wie beide ganz unterschiedliche Aufgaben erfüllen können und es schaffen, Bilder und Serien aufzuwerten.

Leitung der Interpretation
Diese Fähigkeit der Fotografie, Interpretationen nahezulegen, nutzen Sie ständig für Ihre eigenen Werke: Sie legen dem Betrachter nahe, ob er in Ihren Landschaftsaufnahmen schwelgen oder darin eine Botschaft in puncto Umweltzerstörung lesen soll, ob er Ihre schwarz-weißen Aktfotos eher als erotisch empfindet oder eher als klassisch. Viele gestalterische Aspekte helfen Ihnen dabei: Die Perspektive, mit der Sie einen Menschen imposant und groß oder klein und niedlich wirken lassen können. Der Weißabgleich, der einen Ort eher kühl und ungemütlich oder eher warm und heimelig erscheinen lassen kann.

Und doch sind diese Hinweise, die Sie für die Interpretation mitliefern, nicht eindeutig. Es ist das Schicksal des Künstlers, dass sich ein Werk von ihm entfernt und damit auch von seiner eigenen Deutungshoheit – es kann auch anders, auch falsch verstanden werden. Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte – aber sind es die Richtigen? Mit einem passenden Titel lenken Sie die Interpretation.

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