Praxistest: Nissin i40

Kleiner Kraftprotz

Der japanische Blitzgeräte-Spezialist Nissin bietet für viele gängige System- und kompakte Spiegelreflex-Kameras mit dem neuen Modell i40 ein Blitzgerät mit besonders kleinen Abmessungen an. In dem kleinen Gehäuse stecken jede Menge guter Ideen, gepaart mit modernster Blitztechnik.

Autor: Hans-Günther Beer
Alle Fotos © Hans-Günther Beer

Gerade Besitzer von kompakten Spiegelreflex-Kameras oder gar von meist noch kompakteren Systemkameras haben oft ein Problem, wenn es um die Anschaffung eines guten Blitzgerätes geht: Entweder groß, üppig ausgestattet und leistungsfähig oder – wenn überhaupt angeboten – klein und kompakt, vergleichsweise mager ausgestattet mit eher geringer Blitzleistung. Für die Nikon D5300-, Fujifilm X-T1-, Olympus OM-D M-10-, Panasonic GH4- oder Sony A7-Eigner, um nur einige Beispiele zu nennen, gab es bislang nur den Griff zu zwar leistungsfähigen, aber relativ klobigen Systemblitzen, die so gar nicht zu den zierlichen Kameras passen wollen. Gar nicht zu reden von der Unterbringung in den passenden kompakten Kamerataschen. Als Ausnahme sind hier vielleicht die Blitzgeräte Olympus FL-600R und Panasonic DMW-FL 360 zu nennen – aber auch die bauen noch relativ groß. Ab sofort hat dieses Dilemma jedoch ein Ende: Denn der japanische Blitzgerätespezialist Nissin bietet mit dem brandneuen Modell i40 einen Systemblitz an, der völlig kompatibel zu den jeweiligen Kamerasystemen, äußerst kompakt, gut ausgestattet und sehr leistungsfähig sein will.

Lieferumfang und Verarbeitung sehr gut
Stellvertretend für die Varianten Canon, Nikon, Fujifilm, MFT und Sony haben wir die MFT-Version an diversen MicroFourThirds-Kameras, insbesondere an einer Olympus OM-D E-M1, ausgiebig getestet. Schon der erste Eindruck beim Auspacken des Nissin i40 ist positiv: Geliefert wird das 199 Euro (unverbindlicher Richtpreis) kostende Modell nämlich komplett in einer kleinen gepolsterten Tasche, kaum größer als eine Männerfaust, die neben dem Blitzgerät auch Platz für einen aufsteckbaren Diffusor und einen Blitzständer für das entfesselte Blitzen hat. Als Zweites fällt auf: Gemessen an den kompakten Abmessungen liegt der Blitz relativ schwer in der Hand. Das zeugt von Solidität und tatsächlich zeigt sich auch im Detail die außerordentlich gute Verarbeitungsqualität. Das Kunststoffgehäuse wirkt hochwertig und solide, da knarzt nichts und die Haptik  st sehr gut. Der Blitzfuß besteht aus Metall und der Sicherungsstift rastet beim Aufschieben automatisch in die entsprechende Öffnung im Blitzschuh der Kamera ein. Zum Lösen des Blitzgerätes genügt das Drücken der „Unlock“-Taste über dem Blitzfuß und der i40 lässt sich bequem abziehen. Das geht blitzschnell, lästiges Schrauben und Hebel-Umlegen fällt weg. Ein weiterer, auf den ersten Blick vielleicht nicht so bedeutender Hinweis für das Qualitätsbewusstsein des Herstellers ist das im beiliegenden Blitzständer eingelassene Messinggewinde, um den Ständer auf ein Stativ montieren zu können – wichtig beim RC-Blitzen. Bei anderen Herstellern besteht ein solches Gewinde aus Kunststoff. Zum relativ hohen Gewicht trägt auch die Tatsache bei, dass in den Body des Nissin i40 immerhin vier Mignonzellen (AA) passen. Das gibt es bei ähnlich kleinen Blitzgeräten unseres Wissens ansonsten nicht. Vier Mignonzellen heißt natürlich auch hohe Blitzanzahl und schnelle Blitzfolgezeiten, so wie bei den Großen. Fast die gesamte Elektronik und der große Blitzkondensator, der von den Akkus aufgeladen wird und dann blitzschnell die Blitzleistung beim Blitzvorgang zur Verfügung stellt, sind im kipp- und schwenkbaren Kopf untergebracht. Dieser lässt sich bis zu 90 Grad nach oben und um je 180 Grad nach links und rechts schwenken. Hier auch der erste kleine Kritikpunkt. Beim nach oben Kippen rastet der Kopf bei 45, 60, 75 und 90 Grad ein, aber wir würden uns eine zusätzliche Raststufe bei etwa 20 Grad wünschen. Beim seitlichen Schwenken rastet der Kopf übrigens bei jeweils 30 Grad ein. In der Preisklasse des Nissin i40 verfügen viele Blitzgeräte, darunter auch das famose Metz Mecablitz 52 AF-1, über ein mehr oder weniger großes Display, über das Funktionen überwacht oder eingestellt werden.

