Die Natur ist unser schönstes Fotomotiv. Tauchen Sie mit uns ein in den mystischen Wald oder die facettenreiche Blumenwiese oder kommen Sie mit zur Fotopirsch auf dem Feld. Wir geben Ihnen Inspiration für außergewöhnliche Naturfotografien.

von Dragana Mimić

© Fotos Unsplash

Die Naturfotografie ist ungemein facettenreich. Landschaften, Tiere und Pflanzen sind die drei Schlagworte, mit denen man den Begriff der Naturfotografie am besten zusammenfassen kann. Naturfotografische Motive lassen sich also buchstäblich überall finden. Dementsprechend vielfältig ist somit auch die Motivation der Fotografen, in der Natur Bilder zu machen: Möchten die einen die Verhaltensweisen von Tieren dokumentieren, zielen die anderen darauf ab, so viele unterschiedliche Naturmotive wie möglich zu archivieren. Die Mehrheit wird aber sicherlich versuchen, das Naturerlebnis und die Emotionen in einmaligen Bilder festzuhalten: Wenn etwa am frühen Morgen die ersten Sonnenstrahlen die Wolkendecke aufreißen und einen goldenen Schimmer über die Landschaft legen. Die unvergessliche Begegnung mit einem Rehkitz auf einer Waldlichtung oder ein in zarten Farben inszeniertes Maiglöckchen.

Eines machen die aufgeführten Beispiele deutlich: Solche Fotos sind nur mit Muße und Geduld möglich. Nehmen Sie die Gelegenheit wahr, entschleunigen Sie und lassen eine intensive Begegnung mit der Natur zu. Dabei ist es egal, ob Sie das nahegelegene Wäldchen, einen Naturpark oder eine Seenlandschaft aufsuchen. Lohnende Motive finden sich überall. Bilder zu erstellen, die Emotionen transportieren, ist keine leichte Übung. Entscheidend ist der Blick des Fotografen, sein Gespür für den Moment und die Bildgestaltung. Und dennoch dürfen Licht und Belichtung ebenso wenig vernachlässigt werden wie die Wahl der Brennweite, des Bildausschnitts oder der Blendenöffnung, um vermeintliche Alltagsmotive immer wieder neu zu sehen und neu zu inszenieren.

Der Wald

Über dem Blätterdach

Tauchen Sie ein in einen Wald und lassen sich von der erfrischenden Kühle einnehmen, die dort selbst an heißen Sommertagen herrscht. Der Wald bietet reichlich Gelegenheit, sich mit ihm fotografisch auseinanderzusetzen. Dabei gibt es unterschiedliche Arten, sich ihm anzunähern. So bietet sich beispielsweise die klassische Übersicht von einem erhöhten Aussichtspunkt an. Besonders in den Mittelgebirgen lohnt es sich immer wieder, nach Plattformen Ausschau zu halten, die einen Blick über das Blätterdach ermöglichen. Fotografisch gesehen ist dann ein weiter Blick unter Einbeziehung des Himmels mindestens genauso interessant wie das Ausarbeiten grafisch strukturierter Ausschnitte mittels eines Teleobjektivs. Empfehlenswert sind hierbei Brennweiten zwischen 90 und 300 mm, wobei das 90-mm-Objektiv verdichtete Übersichten aufnimmt und größere Brennweiten Ausschnitte nah heranholen. Reihen sich bewaldete Hügel aneinander, so eignet sich ein großes Teleobjektiv auch hervorragend dazu, die Perspektive zu verdichten und die Berge so näher zusammenzurücken.

Innenansichten eines Waldes

Im Walddickicht selbst ergeben sich höchst unterschiedliche Möglichkeiten für spannende Fotografien – und zwar zu jeder Tageszeit. Das Blätterdach filtert die Sonnenstrahlen auch zur Mittagszeit, sodass immer ein leicht diffuses Licht vorherrscht. Allerdings kann es sein, dass dadurch zu wenig Licht vorhanden ist. Nicht nur deshalb sollte der Naturfotograf immer in Stativ dabeihaben – so lassen sich auch mal längere Belichtungszeiten problemlos realisieren. Außerdem können Sie so den Bildausschnitt perfekt einstellen. Soll die Sonne ins Bild, suchen Sie das Waldstück frühmorgens, am späten Nachmittag oder abends auf, da die Sonne zu diesen Zeiten so tief steht, dass sie zwischen den Baumreihen hindurchstrahlt. Dunst und Nebel steigen am frühen Morgen nach einem regnerischen Tag oder einer kalten Nacht auf. So ergeben sich mystisch anmutende Szenerien mit tollen Strahlenbildern.

