Praxistest: Pentax K-3

Dritte Dimension

Die K-3 ist das aktuelle DSLR-Spitzenmodell von Ricoh/Pentax und stellt den Sprung in eine neue Dimension des Digital-Kamerabaus dar.

Autor: Harald Wittig
Alle Fotos © Harald Wittig

Die digitale Fotowelt ist schnelllebig: Kaum hatten wir die ausgezeichnete Pentax K-5 IIs kennen und lieben gelernt (Erfahrungsbericht in der April- Ausgabe  2013), da präsentiert uns die Ricoh Imaging Co., Ltd – so viel Zeit muss auch mal sein – im Oktober 2013 ein neues Topmodell: Die Pentax K-3. Die Neue unterscheidet sich äußerlich kaum von den bisherigen Top-Modellen K-5 II/K-5 IIs, hat wie die bisherigen Flaggschiffe ebenfalls einen APS-C-Sensor und ein auf härteste Beanspruchung optimiertes, ultrarobustes Gehäuse. Gleichwohl verkörpert die K-3 nicht nur eine sorgfältige Modellpflege des Herstellers, sondern übertrifft die K-5 II in einigen wesentlichen Punkten – dazu gleich mehr. Kommen wir erst zum Anschaffungspreis, der mit rund 1.100 Euro für das Gehäuse allein und im Kit mit den Zoom-Objektiven 18-135mm oder 18- 55mm bei etwa 1.400 beziehungsweise 1.180 Euro überraschend günstig ist. Eine Spiegellose für den gehobenen Anspruch wie beispielsweise die Olympus OM-D E-M1 ist da deutlich teurer. Ricoh – seit der Pentax-Übernahme im Jahre 2011 der Hersteller der Kameras mit dem traditionsreichen Namen – hat sich nicht lumpen lassen und bietet dem K-3-Käufer sehr viel für sein Geld: Da wäre zunächst das hervorragend verarbeitete Gehäuse aus einer stabilen Magnesiumlegierung und einem Edelstahlchassis zu nennen. Mit knapp über 700 Gramm Lebendgewicht liegt es schwer in den Fotografenhänden und vermittelt ein angenehmes Gefühl der Robustheit, das der Pentax-Anhänger seit dem Modell K-10 von 2006 mit jeder anspruchsvollen Pentax- DSLR fast automatisch verbindet. Dank der ausgesprochen ergonomischen Formgebung und der griffigen, hochwertigen Belederung hält sich die K-3 vorzüglich. Insoweit unterscheidet sich die K-3 nicht von den K-5-Modellen. Warum auch? Was sich bestens bewährt hat, darf gerne beibehalten werden. Selbstverständlich ist auch das K-3-Gehäuse gegen Staub und Spritzwasser geschützt, wobei Ricoh die Zahl der Dichtungen von 77 bei der K-5 auf 92 erhöht hat. Damit übersteht die Kamera ausweislich unserer Erfahrungen auch einen heftigen Regenguss und empfiehlt sich besonders für Landschafts-Fotografen, welche die Natur beispielsweise wandernd erkunden. Zumal die K-3 angenehm kompakt und damit Rucksack-kompatibel ist, wenngleich sie die Traglast nicht unerheblich erhöht.

Neuer CMOS-Sensor im APS-C-Format
Die K-3-Kompaktheit resultiert nicht zuletzt aus dem CMOS-Sensor in APS-C-Größe, der mit seiner Größe von 23,5 mm x 15,6 mm deutlich kleiner als sogenannte Vollformatsensoren ist. Der Format-, Crop- oder Verlängerungsfaktor beträgt im Falle der K-3 1,53. Folglich entspricht die Brennweite des Pentax SMC DA 2,8/35mm Macro Limited, mit dem alle Beispiel-Aufnahmen entstanden sind, einer kleinbildäquivalenten Brennweite von rund 54 Millimeter. Wir haben es also mit einem Standard-Objektiv zu tun, das wir allen Fotografen, die sich für die K-3 interessieren, besonders empfehlen: Es handelt sich nämlich um ein exzellent gefertigtes Makroobjektiv, das sich bestens für alle fotografischen Aufnahmen von ganz nah bis weit weg empfiehlt. Es ist noch lichtstark, leicht abgeblendet sehr scharf, weist keine sichtbare Verzeichnung auf und beschwert den Rucksack des Outdoor-Fotografen mit lediglich 214 Gramm. Dass keine Digital-Kamera einen Flaschenboden verdient, wissen alle erfahrenen Lichtbildner. Im Falle der K-3 sind jegliche faulen Kompromisse in Form von billigen Drittanbieter-Super-Zooms tunlichst zu vermeiden, haben doch die Entwickler einen enormen Aufwand für eine bestmögliche Bildqualität getrieben. Der Sensor der K-3 ist eine Sony-Entwicklung. Die AD-Wandler des CMOS-Sensors sind direkt auf dem Chip untergebracht, die effektive Auflösung beträgt 23,35 Megapixel, woraus eine maximale Bildgröße von 6016 x 4000 Pixel resultiert – sicherlich mehr als genug für A2-Drucke oder detailreiche Ausschnittvergrößerungen. Speziell hierfür bedarf es eines guten Objektivs, denn diese hohe nominelle Auflösung lässt sich nur mit einem hoch auflösenden Objektiv genießen und ausschöpfen.

