„Vier Positionen zeitgenössischer Fotografie“ in der neuen Ausstellung der Leica Galerie Wetzlar

Die Leica Galerie Wetzlar zeigt unter dem Titel „STRUTH–TILLIM–MORTAGNE–GUINDANI – Vier Positionen zeitgenössischer Fotografie“ eine Auswahl aus vier Projekten der Leica Fotografen Thomas Struth, Guy Tillim, Fred Mortagne und Stefano Guindani. Sie alle haben mit der neuen spiegellosen Systemkamera Leica SL gearbeitet und deren Leistung hinsichtlich Geschwindigkeit, Bildqualität und Vielseitigkeit für ihre Fotostrecken auf ganz individuelle Art genutzt. Die Ausstellung kann bis zum 12. Januar 2016 besichtigt werden.

 

© Thomas Struth

© Thomas Struth

Thomas Struth, bekannt für seine großformatigen konzeptionellen Museumsinterieur-, Architektur- und Naturserien, überrascht mit seinem jüngsten Projekt, bei dem die Musik im Mittelpunkt steht. Entstanden sind die Aufnahmen während einer Musikproduktion im Konzertsaal der Abtei Marienmünster. Dort porträtierte Struth den Gitarristen Frank Bungarten und den Tonmeister Werner Dabringhaus und vermittelt eindrücklich die Atmosphäre konzentrierter musikalischer Arbeit. Ergänzt wird das Projekt durch Fotografien des barocken Innenraumes der Abteikirche. Struth lenkt den Blick nicht nur auf das barocke Inventar der menschenleeren Kirche, sondern auch hier auf die stille Konzentration. Präzise erkundet er den Raum, entdeckt mit den von ihm gewählten Ausschnitten den Ort neu, interpretiert ihn mit seiner fotografischen Bildsprache. Ganz subtil verdeutlicht sich so die Nähe von Musik und Bild, indem Komposition, Variation und Interpretation als gemeinsame Konstante thematisiert werden.
Thomas Struth, geboren 1954 in Geldern, studierte von 1973 bis 1980 an der Staatlichen Kunstakademie Düsseldorf. Er ist einer der erfolgreichsten Schüler der Fotografen Bernd und Hilla Becher und zählt heute zu den international renommiertesten Vertretern künstlerischer Fotografie.

 

© Guy Tillim

© Guy Tillim

Guy Tillim richtet seit Längerem sein fotografisches Augenmerk intensiv auf Stadt-Landschaften. Dabei steht nicht das fotografierte Motiv im Vordergrund, sondern der Versuch, ihm unvoreingenommen zu begegnen. So entstehen Bilder, die wahrhaftig sind, indem sie weder Klischees zeigen noch krampfhaft vermeiden. Den schnellen Zugang verwehrt Tillim. Er möchte in seinen Werken keine einfachen Wege zum Motiv aufzeigen, der Betrachter muss sie selbst und für sich finden. Angelegt in Diptychen, bricht die Arbeit die Komposition des einzelnen Bildes und zeigt einen Ausblick, nicht etwa auf die Gedanken in Tillims Kopf, sondern auf das, was tatsächlich vor ihm sichtbar ist – mitten in Berlin.
Geboren 1962 in Johannesburg, sah Guy Tillim in der Fotografie seine Waffe im Kampf gegen die Ungerechtigkeit des Apartheid-Regimes. In den 80er-Jahren war er als Reporter tätig und schloss sich der südafrikanischen Fotografenvereinigung Afrapix an. 2005 gewann er den Leica Oskar Barnack Preis. Der Fotograf lebt in der Nähe von Kapstadt und wird von der Agentur VU vertreten.

 

© Fred Mortagne

© Fred Mortagne

Fred Mortagne, in der Szene besser bekannt als „French Fred“, ist in der Skateboard-Fotografie eine singuläre Erscheinung. Während sich das Gros der Sportfotografen auf die athletische Leistung und die spektakulärsten Tricks konzentriert, erzeugt Mortagne allein dadurch, dass er fast ausschließlich in Schwarzweiß arbeitet, den völlig anderen Blickwinkel. Mortagne, der seine Karriere als Filmemacher startete, hat für seine Videos die „Frangle“-Technik entwickelt, den „Fred Angle“, mit dem er, selbst auf dem Skateboard fahrend, seine Protagonisten wie bei einer Dolly-Fahrt begleitet und umkreist. Die besondere Perspektive sucht er auch in seiner Fotografie, in der er makellos ausgeführte Skateboard-Tricks – bei denen es weniger auf den Schwierigkeitsgrad als auf die Eleganz der Bewegung ankommt – vor der Kulisse einer dramatisch komponierten architektonischen Linienführung in Szene setzt.
Fred Mortagne lebt in seiner Geburtsstadt Lyon. 1993 nahm er sein erstes Skateboard-Video auf, fünf Jahre später machte er das Hobby zum Beruf. Als Fotograf ist Mortagne Autodidakt. Er hat 2007 den ersten Red Bull Illume gewonnen, 2015 war er als Photographer Of The Year bei den Bright European Skateboard Awards nominiert. Derzeit bereitet Mortagne die Veröffentlichung seines ersten Fotobuchs bei Um Yeah Arts vor.

 

© Stefano Guindani

© Stefano Guindani

Stefano Guindanis Blick hinter die Kulissen offenbart die Welt der Models nicht als Modebild, sondern als Bild eines Berufs. Oft zeigt er sie mit müden Augen, Grimassen, Lockenwicklern oder beim hastigen Gang von der Bühne in die Garderobe. „Backstage zu fotografieren wird aus mehreren Gründen immer wichtiger“, meint Guindani. „Es gibt die kommerziellen Gründe, um Produkte sichtbarer zu machen und die journalistischen, um die Show zu präsentieren. Aber vor allem geht es darum, authentische Fotos von den Models zu bekommen. Ohne Inszenierung und ohne Pose.“ Seinen Bildern merkt man die intuitive, fast unwillkürlich wirkende Herangehensweise an. Nicht selten verwischen sich die Strukturen, lösen sich Form und Körper der Models auf. Das verleiht den Aufnahmen etwas Sublimes und Übersinnliches.
Nach ersten Erfahrungen mit der Tanz- und Theaterfotografie spezialisierte sich Stefano Guindani (Jahrgang 1969) später auf Mode- und Werbefotografie und gründete 1998 die Bildagentur SGP Stefano Guindani Photo. In den letzten Jahren widmet sich der italienische Fotograf zunehmend freien Reportage-Projekten. Guindani lebt in Mailand.

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