Doggie Style – oder besser, styled doggies – diese Serie hat uns sofort angesprochen. Dass Fotografin Anja Balden von Venustas-Fotografie meist menschliche Modelle fotografiert, merkt man durchaus und es zeigt, dass das Denken über die Grenzen eines Genres hinweg oft zu besonders interessanten Bildern führt.

von Jamari Lior

© Fotos Anja Balden

Als wir Anja Balden und ihren Mann Michael, ebenfalls Fotograf, vor Jahren kennenlernten, war ihr kleiner Hund Lara mit dabei – ein Vorzeichen? Wir haben mit der Modell- und Hundefotografin über ihre neueste Serie gesprochen.

 

Hunde wie menschliche Modelle zu fotografieren – wie bist Du auf diese Idee gekommen? Gab es eine Inspiration?

Die Inspiration waren meine eigenen Haustiere, mein Hund und meine Katze. Zu Geburtstagen bekommen die beiden mal ein Schleifchen um, sonst tragen sie aber keine Mäntelchen oder Ähnliches. Dekorationen habe ich allerdings in Hülle und Fülle, da ich für meine menschlichen Modelle einen großen Fundus besitze und viel selbst bastele. Mein Mann Michael riet mir zu einer Hundeserie – und dann hatte ich die Bilder auch schon vor Augen: Ich wollte alle Hunde auf ähnliche Weise fotografieren, um den Seriencharakter zu verstärken. Alle sollten sitzen, in die Kamera schauen und im Porträtausschnitt präsentiert werden. Kleine Hunde wurden dafür auf einen Tisch gesetzt, größere auf dem Boden sitzend fotografiert.

Vielfalt ist Programm in Deiner Serie. Wie hast Du die tierischen Modelle gecastet?

In zwei regionalen Facebookgruppen und auf meiner eigenen Facebookseite rief ich zum Shooting auf. Außerdem fragte ich bei der Polizei- und Rettungshundestaffel nach sowie in meinem Bekanntenkreis. Wichtig war mir, dass ich zuvor Fotos der Tiere zu sehen bekam. Außerdem war es eine Bedingung für die Teilnahme, dass die Tiere ruhig und erzogen sein sollten, auf Kommando „Sitz“ machen können sowie entspannt bleiben, wenn man sie dekoriert.

Als hilfreich entpuppte sich auch die Anwesenheit einer zweiten Person neben dem Besitzer. Diese Person konnte neben dem Tier stehen – gerade bei kleinen Hunden, um sicherzustellen, dass sie nicht vom Tisch fallen oder springen. Animiert wurden die Hunde meist mit einem Leckerli, aber es kamen auch Schinken und Bratwürste zum Einsatz – wie bei menschlichen Modellen möchte der ein oder andere eben gerne besonders hoffiert werden …

 

Wie bist Du auf die konkreten Ideen gekommen? Wie entscheidest Du, welches Requisit zu welchem Tier „gehört“? Spielt dabei der Charakter des Hundes eine Rolle?

Ich habe stets für meine „normalen menschlichen“ Modelle aufwendige Deko besorgt und gebastelt – mein Fundus bietet also einige Möglichkeiten. Bewusst wollte ich bestimmte Elemente, die ich schon an Modellen fotografiert hatte, wieder nutzen. Wer meine Arbeit verfolgt, erlebt auf diese Weise einen witzigen Wiedererkennungseffekt. Manches habe ich aber auch speziell für dieses Projekt angefertigt.

Wer welche Deko bekommt, habe ich nach dem Charakter, der Größe, dem Aussehen und der Haarlänge des Hundes entschieden. Dabei war mir wichtig, querbeet alles Mögliche zu reaisieren – von kitschig über niedlich-süß, nostalgisch und albern bis zu aristokratisch, edel und avantgardistisch. Und natürlich sollte es lustig sein, mit kleinen, integrierten Stilbrüchen. Deshalb bekam auch der „Kampfhund“ rosa Bonbons und Tüllquasten und nicht klischeemäßig ein Nietenhalsband.

 

Wie sieht der Lichtaufbau für die Bilder aus? Welches Equipment war nötig?

Tatsächlich war der Lichtaufbau aus der Perspektive einer Modellfotografin ziemlich unspektakulär. Ich nutzte Folgendes:

  • viele verschiedene einfarbige Hintergründe (Studiokarton),
  • eine einzige Lichtquelle – mit einem Beautydish als Lichtformer (Hensel Studioblitzanlage),
  • einen Tisch für kleine Hunde.

Je nach Shooting kamen noch jede Menge Putzmittel zum Einsatz sowie Desinfektionsmittel und Raumspray. Es regnete oft und alles roch daher ganz doll nach „nassem Hund“. Fotografiert habe ich mit der Canon 5DII, einer 85mm-Festbrennweite und die Bilder dann noch in Photoshop nachbearbeitet.

Was empfiehlst Du Einsteigern, die sich diesem Bildstil widmen wollen? Worauf kommt es dabei an?

Ein Hang zu Kitsch und eine Schwäche für die Farbe rosa sind natürlich unabdingliche Grundvoraussetzungen … Ansonsten sollten sie Freude daran haben, mit Menschen und Tieren zu arbeiten und Lust, etwas Neues auszuprobieren. Ein großes Bastel-, Deko- und Stoffsortiment sowie ein wenig handwerkliches Geschick schaden nicht. Platz ist wichtig, ob im eigenem Studio, im umgebauten Wohnzimmer oder in einem Mietstudio. Obwohl die Posings feststanden und die Shootings meist relativ schnell gingen, musste ich doch nicht wenig Zeit einplanen, denn so ein Projekt lebt ja auch von der Vielfalt und es würde nicht reichen, nur zwei Hunde zu inszenieren. Das rate ich daher auch allen, die sich daran versuchen wollen. Außerdem braucht es für so eine Projekt eine Prise Mut: Ich konnte ja im Vorfeld selbst nicht garantieren, ob alles klappt und dann vor allem auch noch gut aussieht.

 

Ein witziges Projekt – gibt es auch eine witzige Story aus dem Nähkästchen dazu?

Unser Kater Oskar wollte unbedingt auch dabei sein und setzte sich beim Shooting unseres Hundes einfach auch in Positur – so kam er dann mit in die Serie. Meine Tochter Julia hatte ihm glücklicherweise von klein auf beigebracht hat, auf Kommando „Sitz“ zu machen. Und natürlich gab es das ein oder andere kleine Missgeschick: Einem Hund lief beim Leckerli vor der Nase so sehr die Spucke im Mund zusammen, dass er sabberte und es tropfte – das musste ich dann wegretuschieren. Ein anderer Hund hatte kurz vor dem Shooting Kürbissuppe gefuttert und dadurch eine knallorange Schnauze – auch das habe ich in Photoshop beseitigt. Zudem gab es die ein oder andere Pipi-Pfütze wegzumachen. Alles in allem aber keine größeren Pannen.

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