von Alena Schmidt

© Fotos Der Papagraf

Der Papagraf hat sich unter seinem ungewöhnlichen Namen in Kölner Kreisen bereits Bekanntheit erarbeitet. Uns erzählt er von seiner Arbeit als Hundefotograf und den Projekten mit Regenbogenhunden.

Hundefotograf wurde Micha, „Der Papagraf“, wie sicherlich viele Tierfotografen, weil er einmal selbst einen Hund hatte. Schon zuvor hatten es ihm Vierbeiner angetan: Mit seiner ersten Freundin, einer Freizeitreiterin,  ist er regelmäßig in den Stall gefahren. Immer im Gepäck: seine Kamera. Die enstandenen Fotos gefielen den Freundinnen seiner Partnerin, und so fotografierte er auf Nachfrage auch die ersten Tiere anderer Menschen. Als das Paar dann den ersten eigenen Hund bekam, begleitete der Papagraf natürlich die ersten Schritte und Spazeirgänge des Zuwachses. Seitdem nimmt er die Natur anders wahr, überlegt bei jedem Baumstumpf und jedem Pilz, ob man das Motiv fotografisch mit einem Hund in Szene setzen kann.

Die Suche nach einem Fotografen-Künstlernamen begann für Micha Anfang 2008. „Ich wollte etwas Besonderes, da Michael Hoffmann im Telefonbuch genauso originell ist wie Lieschen Müller. Da ich am Anfang meine Kameras und Objektive immer an meinen Nymphensittich getestet habe, war schnell der Name Nymphograf geboren. Super Idee, fand ich, das Logo und die Umsetzung haben circa zwölf Stunden gedauert. Abends habe ich meiner damaligen Freundin alles präsentiert und sie musste lachen. Mein naiv-unschuldiger Gedankengang wurde zunichte gemacht, als sie mir sagte, dass ich mit dem Namen bestimmt ein anderes Klientel anziehen würde als gewünscht. Okay! Die nächsten Tage wurde umgeplant, umgezeichnet und herumexperimentiert. Bis aus „Papagei“, denn Nymphensittiche gehören zur Familie der Papageien, und „Fotograf“ der „Papagraf“ wurde. Dieser Name setzte sich bei den Kunden durch und wurde durch Sommerfeste in Tierheimen und auf Hundemessen auch international immer bekannter. Die Nachweise aus Zeitungen und anderen Medien haben 2016 dazu geführt, dass ich hochoffiziell zum Papagrafen wurde, als die Stadt Köln den Künstlernamen anerkannt und auch in den amtlichen Ausweis hat eintragen lassen.

Das aktuelle Lieblingsbild des Fotografen ist das von Nomi (siehe unten), einer starken Charakterhündin, die genau weiß, was sie will. Das Bild ist bei einem Regenbogenshooting entstanden, da sie ein inoperables Aneurysma im Kopf hat, das jederzeit platzen und sie töten kann. Eine einfach Überanstrengung beispielsweise beim Spielen und Toben, kann bereits dazu führen. Die Besitzerin hat sich dazu entschieden, sie trotzdem nicht in Watte zu packen, da sie Hund bleiben soll und auch so leben darf.

Der Bearbeitungsstil des Papagrafen ist eher natürlich bis fantastisch. Je nach Situation oder Setting kann das Ergebnis schon mal ,,Disneylike“ aussehen, wie auf folgendem Foto. Der Wunsch nach Natürlichkeit überwiegt aber beim Großteil der Kunden. Und auch Micha versucht, am Hund selber so wenig wie möglich zu „ändern“.

Zum Regenbogenfotografen ist der Papagraf durch die Idee der Sternenkinder gekommen. Ein Sternenkind ist ein Baby, das schon im Mutterleib oder kurz nach der Geburt in den Armen der Eltern stirbt. Auch Hundehalter, die wissen, dass ihre Fellnase in naher Zukunft sterben wird, haben oft den Wunsch, ihren Vierbeiner noch einmal fotografisch festzuhalten. Micha suchte sich zu dem Thema alle möglichen Infos, bildete sich weiter und wächst mit jedem einzelnen Shooting.

„Mit der Regenbogenfotografie sind die letzten – gemeinsamen – Bilder gemeint, die als Erinnerung und Hilfe für die Zeit nach dem Tod des Hundes für die Besitzer gemacht werden“, erzählt Micha. „Dieser emotionalen Herausforderung wollte ich mich stellen, da man sich als gesunder Mensch in meinem Alter eher weniger mit dem Thema Tod beschäftigt. Jedes einzelne Schicksal, jede Krankheit nimmt mich mit, da man das Mensch-Hund-Team quasi in einem zwei Stunden Crashkurs kennenlernt und teils das Gefühl hat, die beiden schon Jahre zu kennen. Hört sich krass an, aber trotzdem freut es mich, zusammen mit den Menschen eine Möglichkeit zu schaffen, die Zeit anzuhalten und den Moment einzufrieren. Wenn der Tag des Abschieds kommt, meist noch während der Bearbeitungszeit der Bilder, wird viel geweint. Aber irgendwann mischt sich beim Betrachten der Bilder unter die Tränen auch wieder ein Lächeln oder sogar ein Grinsen, wenn man sich an die eine oder andere Eigenart des besten Freundes erinnert.“

Am liebsten fotografiert der Papagraf in der Altstadt vom Stapelhäuschen bis zum Dom. Im Shop auf seiner Webseite bietet Micha dazu passende Shootingpakete an, die man ganz individuell anpassen und buchen kann.

Seine Ausrüstung sieht wie folgt aus: Canon 5D & Canon 5D II, Canon 70-2000mm 4 L, 24-70mm 2.8 L, 50mm 1.4, Sigma Art 24mm 1.4, Sigma EF-610 DG Super Blitz und die Stative Manfrotto 055PROB und Manfrotto XPRO2W.

Die größte fotografische Herausforderung war und ist für den Papagrafen immer noch das Projekt „VeedelDogs“. Dabei möchte er 86 Hunde in ihrem jeweiligen Veedel mit bekannten und unbekannteren Dingen, die zum Veedel gehören, fotografieren. Die Voraussetzungen: Der Vierbeiner – und sein Halter –  müssen zum Zeitpunkt der Bewerbung im Veedel leben und der Besitzer sollte Micha in Gesprächen sein Veedel erklären beziehungsweise etwas darüber erzählen können. Das Projekt sollte 2020 in Form eines gebundenen Buchs abgeschlossen werden. Allerdings machten das Wetter, Corona und das kurze Leben der Tiere immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Micha hat daher jetzt erstmal  das finale Datum ausgesetzt, da aktuell realistischerweise kein Ende absehbar ist.

Der Papagraf

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