Der Edelmann

Die Fujifilm X-T10 ist eine bestens ausgestattete Systemkamera im klassisch-edlen Design der X-T-Serie mit einem sehr leistungsfähigen Autofokus, einem extrem schnellen Verschluss und sehr guter Bildqualität.

Von Hans-Günther Beer © Fotos Hans-Günther Beer

DIE FUJIFILM X-T10 lässt sich dank der vielen Bedienelemente wie eine herkömmliche Analogkamera bedienen. Stichwort: direct access.

Als Fujifilm vor zwei Jahren die X-T1 vorstellte, schuf das japanische Traditionsunternehmen eine bemerkenswerte Systemkamera mit einem sehr eigenständigen Konzept: Eine manuell orientierte Bedienung mit griffigen Drehschaltern und Tasten, stark angelehnt an das einer klassischen analogen Spiegelreflex. Ein hochauflösender OLEDSucher, der seinerzeit den Maßstab für elektronische Sucher definierte und heute immer noch zu den besten auf dem Markt gehört, ein hochwertig verarbeitetes, gegen Staub und Spritzwasser gedichtetes Gehäuse sowie die sehr gute Bildqualität machten die X-T1 zu einem begehrenswerten und erfolgreichen Kameramodell. Hinzu kommt, dass Fujifilm ein inzwischen sehr umfangreiches Angebot exzellenter Objektive auf den Markt brachte, erwähnt seien beispielsweise das famose Telezoom Fujinon 50-140mm 2.8 oder das außergewöhnliche Porträtobjektiv Fujinon 56mm 1.2 APD (Test Ausgabe 5/2015). Das steigerte die Attraktivität der Fujifilm-Systemkameras deutlich.

Nun pflegen viele Kamerahersteller die Tradition, einem teureren Spitzenmodell einen günstigeren Abkömmling folgen zu lassen, der alle wesentlichen Eigenschaften des Topmodells erbt. Das ist Fujifilm mit der jüngst vorgestellten X-T10 hervorragend gelungen. Der Preis für das kompakte, sehr edel und vornehm wirkenden Gehäuse beträgt knapp 800 Euro, das Set mit dem Kitobjektiv Fujinon XF 18-55mm 1:2.8-4 RR LM OIS kostet 1.099 Euro (unverbindlicher Richtpreis). Und tatsächlich hat die neue X-T10 sehr viel mit dem großen Bruder gemeinsam. Da ist zum einen der 16MP X-Trans CMOS II APS-C Sensor mit EXR II Prozessor. Übernommen wurde auch der exzellente OLED-Sucher mit seiner Auflösung von 2.360.000 Bildpunkten. Der zeichnet sich nicht nur durch seine strahlende Helligkeit aus, sondern zeigt keinerlei Wischeffekte beim Mitziehen, das Bild bleibt dabei vielmehr ebenso stabil wie das eines optischen Suchers. Außerdem erkennt man keinerlei Pixelstruktur, das Sucherbild ist homogen und äußerst klar. Lediglich die Suchervergrößerung beträgt bei der X-T10 nur 0,62 statt 0,77 wie bei der X-T1, wirkt also nicht ganz so überwältigend groß. Die Auflösung des rückwärtigen, nach unten um 45 Grad und nach oben um 90 Grad klappbaren Displays ist mit 920.000 statt 1.040.000 Bildpunkten etwas geringer, aber dennoch ist es sehr scharf und auch bei hellem Umgebungslicht sehr gut ablesbar. Verzichten muss die gegenüber der X-T1 deutlich kompaktere X-T10 auf die aufwändige Dichtung des Magnesiumgehäuses gegen Spritzwasser und Staub. Dafür schafften die Entwickler das Kunststück, in das zierliche „Suchergehäuse“ einen sehr weit nach oben aufklappbaren Blitz unterzubringen. Das Aufklappen erfolgt mittels eines kleinen Hebels neben dem Drehrad für die Bildfolge- Betriebsarten links oben auf dem Kameragehäuse. Mit diesem griffigen Knopf wählt man, entsprechend der Fujifilm eigenen Bedienphilosophie, die satt einrastenden Einstellungen für Einzelauslösungen, Serienbilder (schnell, langsam), diverse Bracketing-Funktionen, über das Kameramenü individuell programmierbar, zwei verschiedene Aufnahmefilter oder die einfach und gut funktionierende Panoramafunktion.

