Fragen an Stefan Daniel, Director Product Management Photo bei Leica zur neuen Leica SL

? Welche Zielgruppen spricht Leica mit der neuen SL an?
Stefan Daniel: Die SL ist konzipiert für professionelle Fotografen oder ambitionierte Amateurfotografen, die professionelle Ansprüche an ihr Kamera-System stellen. So wollen wir beispielsweise Eignern von M-Kameras eine zusätzliche Alternative anbieten.

? Für eine Systemkamera, die ja ohne den Schwingspiegel-Mechanismus auskommt, geriet die SL vergleichsweise groß und schwer?
Stefan Daniel: Wir wollen mit der SL eine moderne Alternative zu den derzeitigen Profikameras anbieten. Wir haben einen extrem schnellen Autofokus zum Ziel gehabt und bewegen deshalb in den Objektiven zur SL nur wenige Linsenelemente. Das heißt, der größte Teil der Linsen steht fest und das führt zu mehr Bauvolumen bei den Objektiven, was wir bewusst in Kauf genommen haben. Und da wir, wie immer bei Leica, von den Objektiven her denken, fiel das Gehäuse zwangsläufig relativ groß aus. Der neue Sucher mit seinen 4.4 Millionen Bildpunkten benötigt natürlich ebenfalls mehr Platz und unser Ziel war es, ein Sucherbild anzubieten, das ein Abbild wie bei einer Mittelfornat-Kamera liefert. Dieses Suchbild bleibt übrigens auch mit den T-Objektiven so groß. Hinzu kommt weiterhin, dass auch Platz für den relativ großen Lithium-Ionen-Akku mit fast 1900 mAh Kapazität geschaffen werden musste.

? Stichwort, die SL als Videokamera. Wurde sie von vorne herein auch als Videokamera konzipiert, oder war 4K-Video eher ein Abfallprodukt?
Stefan Daniel: Wein Abfallprodukt natürlich nicht. Aber wenn man eine Fotokamera so konzipiert, wie wir das getan haben, sind natürlich die Voraussetzungen für professionelle Videoaufnahmen schon in die Wiege gelegt. Über den HDMI-Ausgang liefert die SL immerhin Aufnahmen im 4.2.2 10 Bit-Format an externe Recorder, intern sind es 4.2.0 im 8 Bit-Format auf SD-Karte.

? Wie sieht es mit der maximalen Laufzeit bei Videoaufnehmen im Hinblick auf die Erwärmung des Prozessors aus?
Stefan Daniel: Hier haben wir mit der massiven Bauweise mit dem aus dem Vollen gefrästen Alubody sehr gute Voraussetzungen für eine optimale Kühlung geschaffen.

? Würden Sie es begrüßen, wenn es für wechselwillige Fotografen aus anderen professionellen Kamerasystemen zur SL auch entsprechende Objektivadapter, beispielsweise von Metabones, geben würde? Würde Leica selbst solche Adapter anbieten?
Stefan Daniel: Wir werden Adapter für jedes bisher gebaute Leica-Objektiv im Programm haben, also auch für die M- und R-Fotografen. Diese können ohne Einschränkungen alle ihre Objektive an der SL verwenden – allerdings ohne Autofokus versteht sich. Wenn ein Hersteller hochwertiger Objektivadapter die von Ihnen genannten Lösungen anbieten würden, wäre das von unserer Seite aus willkommen, selbst werden wir solche Fremdadapter aber nicht bauen. Das Auflagemaß wurde bewußt so gestaltet, dass die SL sich perfekt für Adapterlösungen eignet.

? Wie sieht die Roadmap in Sachen Objektive aus?
Stefan Daniel:
Neben den angekündigten drei Objektiven, die in diesem und im kommenden Jahr lieferbar sein werden, arbeiten wir natürlich mit Hochdruck am Ausbau des Angebotes. Lassen Sie es mich so sagen: Jedes wichtige Objektiv, das ein Profi in seiner Kameratasche braucht, wird es geben. Die Roadmap steht zwar, ist aber noch nicht veröffentlichungsreif.

? Also auch Makroobjektive und lichtstarke Festbrennweiten oder Tilt/Shift-Objektive?
Stefan Daniel:
Selbstverständlich, allerdings Tilt/Shift-Objektive wohl eher nicht.

2017-06-13T11:58:22+00:00 22. Oktober 2015|Categories: Kameras, News, Technik|Tags: , , , |

Ein Kommentar

  1. […] traditionellerweise mit einem Essen und einem anschließendem Vortrag. Dieses Jahr war es erneut Stefan Daniel von Leica, der auf unterhaltsame und sympathische Weise Rede und Antwort über die Entwicklungen […]

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