PRAXISTEST – Metz mecablitz M400

KRAFTZWERG

Der neue kompakte mecablitz M400 bietet ausreichend Lichtleistung, nahezu Vollausstattung und ist einfach zu bedienen. Er wird in sechs Varianten für alle gängigen Kamerasysteme angeboten und überzeugte im Praxistest auf der ganzen Linie.

VON HANS-GÜNTHER BEER © ALLE FOTOS VON HANS-GÜNTHER BEER

Mit dem Kompaktblitz mecablitz M400 stellte Metz Mecatech auf der Photokina 2016 den ersten Vertreter einer neuen, etwas kantigeren, stylischeren Designlinie, verbunden mit einem neuen Bedienkonzept vor, zugleich die Antwort auf den erfolgreichen Nissin i40 (Test in Ausgabe 10/2014). Doch trotz ähnlicher Größe oder besser gesagt Kompaktheit sowie identischer Leitzahl – LZ 40 bei 100 ISO bezogen auf 105 Millimeter Brennweiteneinstellung des Zoomrefektors – unterscheidet sich der M400 vom i40 zum Teil deutlich. Zum einen ist er nicht unwesentlich teurer (249 € UVP gegenüber 199 € UVP), bietet dafür zum anderen einige wesentliche Vorteile. Zunächst ist da der USB-Anschluss für Firmware-Updates, die man selbst, allerdings derzeit nur mit Windows- Rechnern, aufspielen kann. Man muss den Blitz dafür nicht zum Hersteller einschicken – mehr dazu weiter unten. Fotografen, die gerne ihre Blitzgeräte für kreative Lichtführung einsetzen, werden sich darüber freuen, dass der M400 nicht nur als Slave-, sondern im Gegensatz zum Nissin i40 auch als Master-Blitz eingesetzt werden kann. Und das klappt mit allen verfügbaren Varianten für Canon, Fujiflm, MFT (Olympus und Panasonic), Leica, Nikon, Pentax und Sony, die Sony-Variante hatten wir übrigens, betrieben an einer a7RII, im Praxistest. Des Weiteren verfügt der M400, soviel sei vorweggenommen, über überraschend kurze Blitzfolgezeiten. Das neue, kantige Gehäusedesign steht dem M400 gut, Verarbeitung und Anfassqualität stehen auf hohem Niveau, da knarzt und knistert nichts. Der Blitzschuh besteht aus Metall (Ausnahme Sony-Version) und lässt sich dank Doppelgewinde mittels Rändelrad in einer halben Umdrehung arretieren, das geht blitzschnell. Zum Lieferumfang gehören ein Aufbewahrungsbeutel sowie ein Standfuß für den Slave- Betrieb. Einen aufsteckbaren Diffusor (Bouncer) liefert Metz im Gegensatz zu Nissin beim i40 allerdings nicht mit. Den gibt es als Zubehör unter der Bezeichnung MBM04.

Das OLED-Display ist auch bei hellem Sonnenlicht gut ablesbar. Im Menüpunkt Optionen (Mitte) lassen sich die automatische Standby-Zeit, die Zoomfunktion und weitere Grundeinstellungen verändern.

Der Zoomblitzkopf mit ausziehbarer Streuscheibe und Refektionskarte lässt sich über vier Raststufen um 90 Grad nach oben klappen und horizontal nach links und rechts um jeweils 180 Grad drehen, ohne dass dafür Entsperrtasten gedrückt werden müssen. Einen klassischen Automatikmodus, bei dem das Blitzgerät über einen eigenen Sensor die Lichtmessung vornimmt, besitzt der M400 nicht. Der irreführend als „AUTO“ bezeichnete Betriebsmodus ist lediglich ein normaler TTL-Betrieb ohne sonstige Eingriffsmöglichkeiten – Blitz aufstecken und fotograferen ist wohl die Devise. Doch über das rückwärtige Tastenkreuz mitzusätzlicher Drucktaste in der Mitte lässt sich der M400 individuell konfgurieren und einstellen. Der kleine OLED- Bildschirm zeigt dabei alle Modi oder Einstellparameter sehr kontrastreich und hoch aufgelöst an, und das ohne Einschränkungen selbst bei direkter Sonneneinstrahlung. Um auch bei hellem Sonnenlicht mit offener Blende und zwangsläufg kurzen Belichtungszeiten– bis zur 1/8000 Sekunde – fotograferen zu können, etwa bei Porträtaufnahmen, um tiefe Schatten um die Augen zu verhindern, verfügt der M400 im TTL- und im Manuell-Betrieb jeweils über einen HSS-Modus. Im manuellen Blitzbetrieb, bei dem auch die Kamera wie beim Betrieb mit Studioblitzanlagen im manuellen Modus betrieben werden sollte, lässt sich die Blitzleistung in 21 Stufen bis zu 1/256stel der ursprünglichen Blitzleistung herunterregeln. Als Slave-Blitz lässt sich der M400 als Mitglied zu einer von zwei Slave-Gruppen (RMT und RMT2 bei der Sony-Version) zuordnen. Im Master-Modus kann man in der So- ny-Version des M400 am Blitzgerät selbst das Blitzleistungs-Verhältnis (Ratio) zwischen dem Master-Blitz auf der Kamera (CTRL) und den beiden Gruppen RMT und RMT2 jeweils von 1:1 bis 1:16 einstellen oder Blitze/Gruppen sozusagen auf stumm schalten. Bei Canon-, Nikon-, oder Olympus-Kameras erfolgen diese Einstellungen (Lichtmengenverhältnisse und dergleichen) in der Kamera selbst. Pentax-und Fujiflm-Kameras ermöglichen das zurzeit nicht.