Kinderleichte Bedienung
Dafür war beim i40 verständlicherweise kein Platz. Stattdessen spendierten die Entwickler dem Kleinen zwei unterschiedlich große Einstellräder, eine Einschalttaste und eine Testblitztaste. Das ist alles und genügt, wie unser Test zeigte, um die umfangreichen Funktionen zu bedienen. Nach einem kurzen Druck auf die Einschaltaste leuchtet die daneben liegende Kontroll-LED. Sie ist gleichzeitig auch die Testblitztaste, zuerst kurz rot und dann grün auf, was einen aufgeladenen Kondensator und somit Blitzbereitschaft signalisiert. Ist die Kamera noch ausgeschaltet oder befindet sich im Ruhemodus, beginnt nach zwei Minuten die grüne LED zu blinken und signalisiert damit den Energiespar-Ruhemodus des i40. Ein kurzes Antippen des Kameraauslösers weckt auch den Nissin i40 auf. Für die verschiedenen Betriebsmodi ist das linke kleinere Einstellrad verantwortlich. Die mit einem grünen „A“ gekennzeichnete Automatikstellung ist der normale TTL-Modus für alle Standard- Blitzaufgaben. Bei der E-M1 funktioniert diese Betriebsart mit den Kamera-Modi Programmautomatik, Zeit-, Blendenautomatik und manueller Betrieb. Die Funktion „TTL“ entspricht dem „A“-Modus, nur ist jetzt das rechte Einstellrad aktiv und dort die rechte Skala, um die Blitzleistung um plus/minus zwei EV-Stufen in jeweils halben EV-Schritten zu beeinflussen. Eine kleine weiß leuchtende Markierungs-LED signalisiert diesen Modus optisch. Für unseren Begriff sind allerdings die Raststufen für das Blitzkorrektur-Rad etwas schwach ausgeprägt. Sehr leicht kann es passieren, dass man das Einstellrad aus Versehen verstellt – also immer schön kontrollieren, bevor es losgeht. In der Stellung „M“ des linken Funktionsrades wechselt der i40 in den manuellen Modus, jetzt arbeitet der Blitz autark und wird nicht mehr von der Kamera gesteuert. Gleichzeitig leuchtet nun links neben dem großen Einstellrad eine Markierungs-LED auf und zeigt damit an, dass nun die linke Seite des Einstellrades aktiv ist. Und dort lässt sich die Blitzleistung von voller Blitzleistung in acht Stufen bis zu einem 256stel der maximalen Blitzleistung drosseln. Dieses Einstellen funktioniert auch ohne Studium der Bedienungsanleitung auf Anhieb und ist äußerst praxisgerecht ausgelegt, ein Display haben wir zu keinem Zeitpunkt vermisst. Ok, die sonst meist angebotene Information über die Blitzreichweite fehlt. Aber auch die spielt im Zeitalter der digitalen Fotografie mit sofortiger Kontrolle des Aufnahmeergebnisses nicht mehr eine so entscheidende Rolle. Welche Funktionen bietet der Nissin i40 außerdem? Blitzen mit kurzen Belichtungszeiten (bis zu 1/8000 Sekunde), also sogenanntes Highspeed- oder FP-Blitzen ist im „A“-, „TTL“- oder “M“-Modus auch mit dem i40 möglich. Dazu drückt man die Testblitz-/Kontroll-LED etwa drei Sekunden lang. Sofort beginnt die Markierungs-LED links neben dem Funktionsrad zu blinken und signalisiert so den FP-Betrieb.

Im RC-Modus wird der Nissin i40 komplett von der Kamera aus bedient. Dieses Blitzgerät wurde der Gruppe B zugeordnet.

Im RC-Modus wird der Nissin i40 komplett von der Kamera aus bedient. Dieses Blitzgerät wurde der Gruppe B zugeordnet.

