Praxistest: Sony Cyber-shot DSC-RX100 III

Profi im Kompaktgehäuse

Mit der Cyber-shot DSC-RX100 III hat Sony eine edle Kompaktkamera auf den Markt gebracht, die professionelle Ansprüche an Bildqualität und Funktionalität erfüllt.

Autor: Hans-Günther Beer
Alle Fotos © Hans-Günther Beer

Auch bei der dritten Generation der RX 100-Reihe übernahm Sony bewährtes aus der Ur-RX100, fügte aber neue interessante Features und Funktionen hinzu und schuf so eine außerordentlich leistungsfähige Kompaktkamera für anspruchsvolle und ambitionierte Fotografen. Identisch mit der RX100 sind vor allem das solide, hochwertige Aluminiumgehäuse und der für eine Kompaktkamera erstaunlich große 1-Zoll Exmor R CMOS-S Sensor mit einer Auflösung von 20 Megapixeln. Dieser Sensor besitzt dank der Tatsache, dass er von hinten statt vorne belichtet wird (BSI-Technik), eine deutliche größere, lichtempfindliche Fläche als vergleichbare Sensoren und hat dadurch unter anderem Vorteile bei der Rauscharmut. Verantwortlich für die interne Bildbearbeitung in der RX100 III ist der aus der Sony α7 übernommene Bionz-XProzessor, der gegenüber dem Prozessor in den älteren Schwestermodellen der RX100 III eine deutlich höhere Rechenleistung besitzt. Dies macht sich, wie wir sehen werden, an allen Ecken und Enden bemerkbar, unter anderem bei den Videoleistungen des Neulings.

Das Zeiss Vario-Sonnar-Zoom ist ein Sahneteilchen
Neben Sensor und Prozessor ist natürlich das Objektiv jeder Kamera entscheidend für die Bildqualität. Hier erwiesen sich die Entwickler als besonders spendabel und bauten ein aufwändig konstruiertes Zeiss Vario-Sonnar-Zoom mit einem Brennweitenbereich von 24 bis 70 mm (Kleinbildäquivalent) und einer Lichtstärke von 1.8 bis 2.8 inklusive optischem 5-Achsen-Bildstabilisator ein. Das Objektiv verfügt über neun asphärische Linsen. Ein besonderes Kunststück gelang den Ingenieuren, als sie in das zierliche Kameragehäuse nicht nur den obligatorischen aufklappbaren Blitz, sondern auch noch einen hochwertigen elektronischen Sucher unterbrachten. Dafür fiel allerdings der Multifunktions-Sucherschuh, den die RX100 II noch besaß, weg, sodass sich keine externen Blitzgeräte oder Mikrofone auf die Kamera montieren lassen – sehr zum Leidwesen der Videofraktion. Dafür macht der aufgeklappte Blitz allerdings einen mehr als ordentlichen Job, seine Reichweite beträgt schon bei ISO 200 gute fünf Meter. Der elektronische Sucher fährt nach dem Herunterdrücken des etwas fummelig kleinen Schiebeschalters auf der linken Gehäuseseite nach oben heraus und schaltet gleichzeitig die Kamera ein. Drückt man den Sucher wieder ins Gehäuse zurück, schaltet sich die Kamera allerdings auch wieder aus, was im Praxistest mehr als einmal genervt hat. Aber vielleicht schafft ein Firmware-Update in naher Zukunft Abhilfe, denn die Kamera hätte dies, gerade weil sie so gut wie keine weiteren Mankos hat, redlich verdient. Doch zurück zum Sucher: Einsatzbereit ist er nach dem Ausfahren, nachdem man mit Daumen und Zeigefinger den Rahmen der Einblicklinse gegriffen und ein paar Millimeter bis zum Einrasten nach hinten gezogen hat – klingt kompliziert, ist es aber nicht. Ein Blick durch diese Linse, eine Dioptrien-Korrektur ist natürlich auch vorgesehen, offenbart ein helles, hochauflösendes (1,44 Mio Bildpunkte), ohne störendes Raster sehr homogen und scharf wirkendes OLED-Display, mit dem sich hervorragend arbeiten lässt. Das gilt auch für das rückwärtige 3 Zoll-Klappdisplay, das eine Auflösung von 1,228 Millionen Bildpunkten besitzt und sich auch bei hellem Umgebungslicht prima nutzen lässt. Die Beurteilung der Motivschärfe ist dank der hohen Qualität dieses Displays ohne Anstrengung möglich. Es lässt sich auch um 180 Grad nach oben klappen, Selfi-Fans werden es begrüßen. Eine Touch- Funktion besitzt das Display allerdings nicht und wir haben dies im Test auch nicht vermisst. Trotz der zierlichen Gehäusegröße und des glatten, nicht belederten Metallgehäuses lässt sich die RX100 III erstaunlich gut halten. Wer hier dennoch Probleme haben sollte, schafft sich am besten die schicke Ledertasche LCJ-RXF für 85 € an. Diese schützt die Kamera, erhöht die Griffigkeit und das Oberteil lässt sich auch noch abnehmen. Die Ausstattung der RX100 III steht der einer gestandenen Profikamera ansonsten in nichts nach, sondern übertrifft sie sogar teilweise. Zwar gerieten die Bedienungselemente besonders auf der Rückseite schon sehr zierlich, was aber angesichts der Gehäusegröße nicht verwundern darf.

