PRAXISTEST – Nikon D5 & Nikkor 24-70mm f/2.8 & Nikkor 300mm f/4

SPORTSKANONE

Das neue Nikon Flaggschiff D5 will Profifotografen mit der derzeit schnellsten Serienbildgeschwindigkeit, der höchsten ISOEmpfindlichkeit, sehr langen Betriebszeiten und 4K UHD-Video für sich gewinnen. Ob das gelingen kann, klärt dieser Test.

VON HANS-GÜNTHER BEER © ALLE FOTOS HANS-GÜNTHER BEER

Knapp 7.000 Euro ruft Nikon für den D5-Body auf und bietet dafür als D4s-Nachfolger ein exzellent ausgestattetes Gehäuse, das in vielerlei Hinsicht neue Bestmarken für den professionellen Einsatz setzen kann.

Ausstattung und Haptik

In den sehr wuchtigen, aufwändig gegen Spritzwasser und Staub abgedichteten Kamerabody aus Magnesiumdruckguss verbauten die Nikon Entwickler einen neuen 20 Megapixel CMOS-Sensor im Kleinbild-Format, der damit 25 Prozent mehr Auflösung als der Sensor der D4s bietet. Ergo hält die D810 mit ihren 36 Megapixeln in dieser Disziplin nach wie vor die Topposition im Nikon-Programm. Doch angesichts dessen, was die D5 in Verbindung mit diesem Sensor an Geschwindigkeit bietet, lässt sie eine Auflösungs- Diskussion in einem besonderen Licht erscheinen. So leistet die D5 im CH-Modus eine Serienbildgeschwindigkeit von 12 Bildern pro Sekunde, wenn der Schwingspiegel in Funktion bleibt (D4s 11 B/s). Man behält also Sichtkontakt durch den sehr großen, hellen Sucher mit dem Motiv und der Autofokus führt im C-AF-Modus kontinuierlich nach, die Belichtung wird für jede Einzelaufnahme gemessen. 14 Bilder pro Sekunde ist die maximale Serienbildgeschwindigkeit bei hochgeklapptem Spiegel, wobei hier Fokussierung und Belichtung vor der ersten Aufnahme erfolgt und dann für die folgenden Aufnahmen gespeichert bleibt. Die im CH-Modus anfallende Datenmenge pro Sekunde ist enorm – und erklärt auch die 20 Megapixel- Obergrenze. Der eingebaute Pufferspeicher fasst bis zu 200 Aufnahmen in Serie, die dank des neuen Bildprozessors und der schnellen internen Schnittstelle extrem zügig in die XQDSpeicherkarten weggespeichert werden. Dieser Wert gilt auch für komprimierte 14 Bit-RAW-Dateien. In der Praxis sind so fast endlos viele und lange Serienbildfolgen möglich, was beweist: Die D5 ist halt als Profiwerkzeug unter anderem auch für Sportfotografen konzipiert. Die Kamera ist übrigens in zwei Versionen erhältlich: Entweder mit zwei Slots für schnelle CF-Karten oder mit zweien für die noch schnelleren XQD-Speicherkarten (unser Testexemplar) – eine Mischvariante gibt es nicht. Man kann individuell konfigurieren, welche Aufgabe jede der Speicherkarten übernehmen soll, paralleles Speichern (Sichern), nacheinander abspeichern (lange Fotositzungen), die eine RAW, die andere JPEG etc.

Auf den ersten Blick unterscheidet sich die Nikon D5 kaum von den Vorgängern. Die Bedienungsphilosophie hat sich bewährt.

Auf den ersten Blick unterscheidet sich die Nikon D5 kaum von den Vorgängern. Die Bedienungsphilosophie hat sich bewährt.

