Skylum-Ambassador Stefan Schäfer ist professioneller Landschaftsfotograf. Mit uns teilt er wichtige Fototipps für fünf unterschiedliche Landschaftstypen.

von Stefan Schäfer

© Fotos Stefan Schäfer

Licht ist der wichtigste Faktor für ein gutes Landschaftsbild. Deshalb ziehen es die meisten Landschaftsfotografen vor, bei Sonnenauf- oder Sonnenuntergang zu fotografieren, wenn die Sonne ein schönes, weiches und goldenes Licht auf die Landschaft wirft. Wichtig ist es, sich im Vorfeld immer alle in Frage kommenden Locations genau anzuschauen und vor allem vorher die Wettervorhersage zu prüfen, um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein. Für jedes Wetter gibt es eine passende Szene. Viel Spaß beim Fotografieren und Bearbeiten!

1. Berge

Wenn ich in die Berge gehe, habe ich oft mit niedrigeren Temperaturen zu kämpfen. Eine gute Vorbereitung ist deshalb besonders wichtig und auch die richtige Ausrüstung spielt eine große Rolle. Insbesondere versuche ich, die Batterien nahe an meinem Körper zu tragen, um deren Lebensdauer zu verlängern. Ein stabiles Stativ ist ebenso wichtig, vor allem in bei Wind. Und wenn ich schon beim Thema Ausrüstung bin: Viele fragen sich wahrscheinlich, wie ich in den Bergen Filter verwende. Schließlich gibt es keinen geraden Horizont und ein Gradientenfilter würde die Berge verdunkeln. Das ist natürlich richtig, aber zugleich hängt die Entscheidung von der Situation ab. Wenn die Berge von der Sonne beleuchtet werden, können sie mit einem Gradientenfilter abgedunkelt werden, um die Belichtung auszugleichen und mehr Dramatik in der oberen Bildhälfte zu erhalten. Aber was kann man tun, wenn der Himmel nur grau und wolkenlos ist? Es gibt folgende Möglichkeiten:

  1. Sogar ein grauer Himmel kann bei einigen Fotos gut funktionieren, wenn das Aussehen angepasst oder vielleicht sogar ein Schwarz-Weiß-Bild daraus gemacht wird.
  2. Verwenden Sie doch einmal weniger Himmel, aber dafür mehr Vordergrund.
  3. Sie können den Himmel später ersetzen.

Wenn man sich dafür entscheidet, den Himmel später zu ersetzen, ist Luminar 4 das perfekte Werkzeug. Mit Luminar 4 kann in Sekundenschnelle ein neuer Himmel zu einer Aufnahme hinzufügt werden. Ich empfehle immer, eigene Aufnahmen vom Himmel zu verwenden. Im besten Fall sollte man eine gut bestückte Bibliothek mit selbst fotografierten Himmeln besitzen, die in solchen Situationen zum Einsatz kommt. Und: Die Bilder sollten als Komposit gekennzeichnet werden.

Das Schöne an einer Berglandschaft ist, dass sich dabei sehr gut mit tiefhängenden Wolken arbeiten lässt, die in den Gipfeln stecken bleiben. Dadurch erhält das Foto viel Dramatik und der Berg kommt zu seinem Recht. Vor ein paar Monaten war ich in Patagonien, einer Region  mit einer der schönsten Landschaften der Welt. Die Berggruppe Torres del Paine ist das Zentrum des gleichnamigen Nationalparks – ein Traum für jeden Landschaftsfotografen.

 

2. Cityscapes

Die Stadt-Landschaftsfotografie ist eigentlich ein komplett anderes Genre mit ganz eigenen Reizen. Großstädte mit beeindruckenden Skylines sind meine Lieblingsreiseziele. Eine Stadt, die niemals schläft, so wie New York, eine moderne Metropole wie Dubai, eine geschichtsträchtige Stadt wie Berlin … Jede hat ihren eigenen Charme. Was sie jedoch eint, ist, dass diese Städte am beeindruckendsten aussehen, wenn es dunkel wird und die Lichter zu leuchten beginnen. Die Farben kommen zur Geltung, man kann mit den Lichtspuren von Autos spielen und die längere Verschlusszeit bedeutet, dass keine (störenden) Touristen zu sehen sind.