Setzen Sie im Wald selber Weitwinkelobjektive ein. Hier sollten Sie aber auf Ihre Bildsprache achten und den Bildausschnitt sorgfältig wählen. Um den Vordergrund interessant zu gestalten, können kleine bis mittelgroße Naturobjekte mit einbezogen werden. Das kann etwa ein mit Moos bewachsener Felsbrocken sein oder – bei entsprechender bodennaher Perspektive – auch ein Pilz. Bestenfalls positionieren Sie den Hingucker leicht außerhalb der Bildmitte, nach der klassischen Drittelregel oder im goldenen Schnitt, und sorgen so für Ordnung. Auf diese Weise wird auch der Blick des Betrachters gezielt in das Bild hineingeführt. Sonst heißt es schnell: Man sieht den Wald vor lauter Bäumen nicht. Eine zentrale Komposition ist nur bei besonders charaktervollen, ausladenden Bäumen sinnvoll. Hier bieten sich zum Beispiel knorrige, uralte Buchen oder Eichen an. Eine weitere Möglichkeit besteht darin, das Bild mit zwei ähnlich breiten Baumstämmen „einzurahmen“. Für die Hintergrundgestaltung sind beispielsweise Waldwege oder kleine Bachläufe ideal, um dem Bild zusätzlich Tiefe zu verleihen.

Wer auf Teleobjektive schwört, der kann mithilfe eines lichtstarken Exemplars und großer Blendenöffnung ebenfalls zu einem „aufgeräumten“ Waldfoto kommen, indem er die Schärfentiefe gezielt einsetzt. Da meist nicht unbegrenzt viel Platz vorhanden ist, ist man mit einem Zoomobjektiv am flexibelsten. In die Fototasche gehört aber auch ein Polfilter, mit dem Reflexionen, beispielsweise auf dem Blattwerk nach einem Regenschauer, eingedämmt und gleichzeitig die Farben betont werden, damit diese besser zur Geltung kommen. Aber auch ein gutes Makroobjektiv sollte nicht fehlen.

Tipps für das Fotografieren im Wald

  1. Versuchen Sie, im nebligen Wald die Sonne hinter einem Baum verschwinden zu lassen. So bekommen Sie nur die Sonnenstrahlen ins Bild, die sich am Baumstamm auffächern und auf den Waldboden niederrieseln.
  2. Selbst kleinste Standortänderungen entscheiden, ob sich wichtige Bildelemente überschneiden oder verdecken. Lassen Sie sich genügend Zeit, um die Komposition zu perfektionieren.

Makros – auf Entdeckungsreise nach „Kleinigkeiten

Insbesondere im Nahbereich lassen sich an vermeintlichen Alltagsgewächsen mithilfe der Kamera und eines Makroobjektivs erstaunliche Entdeckungen machen. Selbst ein herkömmlicher Löwenzahn und ein Gänseblümchen bieten Stoff für umfangreiche und abwechslungsreiche Bildserien. Dabei ist das fotografische Werkzeug noch längst nicht so entscheidend wie das Auge des Fotografen. Denn in einem bewusst gestalteten Makrofoto ist eine Blüte nicht einfach eine Blüte, eine Raupe nicht einfach eine Raupe. Hier geht es vielmehr um den bewussten Umgang mit Lichteinfall, Formen, Strukturen, Flächen und Linien, die die Bildwirkung maßgeblich bestimmen.



Bei genauerem Hinsehen vereinen jedes Tier und jede Pflanze eine Fülle an Strukturen und Formen und bieten damit viele Möglichkeiten für Bilder. Ein geduldiges Übungsobjekt sind dabei Blätter, die aufgrund markanter Blattadern grafische Muster und Linien erzeugen, die man in den perfekten Bildschnitt positionieren sollte. Der allbekannte Goldene Schnitt, die Drittel-Regel oder die asymmetrische Bildaufteilung sind nur einige Hilfsmittel, um aus einem Bilddetail dynamische Aufnahmen zu gestalten. Nicht zu unterschätzen ist bei solchen Bildern auch die handwerkliche Ausführung. Es besteht genügend Zeit, um Sensor- und Motivebene perfekt aufeinander abzustimmen, auf absolute Windstille zu warten, um so auch bei mäßig geschlossener Blende alle Motivteile in die Schärfeebene zu bringen. Eine eher offen gehaltene Blende hilft auch dabei, die Verschlusszeit so kurz wie möglich zu halten und so die windbedingte Verwacklungsgefahr zu verringern.

Lichtspiele

Die Lichtführung ist gerade im Makrobereich essenziell für die Bildwirkung: Gegenlicht, Streiflicht oder Auflicht verwandeln alltäglich wirkende Pflanzen in leuchtende Kunstwerke. Flach auftreffende Lichtstrahlen betonen beispielsweise Oberflächenstrukturen, die dann markante Schatten werfen. Direktes Gegenlicht lässt selbst unscheinbare Blüten in den sattesten Farben erstrahlen und zaubert zugleich unterschiedliche Schattierungen. Diffuses Licht hingegen nimmt die Plastizität aus dem Motiv, bringt im Gegenzug aber auch feinste Farbabstufungen zutage. Hier sollten Sie ein wenig experimentieren und Ihre persönlichen Vorlieben herausfinden.

