Praxistest: BenQ SW2700PT – Monitor für anspruchsvolle Fotografen

FÜR SCHREIBTISCHTÄTER

Für anspruchsvolle Fotografen stellt BenQ mit dem SW2700PT einen vergleichsweise günstigen, hochauflösenden 27-Zoll-Profi-Monitor her, der den AdobeRGB-Farbraum abdeckt. Was der Monitor ansonsten zu bieten hat und wie er sich im Alltag schlägt, klärt dieser Praxistest.

Von Hans-Günther Beer
© Alle Fotos Hans-Günther Beer

Speziell für ambitionierte Hobby- sowie Profi-Fotografen hat das taiwanesische Unternehmen BenQ, das, nebenbei bemerkt, über 100.000 Mitarbeiter in sieben Unternehmensbereichen beschäftigt, den brandneuen TFT-Monitor SW 2700PT konzipiert. Statt auf Eleganz und stylische Designelemente, setzten die Entwickler bei dem 27-Zoll-Monitor vielmehr auf herausragende Ausstattung und möglichst großen Praxisnutzen im Bildbearbeitungsalltag. Und so kommt der SW2700PT mit einem relativ konventionellen Äußeren daher. Beispielsweise ruht das IPS-Panel, physikalische Auflösung von 2.560 mal 1.440 Bildpunkten, statt in einer filigranen Alueinfassung in einem stabilen, etwa daumenbreiten, dunkelgrauen Kunststoffrahmen. Dank seiner IPS-Technik offeriert das mit weißen LEDs beleuchtete Display einen Blickwinkelbereich von plus/minus 178 Grad. Also auch schräg von der Seite betrachtet, verlieren die Farben kaum etwas von ihrer Leuchtkraft und Natürlichkeit, wie sich in der Testpraxis zeigte. Um seitlich oder von oben kommendes Störlicht vom Display fernzuhalten, kommt der SW2700PT serienmäßig mit einer Sichtblende aus Kunststoff. Diese steckt man aus Einzelelementen zusammen und montiert sie an entsprechenden Führungsnasen am Rahmen. Doch das sollte man erst nach Studium der Anleitung tun, sonst könnten die Befestigungsnasen aus Kunststoff am Rahmen darunter leiden – im Test gab es allerdings keinerlei Probleme, die Blende rastete sauber ein und saß bombenfest. Diese lässt auch bei hellem Umgebungslicht den extrem hohen Kontrast des Displays, den BenQ mit 1.000:1 angibt, zur Geltung kommen. Das Display selbst kann über eine Milliarde unterschiedlicher Farben darstellen und – das ist eine große Besonderheit in dieser Preisklasse – nahezu den kompletten AdobeRGBFarbraum, genauer: 99 Prozent davon. Der Adobe-RGB-Farbraum bietet im Vergleich zum sRGB-Farbraum, den bei weitem nicht alle Profi-Monitore beherrschen, vor allem in den Grün- und Blautönen deutlich mehr an Farbdifferenzierung an. Vor allem Natur- oder Werbefotografen, die für anspruchsvolle Druckerzeugnisse arbeiten, aber auch Grafiker und Layouter wissen dieses Mehr zu schätzen. Wer jedoch in den vollen Genuss dieser Vorteile kommen will, sollte den SW2700PT mit einer Grafikkarte ansteuern, die 10 Bit-Farbauflösung liefert. Das können beispielsweise eine Nvidia Quadro K620 für knapp 180 Euro sein und wohl demnächst auch einige gängige Geforce-Karten nach einem Firmwareupdate. Selbst Apple scheint sich dem äußeren Druck der Profis zu beugen und soll angeblich das 8-Bit-Diktat beenden und mit dem Betriebssystem El Capitan für den Mac Pro 10 Bit-Farbauflösung zur Verfügung stellen.

 