Eine besondere Attraktion ist der Blick von oben auf die Stadt. Denn wenn man nur von unten fotografiert, sieht die Stadt nicht so riesig aus, wie aus der Perspektive von oben, womöglich auf weitere imposante Wolkenkratzer.  Fotos, die vom Wolkenkratzer aus gemacht wurden, bieten eine Aussicht, die nur sehr wenige Menschen zu sehen bekommen. Und genau das ist es, was ein Foto für den Betrachter so spannend und attraktiv macht: etwas Neues zu sehen.   Wenn ich die Wahl habe, versuche ich jedoch nicht, bis an die Spitze des Wolkenkratzers zu gelangen. Eine mittlere Höhe ist eigentlich am besten. Aber wie kann man in solche Hochhäuser gelangen? Dies ist für viele Fotografen sicher die schwierigste Frage. Die Antwort ist nicht weniger schwierig. Tatsächlich muss man gute Verbindungen zu Hausverwaltungen haben oder jemanden kennen, der in dem betreffenden Gebäude wohnt. Gute Kontakte sind das A und O.

Natürlich spielt der Himmel auch in der Cityscape-Fotografie eine wichtige Rolle. Das schönste Licht hat man bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang sowie zur blauen Stunde. Dann gibt es die perfekte Mischung aus Farben am Himmel und Lichtern der Stadt. Wenn die Lichter der Stadt zu spät angehen und der Himmel bereits zu dunkel ist, kann man auch mit dem sogenannten Timeblending arbeiten. Dabei werden mehrere Fotos von genau demselben Bildausschnitt aufgenommen. Später können sie in Luminar über eine Luminositätsmaske oder verschiedene Mischmodi kombiniert werden.

 

3. Seen

Seen als Motiv haben den großen Vorteil, dass die Arbeit mit Wasser sehr spannend ist. Wenn das Wasser ruhig genug ist, wird die Natur perfekt reflektiert und der See kann für eine Symmetrieaufnahme genutzt werden. Dies vereinfacht die Komposition – und dennoch sind solche Bilder äußerst attraktiv. Sie sollten während der Vorbereitung den Wetterbericht prüfen, um zu sehen, ob die Chance auf Windstille besteht. Für mich ist die schönste Szenerie eine Kombination aus einem See im Vordergrund und einem Berg im Hintergrund. Wir haben einige dieser sehr fotogenen Szenerien in Bayern. Manche dieser Orte sind sehr bekannt und überfüllt. Aber abseits der beliebten Fotoplätze findet man auch ruhige und einsame Stellen. Es hilft in der Regel, einige Stunden vor dem geplanten Zeitpunkt des Fotografierens aufzubrechen und die Gegend zu Fuß zu erkunden. Wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht, lassen sich auch neue, unbekanntere Fotospots finden.

Seen sind für mich in der goldenen Stunde von besonderem Interesse. Wenn der Himmel Farbe bekommt und alles in einen goldenen Schimmer getaucht ist, wird das Licht sehr weich. Das sind die besten Momente zum Fotografieren. Die blaue Stunde hingegen wird uninteressant, weil es kein künstliches Licht wie in Städten gibt. Aber der Himmel spielt in solchen Momenten eine viel größere Rolle. Vor allem, wenn mit einer Reflexion gearbeitet wird, macht der Himmel 50 Prozent oder mehr des Fotos aus. Deshalb sollten Sie oft an einen Ort zurückkehren und ihn mehrmals fotografieren, um irgendwann den perfekten Himmel zu erwischen. Ist man einmal an einem Ort , zu dem man nicht so schnell zurückkommen kann, dann kann ein Himmelersatz helfen. Dies wird jedoch schwieriger, wenn man mit Reflexionen arbeitet. Nach dem einfachen Ersetzen des Himmels muss eine weitere Ebene mit dem Himmel erstellt und dieser dann gespiegelt werden. Es lohnt sich, mit verschiedenen Schichtmischmethoden wie Soft Light zu experimentieren. Schließlich muss der Himmel dort ausgeblendet werden, wo er nicht reflektiert, das heißt überall außerhalb des Wassers.