Über die beiden weiteren Einstellräder werden die mechanischen Verschlusszeiten bis zu 1/4000 Sekunde und die Belichtungskorrektur (+- 3 EV) eingestellt, also so wie bei der X-T1. Der gegenüber besitzt die X-T10 nunmehr sieben statt sechs programmierbare Funktionstasten, die allesamt so geschickt am Gehäuse untergebracht worden sind, dass sie auch für größere Hände gut erreich- und bedienbar sind. Ganz subjektiv lässt sich die X-T10 sogar besser bedienen als die X-T1. Das liegt vor allem daran, dass beispielsweise die (programmierbaren) Bedientasten des Bedienkreuzes auf der Rückseite erhabener aus dem Gehäuse herausragen und damit treffsicherer erreichbar sind. Das gilt auch für die beiden Einstellräder an der Gehäuse-Vorder- und -Rückseite. Wohlgemerkt, ist das eine sehr subjektive Einschätzung. Quer- oder Neueinsteiger zur Fujifilm X-T10 müssen die Bedienbesonderheiten der Kamera auf jeden Fall erst einmal durchschauen und verinnerlichen, aber das ist bei fast jedem Kamerasystem so. Allerdings hilft hier die Bedienungsanleitung nur bedingt. Im Falle der X-T10 entdeckt man dabei aber einige sehr clevere Lösungen. Beispielsweise lässt sich mit dem Hebel neben dem Zeitenwahldrehknopf die Kamera direkt auf den Vollautomatik- Modus schalten, man umgeht dabei alle anderen Einstellungen. In Autostellung speichert die Kamera die Bilddaten ausschließlich im JPEG-Format ab, auch wenn man ansonsten RAW gewählt hat. Mit dem hinteren Drehrad hat man nun direkt Zugriff auf die Motivwahl wie beispielsweise Porträt, Landschaft, Strand, Feuerwerk, Sonnenuntergang etc. Schaltet man diese Vollautomatik komplett ab, ist man wieder bei den ursprünglichen Einstellungen. Steht der Belichtungszeiten- Drehwähler auf A wie Automatik, arbeitet die X-T10 in Zeitautomatik mit Blendenvorwahl. Die stellt man bei den Fujinon-Objektiven am hintersten Drehring ein, vorausgesetzt der entsprechende Schalter am Objektiv steht auf dem Blendensymbol. Steht er ebenfalls auf A wie Automatik arbeitet die Kamera im Modus Programmautomatik. Dabei wählt sie Blende und Zeit selbstständig auf Basis intern gespeicherter Algorithmen und der gewählten Empfindlichkeit (200 bis 6.400 ISO). Besonderheit bei der Zeitautomatik: Bei sehr hellem Umgebungslicht, offener Blende und womöglich hoher ISO-Zahl reichen die 1/4000 Sekunde als kürzeste Verschlusszeit für eine korrekte Belichtung nicht mehr aus. Dann schaltet die X-T10 auf den elektronischen Verschluss um, der bis zu einer 1/32.000 Sekunde reicht. Diese Möglichkeit bietet die X-T1 nicht. Dort hat Fujifilm aber intensive Modellpflege betrieben und in den letzten Monaten einige Firmwareupdates veröffentlicht, die der X-T1 zum Teil völlig neue Features spendiert haben. Spektakulär war das Update 4.0, mit dem die X-T1 eigentlich ein komplett neues Autofokus- System erhielt.

Die wichtigsten Verbesserungen betreffen dabei die Genauigkeit des Einzelfeld-Autofokus und vor allem das Autofokus-Tracking. Die X-T10 besitzt nun genau diesen verbesserten Autofokus des größeren Modells. Der Hybrid-Autofokus (Kombination aus Kontrast- und Phasen-Autofokus) soll nun insbesondere beim Fokus-Tracking, bei dem der Autofokus ja selbsttätig bewegende Motivdetails verfolgt und scharf stellt, für höhere Genauigkeit sorgen. Für den Einzelautofokus stehen insgesamt 49 Messfelder in einer quadratischen 7 x 7 Anordnung zur Verfügung. Wählt man Zonen-AF stehen 3 x 3, 5 x 3 oder 5 x 5 Messfelder von insgesamt 77 Feldern zur Verfügung. Im C-AF-Modus (kontinuierlicher Autofokus) wählt die Kamera abhängig vom Motiv die Felder selbsttätig. Hat man gelernt, mit diesen Funktionen virtuos umzugehen und hat auch verinnerlicht, mithilfe des Bedienkreuzes die Fokusfelder manuell zu verschieben, kann man der X-T10 eine außergewöhnlich gute Autofokus-Leistung entlocken.

Der Autofokus in der Praxis

Dies gelang im Test nach einiger Übung ohne Probleme. Die X-T10 krallt sich im Focus-Tracking-Modus an sich bewegende Motivdetails regelrecht fest und liefert nur sehr selten eine sehr geringe Ausschussquote unscharfer Fotos. Probleme treten vor allem dann auf, wenn plötzlich unerwünschte Elemente wie Bäume, Maste oder dergleichen ins Bild kommen. Dann ist der Autofokus irritiert und stellt womöglich auf ein näher liegendes Element scharf. Mit solchen Situationen haben allerdings alle uns bekannten Systemkameras hin und wieder Probleme. Spiegelreflex-Kameras mit hochgezüchteten und ausgereiften Phasen- Autofokus-Systemen tun sich hier leichter. Allerdings nur dann, wenn in den entsprechenden, extrem umfangreichen Menüs á la Canon EOS 5D Mk III die richtige Einstellung gefunden ist. Alles in allem macht die Fujifilm X-T10 beim automatischen Fokussieren auch bei der maximalen Serienbildgeschwindigkeit von 8 B/s einen sehr guten Job.