 

Die Bedienelemente auf der Oberseite sind ergonomisch sinnvoll angeordnet. Die haptische Qualität ist hervorragend.

Die Bedienelemente auf der Oberseite sind ergonomisch sinnvoll angeordnet. Die haptische Qualität ist hervorragend.

ist der ausfahrbare elektronische Sucher. Das ausklappbare Blitzgerät nimmt den Platz des Sucherschuhs ein.

Ein Highlight der RX100 III ist der ausfahrbare elektronische Sucher. Das
ausklappbare Blitzgerät nimmt den Platz des
Sucherschuhs ein.

 

Die Ausstattung ist außerordentlich reichhaltig
Dennoch lassen sich alle Knöpfe erfreulich gut bedienen, auch wenn es etwas Training notwendig macht, sie auch blind zu treffen. Aufpassen muss man etwas bei dem hinteren Einstellring, der sich sehr gerne bei leichter Berührung von selbst verstellt. Ein intensives Studium der umfangreichen Bedienungsanleitung ist Grundvoraussetzung dafür, das Potential dieser Kamera auch wirklich auszunutzen, denn die Vielzahl der Features erschlägt einen fast. Neben den heute unabdingbaren Motivprogrammen, 14 an der Zahl und gut gemacht, und der Möglichkeit, die Kamera eigentlich alles selbst entscheiden zu lassen, besitzt die RX100 III, ihrem Anspruch gerecht werdend, auch die Belichtungsmodi, Programm-, Blenden-, Zeitautomatik und manueller Modus. Vieles lässt sich darüber hinaus individuell konfigurieren, wobei das gut strukturierte Menü sehr hilfreich ist. Gut gemacht ist beispielsweise auch die Panoramafunktion. Funktion wählen, Auslöser drücken, Kamera langsam und mit Bedacht schwenken, fertig. Den Rest macht der Bildprozessor und liefert erstaunlich gute Panoramabilder. Mit vier Funktionstasten lässt sich die RX100 III den persönlichen Bedürfnissen individuell anpassen, allein die benutzerdefinierte Taste „C“ lässt sich mit einer von 42 möglichen Funktionen belegen. Eine weitere Besonderheit der Sony RX100 III ist die Möglichkeit, sogenannte PlayMemories Kamera-Apps in die Kamera zu laden. Diese Apps sind entweder gratis oder kosten zwischen fünf und zehn Euro und erweitern das eh schon umfangreiche Angebot an Features, beispielsweise um „Lichterspuren“, „Stop Motion“ oder „Zeitraffer“, um nur einige zunennen. Die Bedienung wird in der Praxis durch das sogenannte Schnellmenü deutlich erleichtert. Dieses lässt sich wieder individuell konfigurieren und bietet sechs frei belegbare Kacheln für den schnellen Zugriff auf die Funktionen an, die einem persönlich am wichtigsten sind. Zugebenermaßen haben wir es im gesamten Zeitraum nicht geschafft, alle Funktionen und Features der RX100 III bis ins letzte Detail auszuprobieren, sondern haben vor allem sehr intensiv fotografiert – und das hat richtig Spaß gemacht. Als sehr praktisch hat sich im Test der griffige Stellring am hinteren Ende des Objektivs erwiesen. Dort lässt sich normalerweise die Objektivbrennweite wählen, auf Wunsch allerdings auch die Belichtungskorrektur beziehungsweise Verschlusszeit (Blendenautomatik) oder Blende (Zeitautomatik) manuell einstellen, wobei der Ring erwartungsgemäß indirekt wirkt, also keine mechanische Rückmeldung besitzt. Das störte aber in  der Praxis kaum. Der Verschluss reicht zwar „nur“ bis zu einer 1/2000 Sekunde, was aber wegen der hohen Lichtstärke des Objektivs selten ein Problem war. War es dennoch zu hell, haben wir das eingebaute ND-Filter zugeschaltet. Am langen Ende bietet die RX100 III im manuellen Modus und bei Blendenautomatik (S-Modus) Belichtungszeiten bis zu 30 Sekunden an, bei Zeitautomatik (A-Modus) sind es maximal acht Sekunden. Das ist praxisgerecht und geht voll in Ordnung. Der Kontrast-Autofokus arbeitet treffsicher und schnell und kam selbst bei hoher Bildfrequenz (maximal fünf Bilder pro Sekunde) noch gut mit. Der Bionz X-Prozessor ermöglichte auch bei der Verfolgung schneller Motive, beispielsweise beim Verfolgen rennender Hunde, eine Ausschussquote von unter 20 Prozent – eine stolze Leistung. Auch die in der Werbung deutlich heraus gehobene Augenerkennung funktioniert im praktischen Test tadellos und sorgte für scharfe Porträts. Diese Funktion lässt sich sogar mit einer Lächeln-Erkennung versehen, bei Selbstporträts möglicherweise hilfreich. Die ließen sich dank der großen Blendenöffnung von 1.8 trotz des kleinen Sensors sehr schön freistellen. Dabei wusste das Bokeh dank seiner Weichheit und der schönen Unschärfeübergänge zu gefallen, die Objektiventwickler haben auch hier ganze Arbeit geleistet. Fürs manuelle Fokussieren beim entschleunigten Fotografieren stehen Focus-Peaking und automatische Vergrößerung des Bildes zur Verfügung und verhelfen zu knackscharfen Aufnahmen, woran auch der gut funktionierende Bildstabilisator seinen Teil beiträgt. Hilfreich bei der Bildkomposition ist der sowohl im Sucher als auch im rückseitigen Display einblendbare künstliche Horizont, der in drei statt wie sonst oft üblich zwei Ebenen arbeitet und so für „gerade“ Kanten sorgt. Selbstverständlich verfügt die neue Kompaktkamera auch über WiFi und NFC (Near Field Connection). Entsprechende Smartphone-Apps erweitern das Einsatzspektrum der RX100 III nochmals deutlich. Als Schnittstellen besitzt die Kamera einen USB- und HDMI-Ausgang, der den besonderen Videoeigenschaften der RX100 III Rechnung trägt. Dort lassen sich nämlich unkomprimierte RAW-Daten des Videosignals abgreifen.

