Eva Marinis Leidenschaft gilt mystischen und magischen Porträts. Uns hat sie erzählt, wie sie ihren zauberhaften, detailverliebten Bildlook erlangt.

Von Alena Schmidt

© Fotos Eva Marini

Emotional inszenierte Porträts mit einer Prise Magie und Fantasie – so lässt sich Eva Marinis fotografischer Stil beschreiben. Dieses gewisse Etwas an Magie und Mystik darf bei der Fotografin aus Österreich einfach nicht fehlen.

Trotz der fantasiereichen Inszenierungen und der anschließenden Bildbearbeitung ist es ihr wichtig, dass die Menschen in ihren Bildern noch möglichst natürlich aussehen. „Daher arbeite ich auch besonders gerne mit Frauen, die Besonderheiten wie Sommersprossen, Muttermale oder ähnliches im Gesicht haben“, erzählt Eva. „Diese Merkmale unterstreichen zusätzlich den natürlichen Look. Daher sind der Weichzeichner und ich nicht die besten Freunde. Zusammengefasst könnte man sagen, mein Stil baut sich auf dem Wunsch auf, die Natürlichkeit der gezeigten Personen zu bewahren und gleichzeitig zusammen mit dem Model etwas Emotionales, Magisches und Mystisches zu erschaffen.“

 

Der Look

Und wie gelingt Eva Marini dieser mystische Look? „Es sind die Kleinigkeiten, wie beispielsweise ein paar verstreute Blütenblätter, die darüber entscheiden, ob ein Foto gut wirkt oder nicht“, so die Fotografin. Natürlich sind auch das Posing und der Ausdruck des Models sehr wichtig. Eva hat immer sehr genaue Vorstellungen davon, wie ein Bild nachher aussehen soll und leitet die Modelle konkret an. „Viele nehmen an, der mystische Look entstünde ausschließlich in der Bearbeitung“, erklärt Eva. „Aber das ist tatsächlich ein großer Irrtum. Ich bin der Meinung, dass man diesen ohne ein geeignetes Ausgangsbild nicht erzeugen kann.“

Die Bearbeitung

In der Nachbearbeitung setzt die Fotografin auf Gradationskurven. In Photoshop reiht sich eine Ebene mit Gradationskurven an die andere. Viele der Kurven maskiert Eva aus, wodurch sie nur auf Bildteile angewendet werden. Grundsätzlich konzentriert Eva sich stark auf einzelne Bildbereiche und stimmt diese farblich harmonisch aufeinander ab. Selten wird eine Gradationskurve auf das gesamte Bild angewendet. Auch die selektive Farbkorrektur verwendet sie häufig.

Natürlich bleibt es nicht aus, dass Eva Marini ab und zu mal einen Himmel austauscht oder einen Weg in eine gleichförmige Blumenwiese einfügt. Sie versucht aber grundsätzlich die Shooting-Plätze so auszusuchen, dass schon beim Fotografieren selbst alles passt.

Manchmal muss ich die Natur einfach noch ein wenig aufpeppen, um den gewünschten Bildlook zu erhalten.

Außerdem entnimmt die Österreicherin gerne Details aus anderen Bildern eines Shootings, um sie im ausgewählten Foto zu ergänzen. Das können beispielsweise fliegende Haare oder wehende Kleider sein. Wenn sie dieses Bild vor ihrem inneren Auge hat, bittet sie die Modelle, ihre Haare extra für diesen Zweck in die Luft zu werfen, um sie in diesem Moment zu fotografieren. Solche Details verleihen einem Foto mehr Dynamik und bereichern die Stimmung des Bildes. „Ich bin sehr detailverliebt“, erzählt Eva Marini. „Bei der Planung meiner Projekte spielen die Outfitwahl und das farbliche Drumherum eine große Rolle für mich. Es muss entweder alles stimmig sein oder ich plane mit Komplementärfarben.“

Drei Wege

Besonders interessant sind bei Eva auch die Wege, auf denen sie zu den Ideen für ihre eindrucksvollen Werke kommt. „Oft sehe ich etwas im Alltag, das mich inspiriert“, erklärt sie. „So ist mein neuestes Projekt, das Schach-Shooting, entstanden. Ich einem Schwimmbad sah ich ein riesiges Outdoor-Schachbrett. So fing ich an zu recherchieren, wo man denn solche großen Schachfiguren kaufen kann und ob ich nicht ein transportables Schachbrett selbst basteln könnte. Sofort habe ich zwei Outfits für diese Idee zusammengestellt. Wenn ich einmal angefangen habe, wird eine Idee sehr schnell zum Selbstläufer.“

Ein anderer möglicher Auslöser für eine Shooting-Idee ist eine spontan entdeckte Location. So hat die Fotografin beispielsweise letztes Jahr in der Nähe ihres Wohnortes ein mit Unkraut bewachsenens Feld entdeckt. Besonders abends fiel das Licht dort wunderschön auf die Gräser und inspirierte sie zu einem Konzept, aus dem das Foto „Firefly“ entstanden ist. Merke: Man muss nicht weit reisen, um tolle Locations zu finden.

Die dritte Möglichkeit der Ideenfindung istdie Inspiration durch ein interessantes Gesicht. „Es ist schon mehrmals passiert, dass sich ein Model bei mir beworben hat oder sogar, dass ich einfach eine junge Frau in meinem Alltag getroffen habe, die mich sofort umgehauen und inspiriert hat“, berichtet Eva. „Oft sitze ich in der U-Bahn, sehe eine Person und mir fällt ganz spontan ein, wie man diese Person perfekt zu ihrem Typ und ihrer Optik passend in Szene setzen könnte – zumindest nach meinen Vorstellungen und Fantasien. Es ist dann so, dass ich einem Model ein Konzept auf den Leib schneidere statt mit dem fertigen Konzept nach einem passenden Model zu suchen.“

Diese Art des Herangehens ist auch ein ideales Vorgehen für Kundenshootings, hat Eva festgestellt. Denn ihre Kundinnen haben oft nur oberflächliche Vorstellungen von ihren Wünschen, wie beispielsweise, dass die Bilder „romantisch“ oder „düster“ werden sollen. Den Rest überlassen sie der Fotografin. „Es macht mir einfach unglaublichen Spaß, für jemanden ein passendes Konzept zu kreieren. Dann fühle ich mich immer ein wenig wie ein kleines Schneiderlein“, erklärt die Fotografin.

Die Zukunft

Aus dem Wunsch heraus, ihre Fantasiewelten in die Realität zu übertragen beziehungsweise künstlerisch zum Ausdruck zu bringen, kaufte Eva Marini sich erst 2017 eine eigene Kamera und fotografiert seitdem einzig und allein mystische Porträts. Für andere Themen hat sie sich nie interessiert. In der Zukunft hat sie noch viel vor: Die Fotografin wünscht sich ein märchenhaftes Unterwassershooting, am liebsten in einem sehr großen Aquarium. Außerdem würde sie gerne einmal mit Greifvögeln shooten und sich mehr in Richtung Coaching entwickeln, um anderen Fotografen zu zeigen, wie man die Welt durch „ihre Augen“ sehen kann.

 

Eva Marini

Aktuell bietet Eva Marini ihren Kunden neben den Shootings auch Einzelcoachings an. Bald sollen noch Workshops folgen.

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