Nikon-F-rocRockin´ Oldtimer: Dank des sehr effektiven Bildstabilisators gelingen aus der Hand noch mit außergewöhnlich langen Verschlusszeiten scharfe Bilder.kt

Rockin´ Oldtimer: Dank des sehr effektiven Bildstabilisators gelingen aus der Hand noch mit außergewöhnlich langen Verschlusszeiten scharfe Bilder.

Um die Auflösung noch zu steigern, haben die Entwickler wie schon beim Modell K-5 IIs auf den auflösungsmindernden Tiefpassfilter verzichtet. War die K-5 IIs noch eine Sonderausführung der K-5 II für die Schärfefanatiker, gibt es die K-3 ausschließlich tiefpassfilterfrei. Damit folgt Ricoh dem allgemeinen Trend bei Systemkameras, besonders hochauflösende Bildwandler zu verbauen. Innovativ und einzigartig ist aber die Art und Weise wie der Hersteller unerwünschten Aliasing-Artefakten wie beispielsweise Moiré-Effekten begegnet: Der in der Kamera integrierte Bildstabilisator – das patentierte S(hake) R(eduction)-System, welches den Sensor bewegt und damit zunächst Verwacklungen in allen drei Achsen und Rotationen bewegt – dient auch der Moiré-Unterdrückung. Wie funktioniert das? Nicht eben einfach, aber erstaunlich effektiv: Ist die zweistufige Funktion im Kamera-Menü aktiviert, bewegt SR den Sensor während der Belichtung, um Aliasing durch eine Bewegungsunschärfe im Subpixelbereich zu unterdrücken. Die Frequenz der Bewegung liegt bei 500 Hertz und bringt die besten Ergebnisse bei Verschlusszeiten bis zu einer 1/1000-Sekunde, unterdrückt Aliasing-Artefakte aber auch noch bis zur schnellsten Verschlusszeit von einer 1/8000-Sekunde. Was sich kompliziert liest und tatsächlich auch ist, stellt das erste Anti-Aliasing-System dar, das aus einer Kombination aus Hardware, sprich Sensor-Bewegungen, und Software besteht und jederzeit zu- oder anschaltbar ist. Dass es dem Fotografen überlassen bleibt, diese außergewöhnliche Funktion zu nutzen, ist sehr zu begrüßen. Tatsächlich bedarf es des Tiefpassfilters weitaus seltener als manche Fotografen immer noch glauben. Schon die Bilder der Pentax K-5 IIs wiesen vergleichsweise wenige Artefakte auf und auch die K-3 gibt sich insoweit – ohne Tiefpassfilter-Simulation wohlgemerkt – keine Blöße. Der K-3-Fotograf kommt also in den meisten Fällen in den Genuss besonders detailreicher Aufnahmen mit feinsten Strukturen, die letztlich nur ein Bildwandler ohne optisches Tiefpassfilter bietet. Wenn es dann aber doch einer Filterung bedarf, ist das Ricoh-System den konventionellen Tiefpassfiltern und den nachträglichen Korrektur-Optionen via Software überlegen, weil deutlich flexibler und stellt unseres Erachtens eine geniale Lösung dar.