Strukturen im Fokus

Eine fotografische Herausforderung bringt aber auch eine Pflanzenansammlung mit sich, wie etwa das Blätterwerk eines Busches. Soll aus der scheinbar chaotischen Blätteransammlung ein ansprechendes Bild werden, gilt es, sich wiederholende Strukturen und Rhythmen im Motiv herauszuarbeiten und so das Chaos zu ordnen. Hier leistet ein stabiles Stativ wichtige Arbeit. Gehen Sie wie folgt vor: Richten Sie Stativ samt Kamera zunächst ungefähr aus. Betrachten Sie das Motiv nun in Ruhe (durch den Sucher) und machen Sie Punkte aus, an denen das Auge haften bleibt. Danach richten Sie die Kamera entsprechend ein, schauen abwechselnd durch den Sucher und direkt auf das Motiv, beseitigen eventuelle Störfaktoren wie zum Beispiel ein welkes Blättchen oder ins Bild ragende Grashalme, die bei Offenblende im Sucher meist gar nicht zu sehen sind.

Tiermakros

Sind Sie sicher mit dem Erstellen von Pflanzenmakros, so können Sie auch Tiermakros in Angriff nehmen. Diese Modelle sind allerdings meist weniger kooperativ und bleiben auch nicht so gerne still in einer Position. Daher ist hier schnelles und vor allem intuitives Arbeiten essenziell. Eine gute Gelegenheit zum Üben bieten beispielsweise Schmetterlingshäuser oder Terrarien und Palmengärten in Tierparks und Zoos. Bei scheuen Tieren eigen sich selbstverständlich Markoobjektive mit einer Brennweite ab 105 mm aufwärts besser als kurzbrennweitige Objektive, da Sie die Fluchtdistanz problemlos einhalten können und die Tierchen trotzdem formatfüllend auf das Bild bekommen. Da Sie nicht immer ein Stativ einsetzen können, ist oftmals eine höher ISO-Zahl notwenig, um die Verschlusszeit trotz nicht idealer Lichtbedingungen kurz zu halten. Ziehen Sie die Grenze bei etwa ISO 800, um eine gute Abbildungsqualität zu gewährleisten. Neuere Kameras ziehen da problemlos mit, hier ist je nach Modell auch ISO 1.600 locker ohne Qualitätsverlust möglich.

Standpunkt variieren

Den Standpunkt so oft wie möglich zu variieren ist ein Tipp, der eigentlich für alle Fotogenres gilt. Gerade im Markobereich reicht es allerdings bereits, wenn Sie wenige Zentimeter höher oder tiefer gehen, um eine völlig andere Bildwirkung zu erhalten. Wenn möglich, ist es gerade bei Sonnenschein reizvoll, das Motiv von verschiedenen Seiten zu fotografieren und so Fotos mit Auf- oder Gegenlicht und den dazugehörigen Zwischenstufen zu bekommen.

Subjektive Makrofotografie

Fotografiert man Tier- und Pflanzenmakros nicht nur dokumentarisch, sondern stellt die eigene Wahrnehmung dar, so taucht man schnell in die künstlerisch-abstrakte Fotografie. Denn häufig kann man bei solchen Bildern das ursprüngliche Motiv nicht mehr erkennen. Hier sind Lichteinfall, Farbe und Form deutlich wichtiger, um Stimmung und Gestaltung zu transportieren. Toll daran ist, dass man nicht ständig auf der Suche nach Raritäten sein muss, sondern die kleine Raupe ebenso wie auch das „Unkraut“ am Wegesrand als Motiv nehmen kann. Im Idealfall beherrscht der Fotograf sowohl sein Handwerk als auch die kreative Interpretation des Motivs. Die Abbildung im großen Maßstab macht ungeahnte Details sichtbar, während die Darstellung mit geringer Schärfentiefe oder gezielt eingesetzter Unschärfe die Intention und individuelle Sicht des Fotografen widerspiegelt. Diese beiden Aspekte sind gute Vorraussetzungen für spannende Fotografien.