Eines der Highlights, mit denen Nikon für die D5 wirbt, ist der neue, noch leistungsfähigere Autofokus und die enorme ISO-Empfindlichkeit von bis zu 102.400 ISO – plus weitere sieben Stufen bis zu sagenhaften 3.280.000 ISO. Wie sich im Test zeigte, ist ab ISO 409.600 (Einstellung ISO H0.7) schon mal, abgesehen vom extrem deutlichen Farbrauschen, von annehmbarem Bildkontrast geschweige denn von erkennbaren Bilddetails in den RAW-Daten nicht mehr wirklich die Rede. Aufnahmen mit solchen ISO-Werten sind allenfalls für Überwachungsaufnahmen geeignet, falls gerade kein Nachtsichtgerät zur Verfügung steht, plus entsprechender Bildbearbeitung natürlich. Umgekehrt jedoch ist es umso erstaunlicher, wie kontrastreich RAW-Aufnahmen selbst bei ISO 204.800 sind, ein Empfindlichkeitswert, von dem vor wenigen Jahren selbst die kühnsten Optimisten kaum zu träumen wagten. Zwar ist hierbei Farbrauschen deutlich sichtbar und feine Strukturen gehen verloren, doch brauchbar sind solche Fotos schon. Das gilt ohne besonders große Einschränkungen für Aufnahmen mit ISO-Werten bis 51.200. Hier ist das Farbrauschen noch sehr dezent und die Detailwiedergabe noch erstaunlich gut. In der Reportagefotografie darf dieser ISO-Wert ohne weiteres eingesetzt werden. Ähnlich gute Ergebnisse liefert auch die Nikon D4s, einen großen Unterschied gibt es zunächst in Sachen Rauschen und Kontrast zur D5 nicht, allerdings bietet die D5 25 Prozent mehr Auflösung – und das ist in diesem ISOBereich schon ein Wort. Fakt ist, die D5 liefert wie die D4s bis zu 6.400 ISO absolut rauschfreie Aufnahmen – mit ganz geringen Abstrichen gilt das auch für ISO 12.400 – allerdings mit einer merkbar höheren Auflösung. Verblüffend gut sind sogar die JPEG-Aufnahmen bei extrem hohen ISO-Werten OOC, rauscharm und ohne großen Auflösungs- und Kontrast-Verlust. Damit lassen sich auch unter ungünstigen Lichtbedingen immer schnellste Verschlusszeiten realisieren, also das, was der Sportfotograf braucht. Alle Testaufnahmen finden Sie übrigens unter www.pictures-magazin. de. Für eine noch präzisere Belichtungsmessung auch unter widrigen Umständen erhielt die f/5 einen neuen 180.000-Pixel-RGB-Sensor, der einen Messbereich von -3 bis 20 LW bei Matrix- und mittenbetonter Messung bietet und damit tatsächlich auch bei Mondlicht noch funktioniert. Damit das auch für den Autofokusbetrieb gilt, besitzt die D5 auch ein neues AF-System, das bis zu einem Lichtwert von -4 zuverlässig funktionieren soll. Insgesamt 153 Fokuspunkte stehen jetzt zur Verfügung, darunter 99 mit Kreuzfeldsensoren. Direkt beispielsweise über den oberen Joystick auf der Rückseite der D5 anwählbar sind allerdings „nur“ 55 von den 153 Fokuspunkten, darunter 35 Kreuzfeldsensoren, wovon wiederum 9 empfindlich genug sind, um auch noch bei Blende f/8 zu funktionieren.

 

Selbst bei höchsten ISO-Werten zeigen die RAW-Daten der D5 sogar leicht bessere Ergebnisse als die D4s und das bei deutlich höherer Auflösung. Sensationell ist das, was die D5 intern mit JPEG-Daten anstellt, bei ISO 51.200 liefert sie fast rauschfreie, detaillierte Aufnahmen

