Angespornt durch die hervorragenden Bilder eines Olympus-Visionärs ist bei Thomas Felgenhauer der Wunsch, solche fantastischen Makrobilder mit seiner eigenen Kamera zu erstellen, vor zwei Jahren entstanden. Der langjährige Pictures-Leser erklärt, wie er mit Affinity Photo sein Ziel erreichte.

© Fotos & Text von Thomas Felgenhauer

Zuerst probierte ich das kamerainterne Focus Stacking mit meiner Olympus OM-D E-M1 ohne weiteres Zubehör (Makroschiene, Zwischenringe, Vorsatzlinse) mit dem Olympus 40-150mm f2.8 sowie dem 60mm f2.8 Makro aus. Hier entstanden schon einmal sehr schöne Ergebnisse, die aber nur einen gewissen Grad der Feinheit, die Bilder, die durch Focus Bracketing (BKT) entstehen können, zuließen. Das Focus Bracketing erschien mir am Anfang zu aufwendig und schwierig, auch hatte ich kein passendes Programm zur Verrechnung. In einem wirklich tollen Einführungskurs in die Makrofotografie wurde mir erst einmal vor Augen geführt, was alles möglich ist, wenn man Focus Bracketing anwendet. Durch die Verrechnung mit Helicon Focus, welches aber für einen Anfänger recht umfangreich und auch teils schwer verständlich ist (da in meinen Augen die Dokumentation zu kompliziert beschrieben ist), kamen dann aber schon einmal sehr detailreiche Aufnahmen zustande.

Hier zeigte sich die Komplexität und auch die Schwierigkeit der Makrofotografie:
Aufnahmen in der Natur sind das eine, die Verrechnung und anschließende Bearbeitung das andere. Die verrechneten Bilder wiesen gewisse Überlagerungen oder Doppelkonturen (Focus Merge) auf, die anschließend in einem weiteren Bildbearbeitungsprogramm teils sehr aufwendig entfernt werden mussten. Dieses Focus Merge entsteht unter Umständen durch die Größe der Blendenöffnung, der Anzahl der Bilder oder durch leichte Bewegungen des Objekts. Nun galt es, das passende Bearbeitungsprogramm für mich herauszufinden. Lightroom und Photoshop sind sehr mächtig, deshalb auch gut und ausführlich per Printmedien und Videos im Internet dokumentiert. Ich lud mir die Demoversionen auf meinen Rechner und probierte einiges aus. Aber, es klappte irgendwie nicht. Als Nächstes habe ich dann Pixelmator ausprobiert, hier die Version für macOS und iOS – damit kam ich schon eher zurecht, es war für mich einfacher und selbsterklärend. Leider sieht diese Software keinerlei Möglichkeiten der Verrechnung mehrerer Bilder vor. Als dann Affinity Photo vorgestellt wurde, schaute ich mir dieses auch erst einmal an, lud die Demoversion herunter und siehe da, es ging mir leichter von der Hand. Zwar fehlte es anfänglich an ausreichender Dokumentation (und hier muss ich mal anmerken, für jemanden der zwar ein wenig Schulenglisch beherrscht, aber die Sprache nicht studiert hat, ist es wenig hilfreich, immer auf englischsprachige Seiten oder Videos verwiesen zu werden), aber nichts desto trotz war es für mich intuitiver zu bedienen. Später kam dann noch mit einem Update unter anderem die Focuskombination dazu und das Programm erwies sich für mich erst einmal als das richtige.

Vorbereitungen
Bei meiner Vorgehensweise ist frühes Aufstehen Pflicht. Da ich die Insekten nur in den frühen Morgenstunden (im Sommer ab 4:00 Uhr) in ihrer Kältestarre vorfinde, ist eine gewisse Planung notwendig. Ich verwende kein Kunstlicht oder Blitz (ich stelle mir immer vor, wie weh das in den Augen der Insekten tun muss), noch verwende ich Kältespray. Mit dem ersten natürlichen Licht beginnt dann das Fotografieren. Die Zeit ist begrenzt, da mit immer höher steigender Sonne auch eventuell ein Hauch von Wind mit einhergeht und je wärmer es wird, die Insekten immer mobiler werden. Wo habe ich eine Wiese mit vielen Wildkräutern, gibt es dort genügend Insekten (so einfach, wie man sich das manchmal vorstellt, ist es nicht, tagelang habe ich auf allen Vieren Wiesen durchforstet und nichts gefunden), wie wird das Wetter am nächsten Morgen (regnet es, wird viel Wind vorhergesagt), wann geht die Sonne auf und wie kalt soll es werden? Sind all diese Überlegungen abgeschlossen, wird die Tasche, mit allem was für den nächsten Tag benötigt wird, gepackt. Hierbei ist zu beachten, dass alle Akkus voll geladen und die Speicherkarten leer und frisch formatiert sind.