Mit Funktionen üppig ausgestattet
Dieser Zustand bleibt auch nach dem Aus- und Wiedereinschalten sowie nach dem Wiederaufwecken erhalten und muss durch erneuten drei Sekunden langen Druck auf die Testblitztaste deaktiviert werden. Kamerabesitzer, die gerne auch HD-Videofilme drehen, werden sich über die eingebaute Videoleuchte im i40 freuen – blaues Filmkamera-Symbol auf dem Funktionsrad. Bei vollgeladenen Akkus leuchten die beiden weißen LEDs auf der Frontseite fast drei Stunden Nonstop und erzeugen ein Licht mit einem ganz geringen Farbstich, der nur ganz wenig ins Bläuliche tendiert. Als Notbehelf ist dieses Videolicht ganz gut brauchbar, professionelle Aufnahmen sind damit natürlich kaum möglich. Aber das gilt auch für ähnliche Lösungen anderer Hersteller.

In den beiden Schalterstellungen „SD“ und „SF“ arbeitet der i40 als Servoblitz im manuellen Modus. Sitzt auf der Kamera ein TTL-Blitzgerät, löst dessen Blitz den i40 mit aus. Im Modus „SD“ ignoriert der Nissin dabei den obligatorischen Vorblitz, den jedes moderne Blitzgerät vor dem eigentlichen Hauptblitz im TTL-Betrieb losschickt. Blitzt das auf der Kamera montierte Bildgerät im M-Modus, stellt man den Nissin auf „SF“, Vorblitze werden hier nicht verschickt und müssen auch nicht ignoriert werden. Das gilt auch für den Betrieb mit einer Studioblitzanlage, bei dem der i40 als Füllblitz beispielsweise zur Ausleuchtung des Hintergrundes dienen kann. Seine Blitzstärke reguliert man, wie schon beschrieben, dann mit dem rechten Einstellrad, da er sich ja nun im manuellen Blitzmodus befindet. Wie man sieht, beherrscht der i40 alle Spielarten des manuellen Blitzens, das insbesondere in Verbindung mit einem zweiten oder dritten Blitzgerät sehr reizvoll sein kann und zu tollen Ergebnissen führt. Allerdings ist diese Art zu Blitzen eher bei besinnlicher Tabletop- oder Produktfotografie sinnvoll, wo man mit Muße an die Sache herangehen kann. Aber der Nissin i40 beherrscht auch die hohe Schule des entfesselten Blitzens, das sogenannte RC-Blitzen. Dabei steuert, wie in diesem Test, eine Olympus OM-D E-M1 – wie die meisten modernen Kameramodelle – fast beliebig viele externe (Slave-)Blitzgeräte mithilfe des eingebauten oder aufsteckbaren Zusatzblitzes vollständig. Ist der RC-Modus in der Kamera aktiviert, lassen sich bei meist bis zu drei Gruppen von Blitzgeräten deren Blitzmodi TTL – die meistens verwendete Betriebsart – sowie Manuell oder Automatikmodus wählen. Außerdem kann man für alle ferngesteuerte Blitzgeräte einstellen, ob sie im normalen Modus oder im Highspeed-/FPModus betrieben werden sollen. Das wirklich spannende ist aber, dass sich bei jeder Gruppe (A, B und C) der externen Blitzgeräte deren jeweilige Blitzleistung um bis zu plus/minus fünf EV-Werte (E-M1) korrigieren lassen. Das lässt eine individuelle und feinfühlige Ausleuchtung auch größerer Motive zu, ob im Studio oder in der freien Natur. Bei all diesen Remote-Control-Blitzaufgaben spielt der Nissin i40 ohne Wenn und Aber mit, allerdings nur als Slave-Blitzgerät. Alles was man tun muss, ist das Funktionsrad in die rot umrandeten Positionen A, B oder C zu stellen. Damit legt man fest, zu welcher der drei von der Kamera gesteuerten Gruppen der Nissin jetzt gehören soll. Wichtig ist, alle weiteren Einstellungen erfolgen ausschließlich an der Kamera. Das i40 kann irgendwo im Setup stehen und seine Front sollte zur Kamera eigen, um die Steuersignale besser empfangen zu können. Außerdem kann der Fotograf dann auch das rhythmische Blinken des roten AF-Hilfslichts besser erkennen, das den Slave-Modus anzeigt. Gerade bei solchen Einsätzen kann es hilfreich sein, den Ausleuchtwinkel des Blitzlichtes zu beeinflussen. Normalerweise ändert der i40 die Position seines motorischen Zoomreflektors in Abhängigkeit von der Brennweite des an der Kamera montierten Objektivs. Für den Einstellbereich des Zoomreflektors gibt Nissin beim i40 einen Bereich von 24 bis 105 Millimetern an, das entspricht bei MFT 12 bis 53 Millimeter. Der Zoombereich eines M.Zuiko 12-40 mm wird damit komplett abgedeckt. Um nun beim entfesselten Blitzen, die Einstellung des Zoomreflektors individuell einstellen zu können, bedarf es lediglich eines drei Sekunden langen Drucks auf die Einschalttaste – nachdem das Blitzgerät zuvor eingeschaltet wurde, versteht sich. Nun wechselt die ansonsten grün leuchtende Bereitschafts-LED bei jedem Druck seine Farbe von Grün (Auto) auf Violett (24 mm), Rot (50 mm), Blau (80 mm) oder Gelb (105 mm). Diese Brennweiten-Werte gelten für das KleinbildÄquivalent und müssen für MFT-Objektive halbiert werden. Eine kleine Tabelle mit den entsprechenden Informationen erscheint, wenn man den Aufhellreflektor auf der Oberseite des Blitzkopfes herausschiebt. Eine Weitwinkelstreuscheibe besitzt der i40 ebenfalls, sie hat ihre Homeposition unter dem Blitzreflektor und muss bei Objektivbrennweiten von 16 mm und darunter (MFT) herausgezogen und vor den Reflektor geklappt werden.