Der Autofokus ist eine Wucht

In Verbindung mit dem ebenfalls getesteten Standardzoom 24-70mm 1:2,8E ED VR und dem neuen 300mm 1:4E PF ED VR haben wir den Autofokus einem intensiven Praxistest unterzogen. Selbst bei höchster Serienbildgeschwindigkeit von 12 B/s ließ sich ein auf den Fotografen mit zirka 70 km/h zufahrendes Auto im AF-C Modus Bild für Bild scharf abbilden, ohne Ausschuss – eine sensationelle Leistung. Zugegeben, es bedarf schon ein wenig Übung und vor allem auch der richtigen Einstellung im Kameramenü, um solche Ergebnisse zu erreichen. Wir überließen dies einem dezidierten Sportfotografen, der aber war hochzufrieden mit den AF-Leistungen der D5. Dies gilt insbesondere in Verbindung mit dem 24-70mm-Zoom. Das 300er zeigte nur bei extrem schlechten Lichtbedingen hin und wieder ein wenig Pumpen, bis der Fokus saß. Insbesondere für eingefleischte Nikon-Fotografen gibt die Bedienung der D5 keine Rätsel auf, allerdings geriet die fast endlose Menüstruktur noch ein wenig umfangreicher. Wichtig: Die Mode- Taste wanderte von der rechten auf die linke Oberseite der Kamera, dafür gibt es dort jetzt eine ISO-Taste. Wen wunderts? Auffallend ist, auch die D5 besitzt kein eingebautes WLAN-Modul, dafür hätten auf der Oberseite Teile des Gehäuses aus Kunststoff sein müssen. Der neue Wireless-LAN-Adapter WT-6 lässt sich extern anschließen und beherrscht auch das schnelle ACProtokoll. Im Vergleich zur D4s ist nun auch der USB 3.0-Anschluss deutlich schneller, ebenso wie die Ethernet- Verbindung. Eine der wichtigen Verbesserungen gegenüber dem Vorgänger ist das nunmehr fast 2,4 Megapixel auflösende, nach wie vor nicht klappbare TFT-Display (D4s 960.000 Bildpunkte). Der Clou dabei: Das bestechend scharfe Display ist als Touchscreen ausgelegt, was sich insbesondere bei Liveview-Aufnahmen positiv bemerkbar macht. Denn der Fokuspunkt lässt sich nun per Fingerwisch platzieren und beim Bilderbetrachten kann man so schnell durch die Aufnahmen durchblättern. Als moderne Profikamera beherrscht auch die D5 4K Videoaufnahmen, allerdings nur im UHD-Format und bis maximal 30 fps. Die Videosignale gibt die D5 via HDMI- Schnittstelle im 8-Bit-4.2.2-Format an externe Rekorder aus. Allerdings sind bei Aufnahmen auf die Speicherkarte nur Aufnahmelängen bis maximal drei Minuten möglich, dann bricht die Kamera ab und es muss eine neue Aufnahme gestartet werden. Außerdem arbeitet bei Videoaufnahmen der Autofokus nicht mehr als Phasen-, sondern als Kontrastautofokus und damit nicht mehr so treffsicher. Das kann eine Sony α7RII besser. Eine neue Firmwareversion wird aber, wie man munkelt, an den Videofeatures deutliche Verbesserungen bringen. Sehr erfreulich ist die hohe Kapazität des mitgelieferten Akkus, die für einige tausend Bilder reicht, wenn man auf Liveview verzichtet. Mit Liveview sind es pro Akkuladung immerhin knapp 1000 Aufnahmen, für Videos reicht die Kapazität für zwei, drei Stunden.

Das Ladegerät für zwei der potenten Lithium-Ionen-Akkus gehört zum Lieferumfang (oben). Das Standardzoom Nikon AF-S NIKKOR 24-70 mm 1:2,8E ED VR bietet einen Bildstabilisator und bildet äußerst scharf ab.

Das Ladegerät für zwei der potenten Lithium-Ionen-Akkus gehört zum Lieferumfang (oben). Das Standardzoom Nikon AF-S NIKKOR 24-70 mm 1:2,8E ED VR bietet einen Bildstabilisator und bildet äußerst scharf ab.

Nikon D54_14_1500x1000AF-S NIKKOR 24-70mm 1:2,8E ED VR

Dieses neue Standardzoom im Nikon- Programm bietet durchweg eine Lichtstärke von f/2.8 und vor allem einen eingebauten optischen Bildstabilisator, der einen Gewinn von vier Lichtwerten bringt und damit vierfach längere Belichtungszeiten aus der Hand. Der Praxistest bestätigte das. Das schwere und langbauende Zoom ist aufwändig gedichtet und wie von Nikon in dieser Klasse gewohnt sehr gut verarbeitet. Mit Linsen aus neuen Glassorten wurde die optische Qualität laut Nikon deutlich erhöht, eine Nanokristall- Vergütung soll die Kontrastwiedergabe deutlich verbessern und Streulicht verhindern. Der Autofokusantrieb arbeitet extrem schnell und in Verbindung mit der D5 äußerst präzise und treffsicher, dabei fast lautlos.