BenQ_TabelleDie Bauweise und Verarbeitung des SW2700PT kann man rundum als gelungen und professionell bezeichnen. Trotz der reichlichen Verwendung von – hochwertigem – Kunststoff, wirkt der Monitor überall, wo man hinblickt, solide und stabil. Selbst auf maximale Höhe ausgefahren, was sehr geschmeidig und präzise funktioniert, wackelt das Display, wenn man es kräftig anstößt, nur ganz kurz – vorbildlich. Dies ist vor allem dem im Fuß drehbar gelagerten Haltearm aus Aluminium geschuldet, der am oberen Ende auch noch einen praktischen Tragegriff besitzt. Der Höhenverstellweg beträgt insgesamt 13 Zentimeter (siehe auch Tabelle) und in der höchsten Position lässt sich der Monitor um 90 Grad nach rechts in die Hochkant-Position (Pivot-Betrieb) drehen. Die sonstige Ausstattung des SW2700PT, auf den BenQ übrigens drei Jahre Garantie mit Vor-Ort-Austausch-Service bietet, genügt auch hohen Ansprüchen. So offeriert der Monitor auf der Rückseite einen vollständigen DVI-, ferner einen HDMI- und einen Displayport- (DP1.2) Anschluss. Am gleichen Anschlussfeld verbindet man den SW2700PT mit einem USB 3.0-Anschluss des Computers und ein 3,5mm-Klinkenbuchse zum Einstöpseln eines Kopfhörers ist ebenfalls vorhanden. Über eine Mini-USB-Buchse schließt man das mitgelieferte, separate Bedienterminal an, das in einer Ausbuchtung im Gerätefuß geparkt werden kann. Mit diesem sehr praktischen Terminal lassen sich alle Funktionen des Monitors alternativ zu den gut erreichbaren Bedientasten rechts unten am Rahmen kinderleicht anwählen und einstellen. Der Clou: Auf drei von vier Controllertasten am Terminal lassen sich Userfunktionen hinterlegen. Im Auslieferungszustand sind dort AdobeRGB-, sRGB- und Schwarz-Weiß-Modus abgespeichert. Letzterer ermöglicht auf Knopfdruck die Vorab-Beurteilung jedes Motivs als S/W-Bild – sehr praktisch.

Das Menü des SW2700PT selbst ist trotz des großen Umfangs sehr übersichtlich strukturiert. Drei der sechs Tasten am unteren Rand des Rahmens rechts sind als Schnellzugriffstasten für Eingabe, Farbmodus und Helligkeit definiert, diese lassen sich aber auch umprogrammieren. Die jeweilige Funktion wird bei leichter Berührung als Onscreen-Anzeige über den Tasten kurz eingeblendet. An der linken Seite des TFT-Displays finden sich zwei USB 3.0-Anschlüsse sowie ein SD-Kartenslot, der auch SDHC- und SDXC-Karten lesen kann. An einen der USB-Anschlüsse lässt sich sehr praktisch die Messeinheit zum Kalibrieren des Monitors anschließen. Wir verwendeten dafür die X-Rite i1Display, dessen Messergebnis sich als Profil alternativ in einem 14 Bit Lookup-Table im Monitor abspeichern lassen, der SW2700PT ist also auch Hardwarekalibrierbar – in dieser Preisklasse eine weitere Besonderheit. Das Ergebnis des Einmessvorganges brachte einen etwas kühleren Bildeindruck als im Auslieferungszustand, will heißen, der SW2700PT tendiert ab Werk im AdobeRGB-Modus zu etwas wärmeren Farben.

Das Arbeiten mit dem SW2700PT war jederzeit ein Genuss. Die Ausleuchtung des Displays ist äußerst gleichmäßig, die hohe Auflösung im Zusammenhang mit der enormen Schärfe des Displays erleichtert die Bearbeitung von Fotos sehr. Selbst feinste Strukturen werden plastisch und verzerrungsfrei dargestellt, die Beurteilung der Aufnahme-Schärfe und das Nachschärfen in der Postproduction werden zum Kinderspiel. Selbst stundenlanges Arbeiten führt zu keinen Ermüdungserscheinungen, obwohl der Monitor einen regelmäßig auffordert, eine kleine Pause einzulegen.

Fazit
Mit dem SW2700PT ist BenQ ein großer Wurf gelungen. Neben einer tadellosen Verarbeitung und einer üppigen Ausstattung bietet der QHD-Monitor Features wie den AdobeRGB-Farbraum, Hardwarekalibrierbarkeit und eine praktische Sichtblende. Der SW700PT erfüllt höchste Ansprüche an Bildqualität und Komfort und ist selbst für Fotografen, die den AdobeRGB-Farbraum (noch) nicht nutzen, eine heiße Empfehlung. Das Gesamtpaket bietet einen hervorragenden Preis-Gegenwert und zukunftssicher ist es außerdem. Fotografen werden mit dem SW2700PT gerne zum Schreibtischtäter.

 

Weitere Informationen finden Sie auch unter: www.benq.de

 

Ein Kommentar

  1. Christian 9. November 2016 um 19:02 Uhr- Antworten

    Der Eizo scheint ja ein echt guter Monitor für Bild und Videobearbeitung zu sein. Ein ebenfalls nettes und sinnvolles Feature ist die Blende, die man an dem Monitor befestigen kann. Könnte durchaus mein nächster Monitor werden. Ansonsten ein guter Artikel, der keine Fragen übriglässt.

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