Der nächste Morgen
Auf der Wiese angekommen, wird als Erstes alles aufgebaut. Das Stativ wird aufgestellt, Wimberley Plamp (ein flexibler Arm zum Stabilisieren von Makro-Objekten oder zum Halten von Zubehör) angebracht, Kreuzschlitten auf dem Kugelkopf befestigt und darauf die Kamera mit Fernauslöser montiert, Zwischenringe und Vorsatzlinse bereitgelegt. Alle Einstellungen sollten nochmals kontrolliert werden. Nun geht es ans Suchen und Finden von Insekten. Hat man ein schönes Exemplar gefunden, schneidet man ganz vorsichtig mit der Gartenschere den Halm, den Ast oder wo auch immer das Tier sitzt, ab und befestigt ihn in der Plamp. Jetzt entscheidet man sich, je nach Art der Vergrößerung, ob mit oder ohne Zwischenringen oder Vorsatzlinse
gearbeitet wird und richtet anschließend die Kamera ein.

Das Focus Bracketing
Hat man die Kamera dann abschließend ausgerichtet, beginnt man mit dem Focus Bracketing. Als Erstes entscheidet man sich für die Stepweite – reicht der voreingestellte Wert oder sollte er um 1 verringert oder erhöht werden (hängt auch mit der Vergrößerung durch Zwischenringe und/oder Vorsatzlinse zusammen) und dann für die Blende. Nachdem alles eingestellt ist, wird auf den vordersten Punkt des Objekts, welches man scharf abbilden möchte, am Objektiv manuell scharf gestellt. Dieses kann, je nach Art und Umfang der Vergrößerung (mit oder ohne Zwischenringen oder Vorsatzlinse), nur ein winziger Punkt sein. Um dies besser kontrollieren zu können, ist es hilfreich, die Lupenfunktion und eventuell das Focus Peaking, welches die Kontrastkanten farblich hervorhebt, zu aktivieren. Nun wird per Makroschlitten die Kamera in ihrer Position ein klein wenig zurückgestellt, der vorher eingestellte scharfe Punkt wird unscharf – alles auf dem Display zu sehen – und das Focus Bracketing per Fernauslöser gestartet. Jetzt kann man auf dem Display sehr schön verfolgen, wie der Focus aus der Unschärfe vor dem Objekt auf dieses zufährt, der erste vormals eingestellte scharfe Punkt wird sichtbar, der Schärfeverlauf geht step by step durch das Objekt hindurch und wenn er es verlassen hat, kann die Aufnahme beendet werden. Hier hat es sich für mich als sehr hilfreich erwiesen, die Aufnahme noch ein wenig länger laufen zu lassen, aber die Hand vor das Objektiv zu halten und die Aufnahme abzudunkeln. Hierdurch findet man bei manchmal mehreren tausend Aufnahmen besser den Anfang und das Ende einer Focus-Bracketing-Reihe.

Überspielen, Sichten und Sortieren der Aufnahmen
Ich habe mir, der Einfachheit halber, eine externe SSD mit 250 GB Speicher zugelegt. Diese ist schnell genug, um Daten hin und her zu schieben. Auf diese überspiele ich erst einmal alle Aufnahmen, um sie anschließend durchzusehen. Als Erstes werden die Serien zusammengestellt, erkennbar an den durch die Hand abgedunkelten Bildern, die dann per Schnelldurchlauf in der Vorschau gesichtet werden. Hier erkennt man schon, welche Aufnahmereihen etwas geworden sind, oder bei welchen unter Umständen nur einige Bilder Verwendung finden, da sich hier das Objekt zu viel bewegt hat. Jede Reihe bekommt einen eigenen Ordner, den ich, damit ich den Überblick nicht verliere, entweder mit dem Tiernamen oder einer Nummer benenne und hinterher die verrechneten Bilder richtig ablegen kann.

