In unserer letzten Ausgabe von „Fotowissen für Einsteiger“ haben wir Ihnen den Modus A zur Regulierung der Blende erklärt. Dieses Mal soll es um die Verschlusszeit gehen, die sich je nach Kamerahersteller im Modus S, T oder Tv regulieren lässt. In diesem Modus reguliert die Kamera die Blende automatisch.

Was ist der Verschluss?

Der Verschluss ist – naja – genau eben das: ein Verschluss. Er reguliert, wie lange Licht auf den Sensor der Kamera fällt, indem er den Sensor eine gewisse Zeit nach dem Betätigen des Auslösers verschließt. Je länger die auf Deiner Kamera festgelegte Verschlusszeit ist, desto länger kann der Sensor das Licht „einfangen“; in der Folge wird das Bild heller, wenn es länger belichtet wird. Die Helligkeit des Bildes lässt sich also nicht nur durch die Öffnung der Blende regulieren sonder auch durch die Verschlusszeit. Diese wird meist in folgender Form angegeben: „1/100 s“, was soviel bedeutet wie: Die Belichtungszeit beträgt eine Hundertstel Sekunde. Belichtungszeiten von einer Sekunde oder länger werden so angegeben: 1″

Eine Frage von (Milli-)Sekunden

Generell gilt: Je dunkler die Umgebung, desto länger sollte die Verschlusszeit sein, um das Bild korrekt zu belichten. Zu lange Belichtungszeiten können umgekehrt zur Überbelichtung führen. Allerdings gibt es hier noch weitere Faktoren zu beachten. Längere Belichtungszeiten sollten nur bei statischen Fotomotiven angewendet werden. Denn wenn ich eine Sekunde lang belichte und sich das zu fotografierende Objekt in dieser Zeit bewegt, verwischt es, da das Licht, das das Objekt auf den Sensor der Kamera reflektiert über die Belichtungszeit hinweg gesehen aus verschiedenen Richtungen kommt. Man spricht hier von der sogenannten Bewegungsunschärfe.

 

Dies kann durchaus auch ein gewollter Effekt sein (siehe Bild links), stört aber in vielen Fällen; zum Beispiel, wenn sie Objekte oder Menschen in Bewegung fotografieren und scharf darstellen wollen. Möchten Sie einen Fußballer beim Freistoß ablichten oder fährt jemand mit dem Rad an Ihnen vorbei, sollten sie eine eher kurze Verschlusszeit wählen, es sei denn, sie möchten bewusst Bewegung durch Unschärfe zeigen. Ansonsten ziehen zum Beispiel schnell bewegte Körperteile Schlieren im Bild.

Achtung Verwackler

Auch verwackelt man leicht, wenn man Bilder mit verhältnismäßig langen Verschlusszeiten aus der Hand schießt – selbst die ruhigste Person kann dies nicht verhindern. Schon kleine Bewegungen der Hand können ein Foto unbrauchbar machen, wenn eine zu lange Belichtungszeit gewählt wurde. Dieser Effekt verstärkt sich bei großen Brennweiten noch mal. Eine Regel unter Fotografen lautet deswegen, bei der Belichtungszeit immer mindestens eine doppelt so hohe Zahl als Sekundenbruchteil zu nutzen wie die Brennweite des Objektives beträgt, wenn man aus der Hand fotografiert. Bei einem 50mm Objektiv also mindestens 1/100 s, bei 24 mm 1/50 s usw.; verfügt die Kamera über eine interne Bildstabilisation, können hier auch kleinere Werte bzw. längere Belichtungszeiten gewählt werden.

Der Kampf gegen die Dunkelheit

Ist es besonders dunkel, bietet sich eine sogenannte Langzeitbelichtung an. Dabei lässt man den Verschluss mehrere Sekunden offen, um möglichst viel Licht einzufangen. Fotografieren Sie des Nachts stellen sie die Verschlusszeit gerne auch mal auf 30 Sekunden ein. Hier kommt es natürlich auch immer auf die individuelle Situation an. Steht mehr Licht zur Verfügung, können kürzere Verschlusszeiten gewählt werden. Sich bewegende Lichter, zum Beispiel von Autos oder Bahnen, können hier tolle Farbeffekte ergeben (siehe Bild rechts).

Ebenfalls beliebt sind Langzeitbelichtungen beim Fotografieren von Wasser. Lichten Sie zum Beispiel das Meer über einen längeren Zeitraum hinweg ab, entsteht ein besonderer Effekt, der es auf dem Foto glatt erscheinen lässt.

Überhaupt lässt sich anhand von Wasser wunderbar zeigen, welchen Einfluss verschiedene Belichtungszeiten auf das Bild haben. Wählt man beim Fotografieren zum Beispiel eines Springbrunnens eher kurze Verschlusszeiten (z.B. 1/1000 s), lassen sich einzelne Wassertropfen auf dem Bild erkennen. Wählt man hingegen längere Belichtungszeiten (z.B. 2″), erscheint das Wasser eher als homogenes, fließendes Ganzes. Wichtig ist hier, dass man ein Stativ nutzt, denn aus der Hand lässt sich eine solche Langzeitbelichtung wegen der bereits genannten Verwacklung nicht durchführen.

Praxis-Aufgabe

Suchen Sie sich ein Motiv, das voll von Bewegung ist – sei es die Autos auf der Straße, ein Springbrunnen, ein Haustier oder ein Mensch und fotografiere diese im Modus S/Tv während der Bewegung. Experimentieren Sie mit verschiedenen Verschlusszeiten und sehen Sie sich im Nachgang an, wie die Bilder aussehen. Welche Unterschiede können Sie erkennen? Welche Verschlusszeiten eignen sich möglicherweise besonders gut für welche Art von Bewegung? Zusatzaufgabe: Schnappen Sie sich ein Stativ und experimentieren Sie, wenn es dunkel ist, mit Langzeitbelichtungen.