Geniales Shake Reduction-System 
Das SR-System der K-3 bietet noch eine weitere, nicht minder innovative Funktion: Auf Wunsch lässt sich der Sensor in 24 Stufen um ±1,5 mm horizontal sowie vertikal bewegen und in acht Stufen um ±1 Grad verkippen. Der Hersteller bezeichnet das als Tilt-Shift-Funktion, womit der Fotograf den Bildausschnitt sinnvollerweise bei Stativaufnahmen feinjustieren kann. Es liegt auf der Hand, dass diese Funktion nur mit Live View sinnvoll nutzbar ist, dann aber richtig Spaß macht. So gelingen perfekt komponierte und perspektivisch korrigierte Bilder, ohne dass es eines nachträglichen Mausanlegens am Rechner bedürfte. Auch Astrofotografen profitieren von der Tilt-Shift-Funktion, denn hierüber realisiert die K-3 die sogenannte Astrotracer-Funktion, welche dazu dient, Sterne bei langen Belichtungszeiten als Punkte und nicht wie sonst als Kreisbögen aufzunehmen.
Dass ein im Kameragehäuse integrierter Bildstabilisator im Allgemeinen sehr vorteilhaft ist, wissen alle Digital-Fotografen: So arbeitet SR mit sämtlichen Pentax-Objektiven effektiv zusammen, was die Pentaxgetreuen, die noch alte Schätze mit K-Bajonett haben, freut. Speziell beim Fotografieren mit längeren Brennweiten ist ein Bildstabilisator Gold wert und erhöht die Ausbeute an scharfen Aufnahmen. Auch für die Objektiv-Konstruktion ist ein solches System günstig: Der Herstellungsaufwand von Objektiven mit eingebautem Bildstabilisator ist vergleichsweise hoch, denn es ist schwierig, solche Objektive zu zentrieren. Unter anderem deswegen sind Spitzen-Objektive oft sehr teuer. Die Pentax-Objektive, auch die besten aus der Limited-Serie, sind vergleichweise günstiger – bei hoher optischer Leistung versteht sich.

Beste Beigaben für beste Bilder
Ein optisches Meisterstück stellt auch der Pentaprismensucher der K-3 dar: Er ist wunderbar klar und auch mit dem lichtschwachen Kit-Zoom hell, sodass auch das manuelle Fokussieren ohne weitere Hilfsmittel gut gelingt. Wer auf Nummer sicher gehen will, kann, beispielsweise im Nah-/Makrobereich oder bei der Produktfotografie, alternativ auch mit Live View unter Zuhilfenahme von „Focus Peaking“ arbeiten. Wer mit seiner K-3 Hochgebirgszüge durchwandert, wird aber meistens aus der Hand fotografieren und dabei auf die Anzeige des optischen Suchers vertrauen. Selbstverständlich findet der Fotograf kompetente Unterstützung durch das für die K-3 neu entwickelte und gegenüber der K-5 II nochmals verbesserte Autofokus-System: Im Sucher signalisiert ein grünes Vieleck die punktgenau gesetzte Schärfe. Wie es sich gehört, lässt sich das Fokusmessfeld mit der Kamera am Auge verschieben. Zur Auswahl stehen zwar nur 27 Messpunkte, wovon allerdings 25 Kreuzsensoren sind, dennoch lassen sich damit fast alle Motive erfassen. In der Praxis steht das Autofokussystem der K-3, das zudem auch bei sehr wenig Licht zuverlässig und geschwind fokussiert, den sehr aufwändigen Systemen der Mitbewerber, beispielsweise Nikon D800 oder D4, nur in puncto Geschwindigkeit etwas nach. Außerdem ist Safox XI, wie der Hersteller das System getauft hat, dank des lichtstarken Flux-Sensors besonders zuverlässig beim Fotografieren mit Blendenöffnungen gleich oder größer 1:2,8. Wer gerne aus bildgestalterischen Gründen oder weil es die Lichtverhältnisse verlangen mit lichtstarken Objektiven bei Offenblende arbeit, wird erfreut sein, wie präzise die K-3 fokussiert. Da die drei auf die Lichtempfindlichkeit eines f/2.8-Objektivs angepassten Sensoren zentral angeordnet sind, muss sich das Objekt allerdings in der Bildmitte befinden – was höchstwahrscheinlich genau der fotografischen Praxis entspricht.