 

4. Wälder

Die Fotografie im Wald hat ihre eigenen Besonderheiten. In Wäldern ist der Himmel oft nicht oder nur kaum sichtbar. Daher eignet sich diese Art der Landschaftsfotografie besonders für „schlechtes“ Wetter, wenn der Himmel ohnehin grau ist. Auch Nebel und Feuchtigkeit geben den Bildern eine besondere Atmosphäre. Das heißt, dass die Fotos auch von diesem Wetter profitieren.Wenn man direkt in den Wald geht, wird man vor einigen Herausforderungen bei der Komposition stehen. Ein Wald sieht wegen der vielen Bäume oft sehr ungeordnet aus. Es ist also nicht leicht, eine schöne, saubere Szenerie zu finden. Daher können Detailaufnahmen manchmal helfen. Spannend ist es auch, die Sonne zu nutzen, wenn sie durch die Bäume scheint und ein großes Lichtspektakel die Szenerie erhellt. Ich sehe mir solche Fotos immer gerne an. Da ich in Deutschland lebe, fotografiere ich natürlich hauptsächlich die Wälder hier in der Region. Besonders beeindruckt war ich von der Rakotzbrücke in Kromlau. Sie wird auch Teufelsbrücke genannt. Auch wenn es sich nicht um ein klassisches Waldfoto handelt, möchte ich es hier erwähnen. Die Brücke wird derzeit umfassend restauriert, aber sie kann bald wieder fotografiert werden.

 

5. Nachthimmel

Tolle Landschaftsaufnahmen sind auch bei Nacht möglich. Jeder, der schon einmal den Sternenhimmel fotografiert hat, weiß, welche Schönheit dieser Anblick bietet. Ein gutes Nachtfoto ist eine starke Komposition mit einem guten Vordergrund. Zu oft sehe ich Fotos, auf denen nur der Himmel zu sehen ist. Ich finde das sehr langweilig. Auch, wenn man eine Nachtaufnahme machen möchte, sollte man tagsüber zum geplanten Fotospot gehen und sich gut vorbereiten. Vergessen Sie nicht, dass es über Nacht ziemlich schnell kalt werden kann. Ich mache gerne Landschaftsaufnahmen zur blauen Stunde mit einer niedrigen ISO-Zahl. Wenn ich später den Nachthimmel fotografiere, muss ich den ISO-Wert weiter nach oben drehen, damit die Verschlusszeit nicht zu kurz wird, denn sonst verschwimmen die Sterne. Ich kann diese Fotos später in der Bildbearbeitung wieder zusammensetzen und so ein optimales Ergebnis erzielen. Ähnlich ist die Situation bei den Polarlichtern. Bei der Bildbearbeitung versuche ich, die Grüntöne etwas mehr zu sättigen und die Luminanz herunterzudrehen, damit die Farben zur Geltung kommen. Das Nordlicht lässt sich in den nördlichen Ländern im Winter besonders gut fotografieren. Ich empfehle Ihnen, es unbedingt zu versuchen.

Stefan Schäfer

Stefan Schäfer wusste immer, dass er in einem kreativen Bereich arbeiten wollte. Im Alter von 18 Jahren machte er sich als Grafikdesigner selbstständig. Zur Fotografie kam er durch die Einladung eines Freundes zu einem Fotoshooting, da ihn die Kameratechnik faszinierte. Schließlich fand Stefan seinen Weg zur Landschafts- und Cityscapefotografie, die heute seine Vollzeitbeschäftigung darstellt.

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