Bei der Bildqualität kann die RX100 III punkten
Das ist besonders interessant, da die RX100 III wahlweise im XAVCS- Format mit 50 Mbit/s aufzeichnet und das mit einer Bildrate bis zu 60 fps. Bei reduzierter HD-Auflösung von 1.200 x 720 Pixeln sind es sogar 100 fps, das ermöglicht sehr schöne Zeitlupenaufnahmen. Eine solche Ausstattung war vor wenigen Jahren allenfalls in hochprofessionellen und spezialisierten Videocamcordern zu finden und jetzt bietet dies eine nur 870 Euro kostende Kompaktkamera. Eindrucksvoller lässt sich die rasante Entwicklung in der Kameratechnik kaum darstellen. Auf jeden Fall lassen sich mit der RX100 III sehr hochwertige, teilweise sogar professionelle Videoaufnahmen anfertigen. Umso mehr schmerzt natürlich, wie schon erwähnt, der Wegfall des Zubehörschuhs. Für die meisten Eigner einer RX100 III dürfte, natürlich die fotografischen Qualitäten, sprich die Bildqualität entscheidend sein. Und auch hier überzeugt der Neuling auf der ganzen Linie und macht vergessen, dass er zur Gattung der Kompaktkameras gehört. Sensor, Prozessor und Objektiv sind so gut aufeinander abgestimmt, dass in der Bildmitte durchweg knackscharfe, sehr gut aufgelöste Fotos gelingen, die selbst bei Empfindlichkeitswerten von 1600 erstaunlich rauscharm sind. Bei ISO-Werten bis 800 sind selbst Ausdrucke bis DIN A3+ oder mit dem richtigen RAW-Konverter auch bis DIN A2 in beachtlicher Qualität möglich. Bei ISO-Werten bis zu 400 ist auch die Dynamik überraschend hoch und lässt nicht auf eine Kompaktkamera mit einem 1-Zoll-Sensor schließen. Hier zeigte die neue 8er-Version des RAW-Konverters Capture One von Phase One einmal mehr seine außerordentlichen Qualitäten, die sich insbesondere bei Mikrostrukturen bemerkbar machen, selbst wenn die Programmierer bei Bedienung und Funktionalität den einen oder anderen kapitalen Bock geschossen haben. Aber das ist eine andere Geschichte und Software-Updates sind ja angekündigt. Bei Weitwinkelaufnahmen sind in den Bildecken ganz leichte Einbußen in Sachen Schärfe zu erkennen, die allerdings bei mittlerer und großer Brennweite deutlich geringer ausfallen und bei leichtem Abblenden komplett verschwinden. Alles in allem liefert die RX100 III eine erstaunlich gute Bildqualität, die selbst Profis überzeugen dürfte.

Der Klappmechanismus für das Display der RX100 III ist sehr solide gebaut und erlaubt sogar das Hochklappen um 180 Grad.

Der Klappmechanismus für das Display der RX100 III ist sehr solide gebaut und erlaubt sogar das Hochklappen um 180 Grad.

 

Fazit
Mit der Cyber-shot DSC-RX100 III ist den Entwicklern bei Sony eine außerordentlich gute Kompaktkamera gelungen, bei der es viel zu loben und nur ganz wenig zu kritisieren gibt. Sie erfüllt selbst ausgefallene Wünsche an die Ausstattung und lässt sich trotz ihrer kompakten Abmessungen leicht bedienen. Die RX100 III wirkt darüber hinaus sehr edel und liefert sehr gute Bildergebnisse. Dafür gibt es als Gesamtnote ein klares „Sehr gut“.

2017-06-13T13:04:19+00:00 19. Dezember 2014|Categories: Kameras, News, Praxistests|Tags: , , , , |

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