Die Bildqualität

Den macht sie auch in Sachen Bildqualität. Schon die X-T1 überzeugte mit sehr scharfen und hochaufgelösten, deren Farbwiedergabe eine ganz besondere Reinheit und Intensität besitzen. Fujifilm führt dies unter anderem auf das besondere Pixel-Layout des X-Trans CMOS II Sensors zurück. Bei diesem nur von Fujifilm verwendeten Sensor sind die rot-, blau- und grün-empfindlichen Bildpunkte unregelmäßig angeordnet, ein Tiefpassfilter kann entfallen. Auch die X-T10 besitzt diesen Sensor und die Bildqualität ist erwartungsgemäß identisch, also sehr gut. Da Fujifilm zudem vom vergleichsweise großen APS-C-Sensor nur 16 Megapixel an Auflösung fordert, eine Samsung NX1 beispielsweise hat eine von 28 Megapixel, sind die einzelnen Pixel relativ groß und können vergleichsweise viele Lichtquanten einfangen. Dadurch rauscht der Bildsensor von Hause aus vergleichsweise weniger. Die Fotos der X-T10 sind hochaufgelöst und scharf, geben Mikrostrukturen sehr klar und differenziert wieder und besitzen eine ganz besondere Plastizität.

Fazit

Dier Fujifilm X-T10 ist eine rundherum gelungene Systemkamera mit sehr guter Bildqualität, erstklassigem Autofokus, bester Verarbeitung und einem in sich stimmigen Bedienkonzept. Die X-T10 ist eine echte Bereicherung im Fujifilm-Programm und kann auf eine exzellente Objektivauswahl zugreifen.

Fujifilm X-T10

Hersteller FUJIFILM Electronic Imaging Europe GmbH
Vertrieb Benzstraße 2, 47533 Kleve, Tel.:+49 (2821) 7115-0, www.fujifilm.de
Preis [UVP] 799 €, mit Kitobjektiv Fujinon XF 18-55mm 1.099 €

Technische Daten/Ausstattung

Gehäuse Magnesium-Legierung
Spritzwasser- und Staubschutz –
Objektivbajonett/Objektiv fest eingebaut FUJIFILM X mount/-
Sensortyp/Prozessor 16,3 MP/4896 x 3264 Pixel
Bildformate JPEG, RAW (14 Bit)
Bildstabilisator in entsprechend ausgestatteten Objektiven (OIS)
Sensorreinigung Ultraschallfilter
Sucher OLED, elektronisch, 2.360.000 Punkte, Vergrößerung 0,62
Dioptrienanpassung -3,0 bis +1,0 dpt
Programm-/Zeit-/Blendenautomatik/manuell P/P/P
Belichtungsmessung Mehrfeld/Integral/Spot P/P/P
Belichtungskorrektur/ Belichtungsreihen P/P, (± 3 EV)
Weißabgleich: Auto/manuell/Presets/Reihen P/P/P/-
ISO-Empfindlichkeit ISO 200-6400 (plus 100, 12.800, 25.600, 21.200)
Verschlusszeiten/Blitzsynchronisation 30-1/4000s / 1/180s, elektr. Verschluss bis 1/32.000
Auslösemodi S, CL, CH
Selbstauslöser P (2s/10s)
Intervalltimer P (1s bis 24 Stunden, bis 999 Aufnahmen)
Fokussiersystem Hybrid: Kontrast- und Phasen-Fokussierung
AF-Messfelder/Arbeitsbereich 49 (Kontrast-AF, Phasen-AF),AF-C 77 Fokuspunkte
Fokusmodi Manuell, single, kontinuierlicher AF
AF-Hilfslicht P
Gesichterkennung P
Maximale Bildsequenz 8 Bilder/s im CH-Modus; 3 Bilder/s im CL-Modus
Max Anzahl Bilder bis Speicher voll 8 JPEG-Aufnahmen
eingebauter Blitz P (Leitzahl 5 bei IOSO 100)
Blitzmodi 2. Verschlussvorhang, Slow-Synchro
Externe Blitz steuerbar Master-/Slave-Modus P
Touchscreen
Livebild/mit Autofokus P/P
Wasserwaage P
Bildschirm/Auflösung/klappbar/schwenkbar 3-Zoll/920.000 Pixel/P/-
Schnittstellen USB 2.0, HDMI, externes Mikrofon, Fernauslöser
Speicherkarten SD-Karten (SDHC-, SDXC-, UHS-II-kompatibel)
Videoformat H.264-Standard (MOV)
bestmögliche Videoqualität Full HD 1920 x 1080 30p
Tonaufnahme Linear PCM Stereo
Abmessungen (BxHxT) 119 x 83 x 41 mm
Gewicht 382 g (Inklusive Akku und Speicherkarte)

Besonderheiten

Panoramamodus, 11 Analogfilm-Simulationen, 13 Filter-Funktionen

Diesen Test finden Sie in der Ausgabe 10/2015.