Ihr ganzes Leben lang ist Esther Leucker vernarrt in Hunde. Vor ein paar Jahren hat sie ihre beiden Leidenschaften, Vierbeiner und Fotografie, vereint und verdient ihr Geld nun als selbstständige Fotografin.

Von Alena Schmidt

© Fotos Fellfarben Tierfotografie

„Glaub an deine Träume!“ In der Kindheit sind es oft die Eltern und nahe Verwandte, die einen bestärken, später auch Freunde oder andere Bezugspersonen.   Diese (Lebens-)Träume können von Mensch zu Mensch ganz unterschiedlich sein: Mal ist dieser Traum nur ein Lebensgefühl, ein anderes Mal eine sehr konkrete Vorstellung beispielsweise von einem Haus mit Garten. Manche Träume werden auch von vielen anderen Menschen geteilt, manche klingen für andere Menschen „absurd“.

Lebensträume

Esther Leucker hatte den Traum, einen weißen Dobermann zu sehen: „Schon mit acht Jahren interessierte ich mich mehr für Hunde als für alles andere“, erzählt die Fotografin, die mittlerweile unter dem Namen „Fellfarben“ bekannt ist. „Während meine Klassenkameradinnen die Wendy lasen, kaufte ich Bücher und Fachliteratur über Hunde. Mein Kommunionsgeld investierte ich in die damals umfangreichste und zudem teuerste Hunderassen-Enzyklopädie, die es gab.“ Und jeden Tag schmökerte Esther in diesem Wälzer. Zur Beschreibung des Dobermanns gab es ein altes Bild , das vier kupierte Dobermänner in den „Fehlfarben“ Schwarz, Blau, Braun und Weiß zeigte. Das Bild des weißen Dobermanns ließ Esther nicht mehr los und es entstand der Wunsch, einem dieser speziellen Exemplare einmal von Angesicht zu Angesicht gegenüber zu stehen.

Nach einem fotografischen Ausflug in die People-, Event- und Streetfotografie hält sie seit mittlerweile fünf Jahren ausschließlich Hunde auf Bildern fest. Fünf Jahre lang recherchierte sie, wo sie einen weißen Dobermann treffen könnte, denn außerhalb der USA ist die Anzahl der Hunde mit dieser Fellfarbe extrem überschaubar. Durch einen Zufall ergab sich vor kurzem der Kontakt zu der Besitzerin dreier weißer Dobermänner – und Esther konnte sich endlich ihren Traum erfüllen: „Für mich symbolisieren die weißen Dobermänner, dass man alles schaffen kann, wenn man fest daran glaubt und auch hart dafür arbeitet“, erklärt sie.

Sammlerin

Doch nicht nur bei der Suche nach dem weißen Dobermann ist Esther Leucker so ehrgeizig. Bevor sie vor zwei Jahren den nächsten Schritt wagte und seither ausschließlich von der Fotografie lebt, studierte sie Rechtswissenschaften, Erziehungswissenschaften, Soziologie und Psychologie. Außerdem beschäftigt sie sich jeden Tag bestimmt ein bis zwei Stunden mit der Recherche nach den unterschiedlichsten Hunderassen. In den fünf Jahren der Hundefotografie standen bereits 366 verschiedene Rassen vor ihrer Kamera.

Esther Leucker

366 Rassen in fünf Jahren – Esther Leucker ist kein anderer Fotograf bekannt, der schon so viele Rassen vor der Linse hatte wie sie.

www.fellfarben.de

Instagram: fellfarben

Charakterhunde – Hundecharakter

Bei solch einer langjährigen Erfahrung mit den verschiedensten Hundecharakteren, hat Esther gelernt, sich auf die individuellen Persönlichkeiten einzustellen. „Für jeden Hundefotografen ist es wichtig, sich auf ganz unterschiedliche Tiere einlassen zu können und von den Hunden – ganz egal, wie sie sich charakterlich präsentieren – schöne und repräsentative Bilder zu machen“, erläutert die Fotografin. Außerdem muss ein Hundefotograf lernen, die Körpersprache der Hunde zu deuten und Verhaltensweisen vorherzusehen. Der Trick ist es, geduldig auf den idealen Moment warten zu können, denn perfekt wirkende Bilder sind in der Regel auch nur glückliche Momentaufnahmen. „Mich reizt es nicht, einen top erzogenen Hund vor Kirschblüten zu positionieren. Mir ist es auch nicht wichtig, dass der Vierbeiner hervorragend gehorcht. Stattdessen brauche ich die Herausforderung und das Authentische.“

How to: Welpen

Eine echte Herausforderung ist auch das Fotografieren von Welpen. Daher habe ich Esther hierzu nach Tipps gefragt. Sie empfahl mir, den kleinen Vierbeiner zusammen mit einer Begleitperson zu beschäftigen. Dann sollte Besitzer den Welpen wie vereinbart platzieren – und der Fotograf schnell reagieren, eine Serienaufnahme starten und am besten quietschen oder andere lustige Geräusche machen, damit der Hund in Richtung Kamera schaut. Dabei helfen auch Tierstimmen-Apps sehr gut.

Welpen machen ohnehin schon kaum das, was man will, doch nach circa 30 Minuten ist in der Regel die Konzentration völlig weg. Perfekt ist es, wenn große, freie Wiesen in der Nähe sind,  um den Hund entweder einfach laufen zu lassen oder ihn ein wenig mit Spielzeug zu beschäftigen.

Auch bei erwachsenen Vierbeinern dauern die Shootings meist nicht länger als 90 Minuten. Direkt danach folgt die Bildersichtung sowie die Bearbeitung, bei der Esther aber ausnahmsweise keinen konsequenten Plan hat. Mal beginnt sie mit der Retusche von Sabberfäden oder Augendreck, ein anderes Mal beginnt sie mit dem Zuschnitt oder Farblook.

Die Ausrüstung

  • Sony Alpha 9
  • Sony FE 70–200 mm F/2.8 GM OSS
  • Tamron 17-28mm F/2.8 Di III RXD