1. Die Verrechnung
Hier sieht man, wie sich die Fokuskombination nach der Auswahl der einzelnen Bilder und dem Starten der Verrechnung automatisch zusammensetzt. Das Bild baut sich, je nach Rechnerleistung, mehr oder weniger schnell zusammen.

2. Nach dem Zusammenrechnen
So sieht das fertig verrechnete Bild dann aus. Rechts daneben die Quellen, die jedes einzelne Bild zeigen. Hier kann man, bei weniger Aufnahmen, das Focus Merge auch Bild für Bild bearbeiten, ich bevorzuge aber die Klonmethode am fertig verrechneten Bild. Focus Merge ist der Unschärfebereich bzw. die Doppelkontur, die wir entfernen möchten.

3. Focus Merge um die Tropfen herum
In der Vergrößerung kann man sehr gut die Säume/Überlappungen erkennen. Sie entstehen aus meiner Erfahrung heraus meist bei sehr offener Blende. Ich habe mir angewöhnt, nach dem Ausprobieren verschiedenster Werkzeuge, mit dem Kopier-/Klonstempel zu arbeiten.

4. Das Werkzeug, die Einstellung, Focus Merge
In diesem Beispielbild ist links das Werkzeug (u.a. der Kopier-/Klonstempel), darüber die Einstellung (Breite, Deckkraft, Fluss und Härte). Hier stellt man dann je nach zu bearbeitenden Bereich den Stempel ein. Das kleine schwarze Kreuz zeigt den Bereich an, der kopiert wird. Hier muss man später aufpassen, er wandert immer im gleichen Abstand zum Kopier-/Klonstempel (runder Kreis) mit. Man sollte ihn aber immer in der Nähe des zu reparierenden Bereichs platzieren, um Farb- oder Helligkeitsunterschiede zu vermeiden. Der runde Kreis ist der Kopier-/Klonstempel. Hier hat er 320 px Durchmesser, die Größe wird oben unter dem Reiter „Breite“ eingestellt und sollte zum zu bearbeiteten Bereich passen: Je feiner korrigiert werden soll, umso kleiner sollte er sein. Es ist sogar möglich, jedes einzelne Pixel zu bearbeiten. Unter dem Reiter „Deckkraft“ stellt man die Stärke (das Überdecken) ein, 100 % bedeutet komplette Übermalung (weniger % somit auch weniger Übermalung) – hier probiert man auch am besten aus, wieviel benötigt wird und ob man in einem oder mehreren Arbeitsgängen zum fertigen Ergebnis kommen möchte. Unter dem Reiter „Härte“ stellt man die Kantenhärte ein. Bei 100 % Härte ist der Übergang messerscharf und erfordert haargenaues Arbeiten, je geringer der Prozentsatz, umso weicher die Kante.

5. Die Feinarbeit, Klonen/Übermalen
Starke Vergrößerung, der Kopier-/Klonstempel ist klein (38 px) eingestellt. Hier sieht man, wie mit dem kopierten Bereich (unter dem schwarzen kleinen Kreuz), das Focus Merge, um die Wassertropfen herum, übermalt wird.

6. Die Härte des Stempels
Eine weiche (0 %) Kante ist natürlich weniger scharf als eine harte (100 %). Gerät man mit einem hart eingestellten Stempel zu dicht an das Objekt, so wird es gnadenlos übermalt. Auch hier gilt, ein wenig Übung und schon hat man für sich die beste Vorgehensweise (das Zusammenspiel der eingestellten Werte des Werkzeugs) herausgefunden.

7. Vorher / nachher
Hier kann man sehr schön sehen, wie sich die Bearbeitung auf diesen Bereich auswirkt.

8. Abschließende Bearbeitungen
Zum Schluss sieht man, was nach der Beseitigung des Focus Merge und dem Beschnitt noch für Anpassungen am Bild stattgefunden haben. Weißabgleich und Tonwertkorrektur wende ich nach persönlichem Geschmack an und mit dem Hochpassfilter schärft man – bei 100% Vergrößerung – das Bild, der Filter Klarheit stellt dann nochmal die Feinheiten etwas mehr heraus.

 

Das fertige Bild.

 

Thomas‘ Ausrüstung

Olympus OM-D E-M1
• Olympus M.Zuiko 60mm f2.8 Makro
• Stativ
• Kugelkopf
• Kreuz-Einstellschlitten
• Fernauslöser
• Kenko Zwischenringe
• Vorsatzlinse Raynox 150
• Wimberley Plamp
• Gartenschere
• Akkus
• Speicherkarten