Ob Blumen, Landschaften oder Segelschiffe – Anneke Jager macht aus alltäglichen Dingen fotografische Kunstwerke. Gewachsen ist ihr Stil über drei Jahrzehnte hinweg, auch mithilfe jeder Menge externen Feedbacks.

von Benjamin Lemm © Fotos Anneke Jager

Anneke Jager hat die Fotografie vor über 30 Jahren für sich entdeckt. Von Anfang an war die Niederländerin dabei in verschiedenen Fotografiegruppen aktiv. Diese waren maßgeblich daran beteiligt, dass sie ihren eigenen Stil gefunden und kreiert hat, wie sie selbst sagt: „Was kann ich beim nächsten Bild besser machen? Hat mein Bild eine Aussage? Was sehen andere in meinen Fotos? Man lernt so viel, wenn man zusammen unterwegs ist und über die Fotografie spricht“, berichtet sie von den gemeinsamen Fotosessions und Workshops.

Oft schauen sie und ihre Fotofreunde ihre Bilder im Nachhinein noch mal genauer an, analysieren, warum manche Bilder besser gelungen sind als andere. Dies sei die beste Methode, sich zu verbessern und seine Fotografie weiterzuentwickeln, egal ob es nun um Storytelling oder technisches Know-how geht.

„Am IJsselmeer fotografiere ich regelmäßig mit dem Canon 70-300 mm Objektiv, oft mit kurzer Verschlusszeit, weil ich selbst auf einem Schiff bin. Um dem Bild einen alten Look zu geben, habe ich hier verschiedene Texturen verwendet. Hierfür arbeite ich gerne mit der Software ON1 PhotoRaw.“

Ausdrucksstarke Kompositionen

Die Art und Weise, wie Anneke das Licht in ihren Bildkompositionen nutzt, sucht ihresgleichen. Oft spielt sie gezielt mit dem Gegenlicht, lässt Formen und Konturen in ihren eigenen Schatten verschwinden. In anderen Aufnahmen schluckt sie einen Großteil der Belichtung in der Nachbearbeitung oder betont den Lichteinfall aus einer bestimmten Richtung. Alltägliche Motive und Situationen erhalten so einen mystischen Touch, werden interessanter und emotionaler. Gerne lässt sie ihre Bilder auch digital altern, gibt ihnen durch Filter und Belichtung einen Look wie aus einer anderen Zeit. Hin und wieder komponiert sie verschiedene Aufnahmen im Stil einer Doppelbelichtung und gibt ihren Bildern so eine weitere Dimension.

Kleine Foto-Freuden

Mit ihren Fotogruppen trifft sie sich an verschiedenen Orten, macht Fotoreisen und organisiert Ausstellungen. Im Vordergrund steht dabei vor allem der Spaß am Fotografieren. „Meine Bilder sollen meinen Blick auf die Welt zeigen und einen Teil von mir widerspiegeln. In den Fotogruppen und von verschiedenen Dozenten habe ich gelernt, wie man mit einem Bild zum Beispiel etwas aussagt. Aber am Ende geht es meistens darum, ein bestimmtes Gefühl zu erzeugen“, betont sie.

Natürlich sind solche Fotoreisen durch Corona eher seltener geworden. Allerdings geht die 61-Jährige auch gerne mal alleine raus, genießt drei bis vier mal die Woche die Umgebung in ihrer Heimatstadt Assen und erkundet sie mit einer ihrer drei Kameras. „Man kann überall Fotos machen. Natürlich ist eine Fotoreise schön, aber das braucht man nicht unbedingt“, erklärt Anneke. Oft weiß sie schon vorher, wie die Bilder, die sie machen möchte, aussehen sollen und greift zum entsprechenden Objektiv. An anderen Tagen wiederum entstehen ihre Fotos spontan oder entfalten erst in der Nachbearbeitung ihr volles, unter Umständen vorher nicht sichtbares Potenzial.

Wenn Hollands Blumen blühen

Eine ihrer großen Leidenschaften ist dabei das Fotografieren von Blumen mit dem Makro-Objektiv. Für diese Bilder hat sie sogar einen separaten Instagram-Account angelegt. Oft geht Anneke gezielt nur mit dem Makro raus, um Blüten und Blumen zu fotografieren. „Wenn ich zum Fotografieren rausgehe, werde ich ganz ruhig. Man muss sich auf die vielen verschiedenen Details konzentrieren, denn mit dem Makro-Objektiv sieht man die Welt aus einer ganz anderen Perspektive“, beschreibt sie. Bei ihren Streifzügen halte sie nach Farben, ungewöhnlichen Lichtverhältnissen oder speziellen Formen Ausschau.

Ein großer Teil ihres besonderen Looks entsteht auch bei diesen Fotos durch die Bearbeitung. Bei den Blumen reduziert sie die Farbgebung oft auf ein oder zwei Farben, arbeitet mit starken Kontrasten und dunklen Hintergründen, um die Motive stärker hervorzuheben. Aus dem RAW-File heraus entdeckt sie das Potenzial mancher Bilder später am Computer ganz neu: „Die Bearbeitung am PC macht mir wirklich Spaß. Wenn man sich mit den verschiedenen Softwares beschäftigt, entdeckt man, was man alles machen kann. Und so habe ich über die Jahre meinen eigenen Stil weiterentwickelt“, erklärt sie. Auch online lasse sie sich gerne mal inspirieren: „Im Netz gibt es so viele tolle Fotografen. Manchmal finde ich ein besonders großartiges Bild und frage ich mich ‘Wie hat er oder sie das gemacht?‘ Dann versuche ich, das nachzustellen oder in meinen eigenen Bildern umzusetzen.“

Den Spaß erhalten

Einmal im Monat ist Anneke auch als Eventfotografin tätig und verdient sich so etwas dazu. Die Bilder, die dabei entstehen, sind kommerzieller Natur und setzen Location, Menschen und Programm in Szene – visuell wie inhaltlich ein starker Kontrast zu Annekes sonstigen Bildern. Zu oft möchte sie solche Veranstaltungen allerdings nicht begleiten: „Eventfotografie macht mir ab und zu schon Spaß. Aber wenn ich das jede Woche machen müsste, würde ich die Freude am Fotografieren verlieren. Dann würde es zur Arbeit und das möchte ich nicht“, bekräftigt sie. Denn auch in Zukunft möchte sie sich ihre Leidenschaft für die Fotografie erhalten, ihre Bilder weiter mit ihren Fotofreunden und ihren Followern teilen – und hoffentlich bald wieder in der Gruppe auf Fotoreisen gehen.

Anneke Jager

Die Niederländerin Anneke Jager fotografiert für ihr Leben gern. Ein besonderes Faible hat sie für Makroaufnahmen von Blüten und Blumen. Durch die Lichtsetzung und die Nachbearbeitung gibt sie ihren Fotos einen ganz besonderen Look.

photographybyanneke.wordpress.com

Instagram: annekejagerphotography