 

Nissin-i40_36Im Praxistest sehr gut
Das Fotografieren mit dem Nissin i40 machte in Verbindung mit der Olympus E-M1 viel Spaß und das dürfte auch für alle anderen Kameras gelten. Die kompakten Abmessungen passen zu einer Systemkamera perfekt, deren Schwerpunkt allerdings durch das recht schwere Blitzgerät (Stichwort 4 Mignonzellen) etwas nach oben wandert, jedoch bei weitem nicht so deutlich wie bei den großen Blitzgeräten. In Sachen Ausstattung und Blitzleistung zählt der Nissin i40 allerdings fraglos zu den Großen. Klappt man bei kleinen Brennweiten, wie empfohlen, die Weitwinkelstreuscheibe aus, leuchtet der Nissin i40 Motive sehr homogen aus. Der Lichtverlust in den Ecken ist minimal und fällt im praktischen Betrieb nicht auf. Die Blitzfolgezeiten sind so kurz, dass, in stockdunkler Umgebung bei einer Objektentfernung von vier Metern, drei Blitze unmittelbar hintereinander abgegeben werden (Kamera im Sequentiel-Modus). Das ist in der Praxis völlig ausreichend und für ein derart kleines Blitzgerät eine stolze Leistung, zumal die Erholungszeit nur 1,5 Sekunden beträgt, bis wieder eine Dreier-Sequenz möglich ist.

 

 

 

Fazit

Mit dem i40 bietet Nissin ein sehr gut ausgestattetes, leistungsfähiges Blitzgerät mit äußerst kompakten Abmessungen an. Außer dem Masterbetrieb vermisst man beim i40 nichts. Bemerkenswert sind die ausgezeichnete Verarbeitung sowie die einfache, innovative Bedienung. Für alle Besitzer einer kompakten oder auch ausgewachsenen Spiegelreflexkamera, aber vor allem für die einer Systemkamera ist der Nissin i40 ein ganz heißer Tipp.

 

Wie kompakt der Nissin i40 tatsächlich baut, wird im direkten Vergleich zu dem mittelgroßen Metz Mecablitz 52 AF-1 deutlich. Auf einer kompakten Systemkamera macht der Nissin auf jeden Fall eine gute Figur.

Wie kompakt der Nissin i40 tatsächlich baut, wird im direkten Vergleich zu
dem mittelgroßen Metz Mecablitz 52 AF-1
deutlich. Auf einer kompakten Systemkamera
macht der Nissin auf jeden Fall eine gute Figur.

 

 

Pictures_Magazin_10_2014_TitelDieser Praxistest entstammt der Pictures Magazin Ausgabe 10/2014

Hier bestellen oder als ePaper lesen

2017-06-13T13:06:42+00:00 12. Dezember 2014|Categories: News, Praxistests, Zubehör|Tags: , , , , , , |

Ein Kommentar

  1. Rainer 28. Oktober 2016 um 16:53 Uhr- Antworten

    Ich sage immer, ein Auto ist immer nur so gut wie seine Werkstatt!

    Wie sieht das bei einer Reparatur aus, falls der NISSIN Blitz mal repariert werden muss? Wer repariert das chinesische Gerät???

Hinterlassen Sie einen Kommentar