Die K-3 ist insgesamt eine schnelle Kamera, was zunächst das Verdienst des neuen Bildprozessors Prime III ist: Der verarbeitet die Dateien fluchs und mitverantwortet damit die hohe Serienbildrate von etwas mehr als 8 Bildern pro Sekunde. Einen nicht zu unterschätzenden Anteil an der Schnelligkeit der Kamera hat das sogenannte 3-Motoren-Konzept. In der K-3 werkeln drei Motoren, die Spiegel, Verschluss und Blende voreinander unabhängig steuern. Um Erschütterungen und damit Unschärfen im Normal- und im Serienbildbetrieb zu minimieren, verfügt die K-3 über einen speziellen Spiegeldämpfer. Dieser fängt die Bewegung des Schwingspiegels in beiden Spiegelpositionen, also oben und unten ab, was die Anzahl scharfer Aufnahmen auch mit längeren Verschlusszeiten zusätzlich erhöht. Somit gründen sich unscharfe Bilder unterm Strich eher auf fotografisches Versagen, als dass die Kamera dafür verantwortlich wäre.

Die K-3 bietet, insoweit auch auf der Höhe der Zeit, gegenüber der K-5 II verbesserte Video-Funktionen auf gehobenem Mittelklasse-Niveau. Sehr gut ist das Vorhandensein eines Kopfhörerausgangs zum Monitoring des Tones während der Aufnahme. Dass der Pegel manuell anpassbar ist, versteht sich von selbst. Ein externes Mikrofon ist ebenfalls anschließbar, was der Klangqualität sehr zugute kommt. Der Autofokus ist nicht in der Lage, dem Motiv automatisch zu folgen, was uns dank der fast umfassenden manuellen Kontroll- und Eingriffsmöglichkeiten nicht stört. Lieber üben und manuell arbeiten als sich von der Automatik bevormunden zu lassen – letztlich sind die Ergebnisse ohnehin besser. Dass die K-3 Videos in Full HD bei maximal 60 Bildern pro Sekunde aufzeichnet, ist zeitgemäß und passt zum professionellen Anspruch.

Delikater Detailreichtum
Das gilt nicht unbedingt für die zahlreichen Kreativprogramme, die eher zur Ausstattung einer Einsteigerkamera passen. Diese stehen nur im JPEG-Format zu Verfügung, das qualitätsbewusste K-3-Fotografen ohnehin nicht nutzen sollten. Im Rohdatenformat– zur Auswahl steht das proprietäre PEF- oder Adobes DNG-Format – lässt sich erst das Optimum an Bildqualität herausholen. Im Vergleich zur K-5 IIs belichtet die K-3 weniger knapp und damit meistenfalls sehr viel exakter. Ricoh hat außerdem bei der Neuen auch an der Empfindlichkeitsschraube gedreht: Die K-3 bietet eine Maximal-Empfindlichkeit von ISO 51.200. Dass bei diesem ISO-Wert keine ansehnlichen Bilder für die 100%-Darstellung gelingen, ist klar. Hierfür liegt die Obergrenze bei sehr guten ISO 6.400, praktisch störungsfreie Fotos sind bis ISO 1.600 möglich. Jedenfalls vor den direkten Mitbewerberinnen mit APS-C-Sensor muss sich die K-3 in keiner Weise verstecken. Allenfalls die Profis mit Vollformat, beispielsweise eine Nikon Df, sind in puncto Rauschverhalten der K-3 überlegen. Die K-3-Bilder sind insgesamt sehr detailreich, dabei aber sehr natürlich. Andere Kameras liefern sicherlich beeindruckendere, weil die Bilder besonders brillant erscheinen. Bei der 100%-Darstellung offenbaren sich dann aber sehr schnell Artefakte aufgrund starker Kontrastanhebung in Form unregelmäßiger Linien. Dieses Phänomen tritt auch bei der Rohdaten-Entwicklung auf. Es lohnt sich mitunter, beispielsweise bei der RAW-Entwicklung in Lightroom, die Standardeinstellungen auf das jeweilige System anzupassen. Siehe da: Die spektakuläre Schärfe, welche die Bilder aus sehr teuren Sucher-Kameras auszeichnet, nimmt ab und die Fotos aus einer Pentax K-3 können sich daneben allemal sehen lassen. Aber nie vergessen: Wer die enorme Bildqualität dieser professionell auf- und eingestellten Kamera voll ausschöpfen möchte, muss in gute Objektive investieren. Also statt Kit-Zoom besser eine überdurchschnittliche Festbrennweite, am besten aus der Pentax Limiting-Serie anschaffen und fotografieren – entweder draußen bei praktisch jeder Wetterlage oder drinnen im Studio.

 

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Dieser Praxistest entstammt der Pictures Magazin Ausgabe 06/2014

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2017-06-13T13:06:06+00:00 15. Dezember 2014|Categories: Kameras, News, Praxistests|Tags: , , , , , , |

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