Bildqualität: Schärfe, chromatische Aberration Chromatische Aberration und geometrische Verzerrungen

Chromatische Aberration kennt dieses Objektiv so gut wie nicht, unabhängig von Blenden- und Brennweiteneinstellung. Bei 24 Millimeter Brennweite zeigt das Zoom merkbare tonnenförmige Verzerrungen, bei 50 Millimeter ganz leicht kissenförmige und bei 70 Millimeter so gut wie keine geometrischen Verzerrungen. Alles in allem ein gutes bis sehr gutes Ergebnis.

Bildschärfe

In der Bildmitte zeigt dieses Zoom schon bei Offenblende und bei allen Brennweiten eine exzellente Schärfe, die lediglich bei 50 Millimeter Brennweite auf „nur“ sehr gut absinkt. Durch leichtes Abblenden wird auch hier die Schärfe exzellent. In den Bildecken ist die Schärfe, wie die Trust Your Eyes-Testaufnahmen zeigen, bei Offenblende bei allen Brennweiten leicht zurückgenommen. Leichtes Abblenden hebt die Schärfe bei allen Brennweiten auf sehr gut an. Die Schokoladenseite des AF-S NIKKOR 24- 70mm 1:2,8E ED VR ist der Brennweitenbereich von 24 bis 35 Millimeter, dort zeigt es auch bei Offenblende an den Rändern die besten Ergebnisse.

Nikon D54_15_1500x1000AF-S NIKKOR 300mm 1:4E PF ED VR

Das neue 300er im Nikon-Programm geriet dank Einsatz einer Baulänge verkürzenden Beugungslinse nach dem Phasen- Fresnel-Prinzip (PF) äußerst zierlich, kompakt und leicht. In der Tat ist es sogar ein wenig kürzer als das 24-70er. Mit der Lichtstärke von f/4 und dem eingebauten optischen Bildstabilisator ist dieses Schmuckstück das perfekte Reisetele. Der Autofokus arbeitet sehr schnell und treffsicher. Die Verarbeitung ist sehr gut, hochwertige Nanokristall- und Fluor- Vergütungen sollen für ein exzellentes Bildergebnis sorgen. Die Naheinstellgrenze beträgt 1,4 Meter.

Bildqualität: Schärfe, chromatische Aberration Chromatische Aberration und geometrische Verzerrungen

Chromatische Aberration kennt dieses Objektiv nicht. Auch eine Bildfeldwölbung und geometrische Verzerrungen sind nicht feststellbar.

Bildschärfe

Schon bei Offenblende ist dieses Objektiv in der Bildmitte und auch an den Rändern und Ecken extrem scharf, ab Blende f/5.6 überragend scharf, ohne erkennbaren Unterschied zwischen Bildmitte und Rändern. Ein exzellentes Ergebnis. Mehr ist dazu nicht zu sagen.

Fazit

Mit der neuen D5 hat Nikon eine merkbare Weiterentwicklung zur D4s präsentiert. Die Bildqualität ist insbesondere bei extrem hohen ISO-Werten auch durch die deutlich höhere Auflösung insgesamt nochmals merkbar gestiegen. Die D5 ist in jeder Beziehung ungemein schnell, der Autofokus eine Wucht, die Bedienung noch einfacher: Alles in allem eine fantastische Kamera zu einem entsprechenden Preis. Das neue Standardzoom AF-S NIKKOR 24-70mm 1:2,8E ED VR bietet einen hervorragenden Bildstabilisator und Autofokus, zeichnet extrem scharf, leicht abgeblendet auch in den Ecken, und ist ein zuverlässiges, allerdings recht gewichtiges Arbeitstier. Zierlich und leicht geriet hingegen das neue AF-S NIKKOR 300mm 1:4E PF ED VR, ein exzellentes 300mm- Tele, das ohne Abstriche schon bei Offenblende eingesetzt werden kann. Ein echter Geheimtipp und ganz sicher ein Best-Buy.

2017-06-13T10:52:55+00:00 25. März 2016|Categories: Kameras, News, Objektive, Praxistests|Tags: , , , , , |

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