Auf der zierlichen Sony α7RII macht der kompakte M400 eine gute Figur. Auch der Drahtlos-Blitzmodus funktionierte, wie gewünscht.

Erlaubt die Kamera keinen Master/Slave-Betrieb, lässt sich der M400 auch im Servo-Modus betreiben. Dann wechselt er automatisch in den Manuellen Blitzmodus und wird durch ein auf der Kamera montiertes Blitzgerät ausgelöst. Mithilfe einer speziellen Lernfunktion kann man dem M400 beibringen, wie viele Vorblitze – beispielsweise die zur Unterdrückung des Rote-Augen-Effekts – der Kamerablitz abfeuert. Der mecablitz reagiert auf diese Weise nur auf den „echten“ Auslöseblitz. Auch im Servobetrieb lässt sich die Blitzleistung bis auf ein 1/256stel herunterregeln. Weiterhin bietet der M400 eine in sechs Stufen einstellbare LED-Leuchte auf der Vorderfront fürs Videoflmen, aber auch bei Makroaufnahmen hilfreich, sowie die Möglichkeit zwei individuelle User Presets unter F1 und F2 abzuspeichern.

Der mecablitz M400 in der Testpraxis

Das neue Bedienkonzept mit Kreuztaste und OLED-Display funktionierte in der Testpraxis, hat man die Logik dahinter verinnerlicht, problemlos und treffsicher. Das per QR-Code auf dem OLED-Display herunterladbare Handbuch wurde eigentlich kaum gebraucht – die Aufösung des QR-Codes wurde übrigens per Firmware-Update inzwischen verbessert. Ebenso wird in diesen Tagen die anfangs fehlende Funktion fürs Auslösen eines Probeblitzes auch für die Nikon- Pentax- und Sony-Versionen per Firmware-Update nachgeliefert. Im Test zeigte der mecablitz M400 bei allem Zoomeinstellungen des Refektors eine perfekte Ausleuchtung des Bildfeldes Die Blitzleistung lässt sich über die untere beziehungsweise obere Taste des Tastenkreuzes blitzschnell um ± 3 Stufen anpassen. Die Blitzfolgezeiten sind außerordentlich kurz und liegen beim Abblitzen mit Fullpower im manuellen Betrieb bei nur 1,5 Sekunden – beachtlich für einen Kompaktblitz. Serienblitzaufnahmen mit 10 Aufnahmen in Folge bei Bildern/Sekunde mit der Sony a7RII waren kein Problem.

Fazit

Mit dem neuen Kompakten von Metz ließ sich professionell arbeiten und das auch im rauhen Alltagsbetrieb. Er bietet in der Summe seiner Eigenschaften und dank seiner hohen Praxistauglichkeit einen hervorragenden Gegenwert und das mit äußerst kompakten Abmessungen – ein Kraftzwerg halt.

Der Refektor lässt sich um 180 Grad nach jeder Seite drehen. Die eingebaute Videoleuchte kann man in sechs Stufen dimmen. Über den USB-Anschluss sind  Firmware-Updates möglich.

STECKBRIEF

Hersteller Metz mecatech GmbH
Vertrieb www.metz-mecatech.de
Preis [UVP] 249 €
Produktkategorie System-Aufsteckblitz mit Schwenkrefektor

Technische Daten / Ausstattung

Modellvarianten für Kamerasysteme Canon, Fujiflm, MFT (Olympus, Panasonic),Nikon, Pentax, Sony
Leitzahl (ISO 100) 40
Highspeed-Blitzen, FP (HSS) JA
Betriebsarten TTL, TTL FP (HSS), Master/Slave, Servo, Manuell
Blitzfolgezeiten(Sekunden) 0,1 – 2
Weitwinkelstreuscheibe JA
RC-Blitzen Master-Funktion JA
RC-Blitzen Slave-Funktion JA
Lichtleistung einstellbar 1/1 – 1/256
AF-Hilfslicht JA
Blitz-Belichtungs-korrektur (EV) von -3 bis +3
Blitzbelichtungsreihen
Blitzen auf 2.Verschlussvorhang JA
Langzeitsynchronisation JA
ausz. Streuscheibe/Refektorkarte JA/JA
Einstelllicht
Videoleuchte JA (100 Lux/1m)
Wake-up-Funktiondurch die Kamera JA
Neigungswinkel 0° bis 90°
Schwenkwinkel links 180° bis rechts 180°
Display OLED
Energiequelle 4 Mignon (AA)
Ext. Stromversorgung
Abmessungen (BxHxT) 65 x 146 x 51 mm Blitzkopf hochgeklappt
Gewicht 333 g (mit Akkus)
mitgeliefertes Zubehör Blitzständer, Beutel

Besonderheiten
2 Programmspeicher für individuelle Einstellungen,
USB-Buchse für Firmware-Update

AUSSTATTUNG 80
BEDIENUNG 80
VERARBEITUNG 80
PREIS-LEISTUNG 80

Dieser Artikel stammt aus der Ausgabe 04/2017.

2017-09-04T13:36:39+00:00 4. September 2017|Categories: Praxistests, Zubehör|Tags: , , , |

Hinterlassen Sie einen Kommentar