Tierische Motive

Der Traum eines jeden Tierliebhabers ist es sicherlich, Wildtieren wie beispielsweise einem scheuen Reh zu begegnen. Und auch der Fotograf träumt von solchen Begegnungen, die er mit der Kamera festhalten kann. Unsere Fauna ist bei genauerer Betrachtung äußerst vielfältig und auch die „alltäglichen“ Tiere sind spannende Motive. Draußen – das kann der heimische Garten oder der nahe gelegene Stadtpark sein, wo man sich zum Beispiel auf Wasservögel im Teich oder die Eidechse auf der Mauer konzentrieren kann. Diese und andere Tiere sind mit wenig Aufwand fast überall zu fotografieren. Viele Säugetiere sind nacht- beziehungsweise dämmerungsaktiv und daher schwer zu finden und zu fotografieren. Neben der Vorbereitung braucht es daher auch ein wenig Glück, um diese Tiere außerhalb von Gehegen auf das Foto zu bannen. Hasen sind besonders im Frühjahr auf den Feldern gut zu beobachten, da Gras und Getreide noch sehr niedrig sind. Neben den Tieren in freier Wildbahn sind auch Zoos und Wildgehege die perfekte Location für leidenschaftliche Tier- und Naturfotografen. Dabei spielen jedoch wieder das Gespür für Gestaltung, der Einsatz bestimmter Brennweiten oder der Lichteinfluss eine bedeutende Rolle, um ein besonderes Abbild des Lebewesens vor der Kamera zu erhalten.

Allzeit bereit

Tiere sind meist gar nicht berechenbar. Deshalb gilt es hier, das Motto der Pfadfinder zu beherzigen: „Allzeit bereit.“ Häufig muss man stundenlanges Warten im Tarnversteck oder vor den Tiergehegen in Kauf nehmen, bis sich völlig unverhofft das Bisonrudel in Bewegung setzt, das Wolfsrudel auf das Frühstück stürzt oder sich die Affengruppe durch das Gehege jagt. Um diese authentischen Situationen einzufangen, müssen Sie nicht nur die Kamera bereithalten. Hilfreich ist es außerdem, wenn Sie gestalterische Grundlagen wie die Drittel-Regel, Symmetrien und das Erkennen von Diagonalen instinktiv abrufen können. Die relativ kleinen Autofokus-Messfelder sind bei dieser gleichzeitig bewussten und spontanen Bildgestaltung eher hinderlich. Sie verleiten nämlich dazu, das zentrale Motiv mittig zu platzieren, was gestalterische Dynamik eigentlich unmöglich macht. Sie sind gut bedient, wenn Ihre Kamera über (frei) anwählbare AF-Sensoren verfügt, die über einen relativ großen Bereich im Sucher verteilt sind. Ansonsten ist es ratsam, den Autofokus auf das mittlere, empfindlichste Messfeld einzustellen und das zentrale Motiv mittig zu halten. Im Nachhinein kann der Bildausschnitt dann am Rechner optimiert werden. Außerdem ist die aktivierte Serienbildfunktionen in solchen Aufnahmesituationen äußerst ratsam. Vier Bilder pro Sekunde schaffen bereits die Einsteigermodelle, höhere Frequenzen steigern jedoch die Trefferquote. Allerdings muss man sich meist erst einmal daran gewöhnen, den Finger auf dem Auslöser zu halten. Dann werden Sie jedoch schnell merken, dass oftmals erst das vierte oder fünfte Bild einer Serienaufnahme wirklich gelungen ist. Bei solchen actionreichen Szenen kann die richtige Belichtung Schwierigkeiten bereiten, da keine Zeit für etwaige Korrekturen bleibt. Fertigen Sie deshalb eine Referenzbelichtung an. Nehmen Sie ein Objekt mit mittlerem Grauwert auf, wie zum Beispiel eine Felswand oder eine Baumrinde. Korrigieren Sie daraufhin die Belichtung und stellen den perfekten Wert manuell ein. So sind Sie in jedem Fall auf der sicheren Seite.

Vögel und Säugetiere

Versuchen Sie doch mal, Ihr Auto auf wenig befahrenen Feldwegen als mobiles Tarnversteck zu verwenden, um heimische Wildtiere wie Rehe, Fasane oder Feldhasen vor die Kamera zu bekommen. Denn ein Auto werden die meisten Tiere nicht als Gefahr wahrnehmen und sich vielleicht sogar auf Fotodistanz nähern. Jedoch gelangt man natürlich nicht überall mit dem Auto hin.

Um sich Wildtieren trotzdem zu nähern, gibt es mittlerweile eine Reihe von komfortablen Tarnzelten, die sich in Minutenschnelle aufbauen lassen. Eine gute und meist günstigere Alternative dazu ist ein großes Tarnnetz aus dem Militaria-Handel, mit dem eigentlich überall ein Versteck geschaffen werden kann. Bei der Platzierung des Verstecks sollten Sie aber unbedingt die Windrichtung beachten. Der Wind sollte von den Tieren auf das Versteck zuwehen, andernfalls wird schnell das leiseste Geräusch die Tiere in die Flucht schlagen.

Doch ganz egal wie Sie sich tarnen, Sie sollten immer das Wohl der Tiere und der Pflanzen als höchste Priorität ansehen – als Naturliebhaber und Fotograf.