von Benjamin Lemm
© Fotos von Rafaela Berger

Die Zugchefin Rafaela Berger inszeniert ihre Heimatstadt München auf majestätische Art und Weise. Dabei hilft ihr unter anderem die Wahl eines besonderen Blickwinkels.

Wenn Ihnen das Gesicht von Rafaela Berger vage bekannt vorkommt, dann vielleicht, weil Sie sie schon mal im Zug gesehen haben. Rafaela ist Zugchefin bei der Deutschen Bahn; täglich reist sie Hunderte von Kilometern und kommt so ganz schön rum. Das sei schon als Kind ihr Traum gewesen, erklärt sie. Sie macht die Ansagen im Zug, leitet das Personal und die Fahrt. Ihrem Hobby Fotografie kann sie dabei allerdings nur selten frönen: Meist ist einfach keine Zeit, um an den Stationen oder beim Zugwechsel ein paar Bilder von der jeweiligen Stadt zu machen. Also geht sie mit ihrer Kamera vornehmlich in ihrer Freizeit raus, erkundet ihre Heimatstadt München und sucht nach neuen, interessanten Motiven und Blickwinkeln. Ihre Bilder wirken dabei wie eine Liebeserklärung an die Stadt. Majestätisch setzt sie bekannte Orte wie den Marienplatz, Schloss Nymphenburg oder den Olympiaturm in Szene. „München gibt natürlich ein dankbares Fotomotiv ab. Die Stadt ist wunderschön und vielseitig und hat auch abseits der bekannten Orte einiges zu bieten“, beschreibt sie ihre Streifzüge durch die bayerische Landeshauptstadt.

Die Lust am Bild

Früher hat Rafaela hauptsächlich Selfies gepostet. Doch mit der Coronakrise begann sie, sich vermehrt für Fotografie zu interessieren, kaufte sich eine neue Kamera und zog los, um die Stadt fotografisch zu erkunden. Schon als Kind habe sie gerne mit der Kamera hantiert und regelmäßig Mamas Filmrollen gefüllt. „Ich habe Spaß daran, meine Sicht auf die Welt festzuhalten“, beschreibt Rafaela ihre Leidenschaft. Ein weiterer Auslöser ihrer fotografischen Begeisterung war ein Islandbesuch: Landschaft und Natur fesselten Rafaela so sehr, dass sie die vielen schönen Orte und Momente festhalten wollte. In diesem Sommer kehrt sie dorthin zurück, um mit ihrer neu gewonnenen Erfahrung noch bessere Bilder zu kreieren.

Rasante Entwicklung

Wenn man in ihrem Instagram-Account zurückscrollt, ist die Entwicklung, die sie im letzten Jahr als Fotografin durchgemacht hat, besonders auffällig. „Ich habe irgendwann angefangen, mich vermehrt mit der Bildbearbeitung zu befassen, um einen einheitlicheren Look in meine Bilder zu bekommen. Das kam dann auch ganz gut an“, erinnert sich die 27-Jährige. Viele ihrer Stadtfotos leben von orange-goldenen Farben, die im Kontrast zu Blautönen stehen und sind oft von unten, aus der Froschperspektive aufgenommen. Dieser Blick von unten vermittelt ein ganz besonderes Gefühl: Die ohnehin schon beeindruckende Szenerie wirkt umso pompöser. Man möchte sich fast verneigen vor der Schönheit der Stadt, so wie sie Rafaela in Szene setzt. „Das ist eine Perspektive, die ich total spannend finde. Da sieht man ganz andere Dinge“, erklärt sie ihr Faible für den Blick nach oben.

Den Blick schweifen lassen

Am Anfang hat sich Rafaela auf eine 55 mm Festbrennweite festgelegt, die sie an ihrer Sony A 7 anbringt. „Mit diesem Objektiv muss ich mich mehr bewegen. Viele sagen ja, dass das zum Fotografieren-Lernen besser ist. Inzwischen habe ich mir zusätzlich ein Weitwinkelobjektiv angeschafft.“ Dieses hilft ihr auch bei der Erkundung weiterer fotografischer Disziplinen. Denn in jüngster Zeit hat Rafaela die Landschaftsfotografie für sich entdeckt, auch weil sie und ihr Freund die Umgebung rund um München wieder mehr erkunden wollen. Für diese Aufnahmen wählt sie ein eher kaltes Farbbild, das sich von der Optik ihrer Stadtfotos abhebt. Das Ergebnis ist ähnlich beeindruckend. Sie experimentiere gerne und lerne vor allem durch praktische Erfahrung. „Einfach Probieren. Nicht lange in der Theorie verlieren, sondern praktische Erfahrung machen, die Kamera kennenlernen und rausgehen“, erklärt sie ihren Entwicklungsprozess. Ähnlich intuitiv gehe sie auch an ihre Bildbearbeitung heran. Zwar habe sie sich das ein oder andere Tutorial angeschaut, doch das gestalterische Ergebnis bestimmt letztendlich ihr Bauchgefühl.

Weiterfahren

Neben ihrem Instagram-Account kommen die Fotos vor allem im privaten Bereich zum Einsatz und verschönern – eingelassen in Acrylglas – ihre Wohnung. Eine nebenerwerbliche Tätigkeit als Fotografin kann sich Rafaela allerdings auch gut vorstellen – immerhin fragen immer mehr Freunde und Kollegen seit einiger Zeit nach ihren Bildern oder gar einem Shooting. Ihren Beruf bei der Deutschen Bahn würde sie dafür allerdings nie aufgeben – dafür fährt sie einfach zu gerne Zug. Und immerhin: Manchmal klappt es dann doch mit einem kleinen Fotoshooting zwischendurch, wie zuletzt in Köln, wo Rafaela bei einem zweistündigen Aufenthalt endlich mal Zeit hatte, ein paar fotografische Eindrücke der Stadt einzufangen. In Zukunft möchte sie sich weiter ausprobieren, ihre Fähigkeiten im Bereich Porträtfotografie ausbauen und sich vor allem den Spaß an der Fotografie erhalten.